14.09.2006 · Für technisch motivierte Neuengagements bieten sich Aktien an, die der Hausse der vergangenen Jahren zunächst nicht gefolgt waren - etwa der italienische Versorger Enel und der niederländische Einzelhändler Ahold.
Von Achim MatzkeViele europäische Aktienindizes haben im Mai ihre Hausse-Trends verlassen. Seit Mitte Juni läuft aber eine durchgreifende Kurserholung. Zwar hat diese in den letzten Wochen bereits wieder an Aufwärtsdrang verloren, an den europäischen Aktienmärkten herrscht aber weiterhin ein freundlicher Grundton vor.
Es überrascht daher nicht, daß sich für technisch motivierte Neuengagements gerade Aktien anbieten, die in den letzten Monaten beziehungsweise Jahren der Aktienhausse zunächst nicht gefolgt waren. Für diese technische Spätzünder-Strategie stehen im Euro Stoxx 50 mit dem italienischen Versorger Enel ein eher konservativer und mit dem niederländischen Einzelhandelskonzern Ahold ein eher spekulativer Titel zur Verfügung.
Ahold: Spekulativer technischer Kauf
Der Stoxx Einzelhandel, in dem die 23 führenden europäischen Einzelhändler zusammengefaßt sind, hat zuletzt neue Jahreshochs erreicht und eine ausgeprägte relative Stärke gegenüber dem Stoxx 600 herausgebildet. Während zunächst Titel wie die britische Tesco und die französische Carrefour diese Entwicklung geprägt haben, kommt es jetzt bei der niederländischen Ahold zu einer grundlegenden technischen Veränderung.
Ahold (Isin NL0000331817), die zuletzt nur knapp einem Abstieg bei der jährlichen Überprüfung der Index-Zusammensetzung des Euro Stoxx 50 entkommen ist, steckte von 1997 bis 2001 in einer Seitwärtspendelbewegung zwischen 20 und 32 Euro. Begleitet von mehreren Verkaufssignalen, ist die Aktie Anfang 2002 aus dieser Seitwärtspendelbewegung in einen Baisse-Trend hineingelaufen. Während die Baisse im Jahr 2002 von einem kontinuierlichen Kursrückgang begleitet war, kam es zum Jahresanfang 2003 zu einer Abwärtsbeschleunigung, die in einem Sell-out (von hohen Volumina begleiteter Ausverkauf mit nachfolgender Kurserholung) bei Kursen knapp über 2 Euro endete.
Aufarbeitung der Baisse erst begonnen
Das Comeback im zweiten Quartal 2003 endete im Bereich der Widerstandszone von 7,50 Euro bis 8 Euro. Was zunächst wie eine normale Konsolidierung aussah, hat sich danach zu einer jahrelangen Seitwärtspendelbewegung entwickelt und weist den technischen Charakter einer Bodenformation auf. Begleitet von einem mittelfristigen Aufwärtstrend, der im Juni 2006 bei zirka 6,10 Euro startete, hat Ahold die massive Widerstandszone (um 7,50 Euro) überwunden und die langfristige Bodenformation verlassen.
Derzeit notiert die Aktie bei 7,90 Euro. Aus technischer Sicht hat bei Ahold die Aufarbeitung der Baisse mit dem jetzt gestarteten Comeback erst begonnen. Da sich bei der Bestätigung des Investmentkaufsignals (Kurse über 8 Euro) als erstes, technisches Etappenziel ein Test der nächsten gestaffelten Widerstandszone (9,30 Euro bis 10,20 Euro) andeutet, ist Ahold ein spekulativer technischer Kauf. Trotz dieser guten technischen Gesamtlage sollte aber jede Ahold-Position mit einem Sicherungsstop bei 7 Euro belegt werden.
Enel: Kurse über 7,30 Euro als Investmentkaufsignal
Der italienische Versorger Enel (Isin IT0003128367) befindet sich seit dem Juli 2002 (Start bei Kursen um 4 Euro) in einer langfristigen Hausse, die durch einen moderaten Hausse-Trend bei 6,70 Euro begrenzt wird. Nach dem Verlassen der Bodenformation (von Juli 2002 bis März 2004 unterhalb des Widerstands um 5,60 Euro) hatte Enel einen beschleunigten Aufwärtstrend herausgebildet, wobei im Februar 2005 bei 7,50 Euro das bisherige Kursstop dieses Hausse-Trends gesetzt worden ist. Während der Stoxx-Versorger auch in den letzten 18 Monaten weiter auf neue Allzeithochs gestiegen war und viele europäische Versorger technische Neubewertungen durchlaufen haben, ist Enel in eine Korrekturbewegung zurückgefallen.
Derzeit notiert die Aktie bei 7,10 Euro. Enel weist damit eine mittelfristige relative Schwäche sowohl innerhalb des Sektors als auch gegenüber dem Euro Stoxx 50 auf. In den letzten Monaten hat Enel innerhalb der Korrekturbewegung eine Handelsspanne zwischen 6,50 Euro und 7,20 Euro herausgebildet. In den letzten Wochen ist Enel bis an die Widerstandszone bei etwa 7,20 Euro herangekommen.
Nach der Ankündigung der Zwischendividende von 0,20 Euro am 20. November 2006 weist Enel eine Gesamtdividendenrendite von deutlich über 6 Prozent auf. Außerdem hat das Management mit Blick auf das Jahr 2007 - bei fehlenden Aquisitionsmöglichkeiten - auch ein Aktienrückkaufprogramm in Aussicht gestellt. Aus technischer Sicht sollte eine Anfangsposition aufgebaut werden. Sollte Enel in den kommenden Wochen mit einem neuen Investmentkaufsignal (Kurse über 7,30 Euro) anspringen, deutet sich ein langfristiges, technisches Kurspotential bis zur Widerstandszone von 8,50 Euro bis 8,85 Euro an.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,63 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |