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Technische Analyse Langfristige technische Lage des Dax deutlich verbessert

01.10.2009 ·  Die jüngsten Kursgewinne haben die mittel- und langfristige technische Lage bei führenden Aktienindizes wie dem Dax grundlegend verbessert. Die Aufwärtsdynamik dürfte sich zunächst jedoch abschwächen.

Von Achim Matzke
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Die im Sommerquartal aufgetretenen Kursgewinne haben die mittel- und langfristige technische Lage bei den führenden Aktienindizes wie dem amerikanischen S&P-500, dem japanischen Nikkei 225, dem Euro Stoxx 50 und dem Dax weiter grundlegend verbessert. Bei einigen Indizes hat der Kursaufschwung seit Anfang März 2009 längst den technischen Charakter einer typischen Liquiditätshausse, wie sie im Regelfall nach Abschluss von Baisse-Bewegungen und Bodenformationen auftreten, angenommen. Auch wenn im vierten Quartal 2009 eine deutliche Abschwächung der mittelfristigen Aufwärtsdynamik und eine etwas differenzierte Kursentwicklung bei den Indizes nicht überraschen sollten, dürfte der positive Grundcharakter erhalten bleiben.

Der S&P 500 hat auch in den letzten Monaten mit Blick auf die führenden europäischen Aktienindizes seine technische Führungsrolle nicht aufgegeben. Im Index war die Baisse, die im Oktober 2007 bei 1576 Punkten begann und eine Abwärtsbeschleunigung im September/Oktober 2008 aufwies, vom vierten Quartal 2008 an in eine Bodenformation hineingelaufen. Diese hat aus technischer Sicht den Charakter einer Kopf-Schulter-Kaufformation unterhalb der Nackenlinie (Widerstandslinie) bei etwa 950 Punkten. Bereits im Jahr 2002/2003 endete die damalige Baisse in einer technischen Bodenformation unterhalb der gestaffelten Widerstandszone von 950 bis 965 Punkten. Im Juli 2009 sorgte die ausgeprägte Sommerrally nicht nur für die endgültige Kursetablierung oberhalb der 200-Tage-Linie, sondern mit dem Sprung über die Widerstandszone um 950 Punkte auch für einen Abschluss der technischen Bodenformation. Aktuell notiert der Index auf 1060 Punkten.

S&P 500 hatte Chancen auf Notierungen über 1100 Punkten

Aus mittel- und langfristiger technischer Sicht ist damit im S&P 500 die Aufarbeitung der Baisse in Gang gekommen. Da mit dem Rückenwind des schwächeren Dollar die Kursgewinne im Index in den vergangenen Wochen sehr hoch waren, sollte wegen der leicht überkauften Lage am amerikanischen Aktienmarkt eine deutliche Abschwächung der Aufwärtsdynamik einkalkuliert werden. Trotzdem hat der S&P 500 aus technischer Sicht im vierten Quartal weiterhin eine gute Chance, sich oberhalb von 1100 Punkten festzusetzen. Die mittelfristige technische Lage im Index würde sich erst eintrüben, wenn der S&P 500 bei der nächsten Konsolidierung die jetzt bereits leicht steigende 200-Tage-Linie, die aktuell bei 900 Punkten liegt, nicht verteidigen kann.

Beim Dax hatte sich nach der Baisse von Juli 2007 bis März 2009 mit einem Kursrückgang von 8150 auf 3589 Punkte mit dem ersten Kaufsignal im April 2009 ein Wechsel der technischen Gesamtlage angedeutet. Allerdings ist die technische Bodenformation im Dax - im Gegensatz zu anderen Aktienindizes - durch eine hohe Schwankungsintensität und eine gestaffelte Widerstandszone von 5000 bis 5300 Punkte geprägt, so dass keine klassische, sondern nur eine "variierte Kopf-Schulter-Kaufformation" aufgetreten ist. Im Juli 2009 ist der Dax mit einem weiteren Kaufsignal sowohl aus der Bodenformation mit dem Sprung über die Zone von 5000 bis 5300 Punkten als auch aus dem zentralen Baisse-Trend bei 5100 Punkten herausgekommen.

Kurzfristige Aufwärtsdynamik nur schwer zu halten

Als technische Konsequenz befindet sich der Index jetzt in einem mittelfristigen Aufwärtstrend, der als nächstes technisches Etappenziel einen Test der Widerstandszone um 6000 Punkte aufweist. Einerseits sollte für den Rest des Jahres auch beim Dax einkalkuliert werden, dass die sehr hohe kurzfristige Aufwärtsdynamik nur schwer zu verteidigen ist, andererseits bleibt das mittelfristig positive technische Gesamtbild auch beim nächsten Rückfall so lange erhalten, wie der Index die jetzt vorliegende Unterstützungszone von 5000 bis 5300 Punkten und die wieder steigende 200-Tage-Linie bei 4800 Punkten verteidigen kann. Derzeit liegt der Dax bei etwa 5670 Punkten.

Der Euro Stoxx 50 war in der Baisse von Juli 2007 bis März 2009 mit einem Kursrückgang von 4573 auf 1765 Punkte wegen der hohen Gewichtung des Fi-nanzsektors sogar leicht unter das vorherige Baisse-Tief von 1847 Punkten aus dem März 2003 gefallen. Diese Baisse war aus technischer Sicht vom vierten Quartal 2008 an unterhalb der Widerstandszone um 2500 Punkte in eine Bodenformation, die den mittelfristigen technischen Charakter einer Kopf-Schulter-Kaufformation aufweist, übergegangen. Mit den Kaufsignalen vom Juli 2009 - Kurse oberhalb der 200-Tage-Linie, Verlassen des zentralen Baisse-Trends, Abschluss der technischen Bodenformation - hat der Index eine neue, mittelfristige Aufwärtsbewegung etabliert, so dass die Aufarbeitung der Baisse mit einer hohen Aufwärtsdynamik in Gang gekommen ist.

In den vergangenen Wochen hat sich zusätzlich ein kurzfristiger Aufwärtstrendkanal herausgebildet, der bereits zu einer leicht überkauften Lage geführt hat. Auch wenn im vierten Quartal 2009 eine Reduzierung der kurzfristigen Aufwärtsdynamik anstehen sollte, ändert dies aber nichts an dem mittelfristig intakten positiven technischen Gesamtbild dieser klassischen Liquiditätshausse und dem nächsten technischen Etappenziel von 3000 Punkten. Aktuell notiert der Index bei rund 2860 Punkten.

Der Autor leitet das europäische Index-Research von Commerzbank Corporates & Markets.

Quelle: F.A.Z.
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