05.08.2009 · Die amerikanische Börse ist derzeit von einem überbordenden Optimismus geprägt. Mittelfristig könnte sich der S&P 500 oberhalb von 1000 Punkten halten: Der technische Kommentar aus Wall Street.
An der Wall Street wäre eine Korrektur jetzt willkommen. Der amerikanische Aktienmarkt ist zumindest unter kurzfristigen Aspekten "überkauft", und die Stimmung unter den Börsianern beginnt optimistische Kapriolen zu schlagen, zumal der Standard & Poor's 500 Index (S&P 500) am Montag die magische Marke von 1000 Punkten überschritten hat. Nach dem Urteil technisch orientierter Analysten würde eine eng begrenzte Korrektur den vor knapp vier Wochen entstandenen Aufschwung nicht in Frage stellen. Er habe noch etwas Potential, heißt es weithin mit Blick in den Bereich von 1050 Punkten beim S&P 500. Sehr viele Techniker betrachten die gesamte, bis Anfang März zurückzuverfolgende Aufwärtsbewegung aber unverändert als Zwischenspiel im Rahmen einer jahrelangen Baisse. Doch sie räumen ohne weiteres ein, dass die Kurssteigerungen wegen ihrer beachtlichen Ausdehnung die Bezeichnung "zyklische Hausse" verdienen.
Aufschwung als „letzten Schnaufer“
Walter Murphy, ein unabhängiger, der Elliott-Wellen-Theorie zugewandter Techniker, blickt kritisch auf die Marke von 968,65 Punkten. Solange sie halte, könne der Aufschwung andauern. Ernster Widerstand charttechnischer Natur und nach dem Fibonacci-Modell sei zwischen 1007 und 1048 Punkten zu vermuten. Murphy bezeichnet den laufenden Aufschwung als "letzten Schnaufer", denn er erwartet, dass die Zone um 960 Zähler in absehbarer Zukunft unterschritten wird. Zunächst hält er jedoch eine kurze Korrektur im Rahmen dieses wohl noch nicht abgeschlossenen Aufschwungs für wahrscheinlich, die sich bis Mitte August erstrecken könnte. Danach könnten sich die Kurssteigerungen fortsetzen und den S&P 500 in die angeführte Zielzone tragen. Das große Bild lässt den Techniker aber unverändert von einer Zwischenerholung im Rahmen einer noch nicht beendeten Baisse sprechen. Als mittelfristiges Ziel hat er immer wieder den Bereich von mindestens 777 bis 812 Punkten angegeben, falls die auf dem Weg dorthin liegenden Stützungszonen unterschritten werden sollten.
Mary Ann Bartels, die Cheftechnikerin von Bank of America Securities-Merrill Lynch, bleibt bei ihrer seit März stehenden Aussage, dass der S&P 500 in die Zone zwischen 1005 und 1065 Punkten vordringen kann. Doch auch sie hält nach den jüngsten Kurssteigerungen zunächst einmal eine begrenzte Korrektur für wahrscheinlich. Zwischen 900 und 930 Punkten könne der Index auf Unterstützung stoßen. Die eigentliche Korrektur wird nach Ansicht von Bartels einsetzen, sobald ihre Zielzone und damit seit März ein Terraingewinn von etwa 60 Prozent erreicht ist. Im Zuge des erwarteten neuen Aufschwungs in diesen Bereich werde sie aufmerksam auf sich mehrende negative Divergenzen zwischen den Indizes und einzelnen technischen Indikatoren achten. Sie könnten eine Korrektur von jedenfalls 15 Prozent ankündigen.
Vier Aufschwungphasen
Bartels diskutiert über die Tageslage hinaus auch die Möglichkeit, dass sich die amerikanischen Börsenindizes nach dem Vorbild der Jahre 1966 bis 1982 in einer breiten Spanne einpendeln. Diese Vision hat ihre unabhängige Kollegin Louis Yamada bereits vor geraumer Zeit in die Debatte eingeführt. Auch Robert Farrell, einer der Nestoren der Technischen Analyse an der Wall Street, gab diese Möglichkeit schon vor gut zwölf Monaten zu bedenken. Bartels würde das Entstehen eines sich über viele Jahre erstreckenden Bandes unter Gesichtspunkten der Kapitalanlage nicht stören. Sie verweist darauf, dass der S&P 500 zwischen 1966 und 1982 vier Aufschwungphasen von durchschnittlich 61,4 Prozent vollführt hat. In dieser Zeit gab es fünf Abwärtsbewegungen, die im Mittel um 29,5 Prozent nach unten führten.
Jeffrey Saut, einer der Strategen von Raymond James, hat beim S&P 500 ebenfalls den Bereich von 1050 Punkten im Auge, wenn er von einem Ziel des gegenwärtigen Aufschwungs spricht. Die Aufwärtsbewegung erinnert ihn an das Verhalten des Index im Jahr 2003, als dieser zunächst von Liquidität und in der nächsten Phase von sich bessernden fundamentalen Bedingungen nach oben getragen worden sei. Mit Blick auf die Dauer des im Juli entstandenen Aufschwungs kommt er auf seine über Jahrzehnte hinweg gewonnene Erkenntnis zurück, nach der eine dynamische Aufwärtsbewegung wie die gegenwärtige meist 17 bis 25 Tage dauert, bevor sie bricht. Am Montag war Tag 16. Er rät davon ab, den Höhepunkt des Aufschwungs "erwischen" zu wollen. Vielmehr sei zu empfehlen, ein gleitenden Durchschnitt von zum Beispiel zehn Tagen zu wählen und zu verkaufen, sobald der Index diesen unterschreitet.
5 über 15 und 25 bis vielleicht 35% Einbruch
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 05.08.2009, 18:59 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.050,29 | −3,42% |
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| TecDAX | 730,90 | −2,68% |
| MDAX | 9.870,46 | −2,73% |
| SDAX | 4.717,40 | −2,20% |
| REX | 439,15 | +0,37% |
| Eurostoxx 50 | 2.068,66 | −2,37% |
| F.A.Z. EURO | 67,11 | −2,09% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| Nasdaq 100 | 2.458,83 | −2,62% |
| S&P500 | 1.278,04 | −2,46% |
| Nikkei225 | 8.440,25 | −1,20% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
| Bund Future | 146,44 € | +0,36% |