18.12.2009 · Trotz aller Tiefschläge in diesem Jahr dürfen Anleger auf ein gutes Börsenjahr 2010 hoffen. Mehrere Zeichen deuten auf eine positive Entwicklung des Dax hin. Zumindest aus Sicht der technischen Analyse.
Von Wieland StaudZum Jahreswechsel interessiert sich jeder Anleger für das, was in den letzten 12 Monaten war, und vor allem für das, was in den nächsten 12 Monaten wahrscheinlich kommen wird. Ersteres ist zwar kalter Kaffee, und Zweiteres, gemessen an den zu erwartenden Ergebnissen, kaum sinnvoll.
Die Frage nach dem Schlusskurs des Dax im nächsten Jahr wurde wohl schon millionenfach gestellt und mit einer gefühlten Fehlerquote von 99 Prozent immer wieder völlig falsch beantwortet. Dennoch kann sich der Faszination des Jahresausblicks kaum einer entziehen.
Der Trend ist dein Freund
Am Anfang muss immer der Blick auf das Machbare und nicht auf das Wünschenswerte stehen. Eine Antwort auf die Frage, wo sich der Dax am 31. Dezember 2010 einfinden wird, ist selbst dann reines Glücksspiel, wenn man einer solchen Prognose eine gewisse Unschärfe zubilligt und sie beispielsweise auf eine Spanne von 6800 bis 6900 Punkten einschränkt. Möglich ist aber eine Tendenzaussage. Vor einem Jahr schrieb ich an dieser Stelle, dass der Dax in 2009 neue Tiefs erreichen, zwischen 3600 und 3300 Punkten einen Boden finden, sich danach deutlich erholen und wenigstens 40 Prozent der vorausgegangenen Kursverluste wieder wettmachen wird. Dem noch Zeitangaben hinzufügen zu wollen wäre wohl die Vorstufe einer Allmachtsphantasie gewesen.
Welche Tendenz zeichnet sich also für 2010 ab? Trotz aller gefühlten und tatsächlichen Katastrophen der vergangenen Monate und trotz aller für viele scheinbar noch anstehenden Krisen kann eine Analyse des Dax momentan nur zu einem - überraschenden - Ergebnis kommen: Es sieht gut aus. Zum einen, weil der Trend aufwärts zeigt. Nichts ist grundsätzlich unwahrscheinlicher als eine Trendumkehr, und schon deshalb wird wohl auch der aktuelle Aufwärtstrend nach oben fortgeschrieben werden. Kaum eine Regel der Technischen Analyse ist einfacher anzuwenden und gleichzeitig schwieriger umzusetzen. Aber wer das nicht tut, der wird seinem Depot schnell einen Bärendienst erweisen.
Zum anderen ist festzustellen: Die Stimmung ist schlecht. Allzu großer Optimismus, der unvorsichtig machen könnte, herrscht derzeit nicht. Betrachtet man nun den Aufwärtstrend und die verhaltene Stimmung, zeigt sich, dass nicht viel Luft nach unten, aber beachtenswert viel Spielraum nach oben ist.
Auch die Oszillatoren sprechen eher für als gegen den Dax. Besonders hoffnungsvoll stimmen aber die Elliott-Wellen, ein nach dem Amerikaner Ralph Nelson Elliott benanntes Mittel der Technischen Analyse, das psychologische Aspekte beim Kaufverhalten bewertet. Wenn es zutrifft, dass nach unten wenig, aber nach oben viel Entwicklungsspielraum ist, dann existiert zumindest eine erwähnenswerte Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich der Dax in der Kernanstiegsbewegung einer Hausse, der unter Anhängern der Wellentheorie legendären "3" von "III", befindet. Gerade der eben erst zur Wochenmitte erfolgte Ausbruch über die bisherigen Jahreshochs hinaus könnte der letzte noch fehlende, entscheidende Hinweis darauf gewesen sein, dass der Dax auf bestem Wege ist. Monatelang hatte er sich schwergetan damit, den entscheidenden Schritt über 5850 Punkte hinaus zu machen - dann tat er ihn doch, kurz vor den vielen handelsfreien Tagen. Das ist ein gutes Zeichen.
Unsicherheitsfaktoren sind heute größer als vor einem Jahr
Wenn unter dem Strich die Dinge mehr gut als schlecht aussehen: Was bedeutet das für den Ausblick auf das Jahr 2010? Meine Mitarbeiter und ich gehen erstens davon aus, dass der Dax als Nächstes den oberen Rand der schon öfter angeführten "Lehman-Zone" (siehe Chart) von 6150 Punkten erreichen wird. Der erste Kurs über diesem Schwellenwert lässt für uns zweitens nahezu alle Ampeln auf Grün springen. Wir werden - drittens - genau dann nach dem heutigen Stand der Analyse Kurse um 7000 Punkte zum Ziel erklären. Für diesen Fall gilt auch, dass der Dax sich viertens bereits im März 2009 etwa dort befunden haben könnte, wo auch der Dow 1974 zu Zeiten der Ölkrise war: im absoluten Tief. Sollte der Vergleich statthaft sein, dann könnte das - fünftens - heute wie damals Spielraum bis in die Nähe der alten Hochs eröffnen.
Das mag in den Ohren des einen oder anderen nach zu viel Optimismus klingen, und natürlich kann auch alles ganz anders kommen. Jeder Kurs unter 5320 Punkten würde sehr nachdenklich machen; jeder unter 5050 Punkten, meinem analytischen Stoploss für jedweden langfristigen Optimismus, würde dem Dax wohl enorme Probleme und eine Fortsetzung der Baisse bescheren. Aber die Gefahr eines solchen Rückschlags ist in den vergangenen Tagen deutlich geringer geworden. Zugegeben: Die Unsicherheitsfaktoren sind heute größer als vor einem Jahr. Dennoch kann eine Analyse, die alles, was einem technischen Analysten zur Verfügung steht, mit einbezieht, gegenwärtig nur zu diesem Schluss kommen: Vor uns liegt ein gutes neues Jahr.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.401,20 | +1,23% |
| FAZ-INDEX | 1.393,33 | +1,20% |
| TecDAX | 760,99 | +0,66% |
| MDAX | 10.372,00 | +1,07% |
| SDAX | 4.842,15 | +0,54% |
| REX | 435,43 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.166,72 | +0,88% |
| F.A.Z. EURO | 70,06 | +0,94% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.657,08 | +0,89% |
| EUR/USD | 1,2564 | +0,18% |
| Rohöl Brent Crude | 107,72 $ | +0,43% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
| Bund Future | 144,11 € | −0,14% |