04.10.2005 · Die Aktie von Sun Microsystems war ein Highflyer während der Interneteuphorie. Inzwischen hat sie jedoch sämtliche Wachstumsphantasie verloren. Es dürften gute Argumente nötig sein, um diese Einschätzung zu ändern.
Sun Microsystems war während der Interneteuphorie der neunziger Jahre eine Erfolgsgeschichte. Nichts schien das Unternehmen aufhalten zu können, das vor allem die spezialisierten und hochmargigen Server für das weltweite Netz herstellte und mit Gewinn verkaufte.
Das zeigte sich auch an der Kursentwicklung der Aktie, die vom Juni des Jahres 1994 bis in den September des Jahres 2000 bis zu etwas mehr als 11.000 Prozent zulegte auf 64,65 Dollar in der Spitze. Diese Entwicklung wurde begleitet von deutlichen Umsatzzuwächsen und steigenden Gewinnen.
Übersteigertes Selbsbewußtsein rächte sich
Dies wirkte sich auch auf das Selbstbewußtsein des Managements aus. Für Unternehmenschef Scott McNealy stand Sun und dessen Technologie über allem, dagegen machten alle anderen alles falsch. Diese Arroganz rächte sich. Denn vor allem aufgrund des Platzens der Internetblase, den folgenden Sparzwängen in vielen Unternehmen und mit dem Aufkommen günstigerer Konkurrenzprodukte brachen die Umsätze ein auf ein zuletzt mehr oder weniger konstantes Niveau von drei Milliarden Dollar. Das Unternehmen hatte und hat immer noch Mühe, sich überhaupt in der Gewinnzone zu halten.
Die Aktie verbuchte aus diesen Gründen in den Jahren 2000 bis 2002 massive Kursverluste. Sie befindet sich seitdem in einer mehr oder weniger volatilen Seitwärtsbewegung zwischen drei und sechs Dollar.
Am Montag konnte der Titel allerdings bei massiven Umsätzen von knapp 140 Millionen Aktien - das normale Volumen lag in den vergangenen Monaten zwischen drei und sechs Millionen Stücken - 6,62 Prozent auf 4,19 Dollar zulegen. Hintergrund war die Tatsache, daß das Unternehmen eine Kooperation mit Google ankündigte.
Weitere Einzelheiten sollen am Dienstag bekannt gegeben werden. Denn dann werden Sun-Chef Scott McNealy und Google-Vorstand Eric Schmidt eine gemeinsame Pressekonferenz abhalten. Schmidt kennt Sun recht gut, denn er arbeitete in den Jahren 1983 bis 1997 für das Unternehmen. Das dürfte Vermutungen bestätigen, daß neue technologische Ideen im Zusammenhang mit dem Internet bekannt gegeben werden.
Kooperation mit Google führt zu spekulativer Phantasie
Immerhin scheint es bei Google Überlegungen zu geben, im Raum San Francisco ein Pilotprojekt zu starten, welches den schnurlosen Zugang zum Internet kostengünstig oder gar kostenlos über die so genannte Wi-Fi-Technologie möglich machen soll. Auf diese Weise könnte das Unternehmen den Einstieg in den Telekommunikationsbereich versuchen.
Die Idee dürfte gewisse Reize haben, sollte sie denn technisch machbar sein. Immerhin verlangen die „traditionellen“ Internetanbieter überteuerte Gebühren für ein Massenprodukt. Sollten Google und Sun zusammen eine neue Technologie anbieten können, die eine Art von „Quantensprung“ darstellt, dürfte auch die Aktie von Sun wieder eine gewisse Kursphantasie erhalten können.
Bis dahin bleibt das Unternehmen und damit die Aktie uninteressant, da der Wettbewerb im gegenwärtigen Geschäft sich immer weiter intensiviert. Zudem ist das Papier mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 105 und 45 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr massiv überbewertet. Das Unternehmen müßte schon überzeugende Argumente liefern, um diese Einschätzung zu ändern. Bis dahin bleibt das Papier spekulativ.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |