Wenn die Aktie eines Unternehmens innerhalb von gerade einmal drei Monaten 100 Prozent zulegt und dabei den wirklich verheerend aussehenden, langfristigen Abwärtstrend überwindet, dann muß es Neuigkeiten geben, die die Phantasie der Anleger beflügeln.
Das gilt erst recht dann, wenn das Unternehmen zwar im Trend steigende Umsätze verbucht, aber in den vergangenen Jahren so gut wie nie Gewinne geschrieben hat. Auch Kurs-Gewinnverhältnisse von 110 und 73 auf Basis der eher raren Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Jahr dürften kaum der Grund für die Entwicklung gewesen sein.
Aktie zeigt kurzfristig starke Dynamik nach oben ...
Nichts desto Trotz legten die Papier des amerikanischen Unternehmens Kopin Corporation in den vergangenen Wochen massiv zu. Hintergrund dürften verschiedene Meldungen sein. Die erste ist wohl die Tatsache, daß das Unternehmen im ersten Quartal des laufenden Jahres einen Nettogewinn von zwei Cents je Aktie vermeldet hat. Allerdings stammt die Hälfte davon aus außerordentlichen Einkünften. Gleichzeitig ist der Umsatz aber im Vergleich mit dem Vorjahresquartal um 22 Prozent auf 17,27 Millionen Dollar gefallen.
Allerdings blickt das Unternehmen optimistisch in die Zukunft. Es konzentriert sich auf die Entwicklung und die Herstellung von technologischen Produkten, die die Art und Weise wie man sieht, hört und kommuniziert revolutionieren könnten. Dazu zählen mobile Geräte, die klein sind, wenig Energie verbrauchen und trotzdem eine überdurchschnittliche Performance aufweisen. Das so genannte Wafer-Engineering soll zur Herstellung von innovativen elektronischen Komponenten für die mobile Welt beitragen.
... ist allerdings noch stark risikobehaftet
Zu den Produkten gehören auch HB-Transistoren, Gallium-Nithrit-Leuchtdioden und kleinste Flüssigkristallbildschirme, die sich auf Grund ihrer Schärfe und Klarheit für Camcorder, digitale Kameras, aber auch für leicht tragbare, kostengünstige mobile Kommunikations- und Informationssysteme eignen. Sie werden unter anderem in Produkten von JVC, Panasonic, Samsung und Konica Minolta verwendet. Auch das amerikanische Militär verwendet sie in Infrarot-Thermalwaffen. Außerdem finden sie Einsatzmöglichkeiten bei Virtual-Reality-Spielen, Simulationen, chirurgischen Applikationen und mobilen Kommunikationsgeräten.
Kopin versucht von den verschiedenen Märkten profitieren zu können. Dazu zählt kurz- und mittelfristig vor allem auch das amerikanische Militär. Denn dort denkt man, Produkte mit guten Margen absetzen zu können. Eine gewisse Phantasie dürfte auch die Projektion von Bildern auf Brillen mit sich bringen. Denn sie würde es möglich machen, sich unterwegs zu informieren oder mit Videos oder anderen Applikationen zu amüsieren.
Insgesamt deutet vieles auf eine starke innovative Dynamik des Unternehmens hin. Auf der anderen Seite läßt die bisherige operative Entwicklung zunächst einmal die Beständigkeit vermissen. Zum anderen ist die Bewertung der Aktie noch stark hoffnungsbasiert. Die aktuelle Bewertung liegt jenseits aller Vernunft. Auf dieser Basis sollte jeder die Risiken kennen, die er sich beim Kauf solcher Papiere ins Depot holt.