An den Aktienmärkten im Euro-Raum dürfte 2010 eine technisch motivierte konservative Strategie erfolgreich sein. Das erklärt sich durch die im historischen Vergleich relativ niedrigen Renditen bei vielen europäischen Staatsanleihen. Anleger sollten einen Aktienkorb aus konservativen europäischen Standardwerten aus dem DJ Euro Stoxx 50 aufbauen, bei denen sie eine hohe Dividendenrendite erwarten, aber auch die technische Gesamtsituation als attraktiv einschätzen. Der schon in früheren Jahren angewandte Selektionsprozess liefert diesmal die Werte Deutsche Telekom (Sicherungsstopp: 7,5 Euro), Iberdrola (4,3 Euro), Munich Re (75 Euro), RWE (45 Euro), Total (30 Euro) und Vivendi (15 Euro).
Bei der konservativen Strategie für 2009 war auf einen gleichgewichteten Aktienkorb ("Basket"), den "Technische Analyse/Dividenden-Basket", gesetzt worden. Er enthielt Deutsche Telekom, Enel (Titel fiel im Laufe des Jahres unter den Sicherungsstopp), ENI, France Télécom, RWE und Total. Die Entwicklung dieses Aktienkorbs lag 2009 ganz leicht hinter der Entwicklung des REXP-Index (Rentenperformance-Index, der repräsentativ für die Zinskurve von deutschen Staatsanleihen steht). Dieser legte im gleichen Zeitraum um etwa 5,7 Prozent zu.
Ziel: Höhere Gesamtrendite als bei einem Investment in Staatsanleihen
Fasst man die seit Anfang 2005 vorgestellten Aktienbaskets - mit dem jeweiligen Tausch in den neuen Aktienkorb - zusammen, ergibt sich eine Gesamtperformance von etwa 49,4 Prozent. Der DJ-Euro-Stoxx-50-Performance-Index hat im gleichen Zeitraum nur 9,7 Prozent eingebracht. Bei diesem Index werden die Dividenden anteilig in Kursgewinne umgerechnet; er repräsentiert eine "Kaufen-und-Halten-Strategie". Eine Anlage in den REXP-Index wäre in den vergangenen fünf Jahren um 23,7 Prozent gestiegen.
Das technische Ziel dieser konservativen Strategie sollte nicht darin liegen, den DJ Euro Stoxx 50 zu schlagen, auch wenn dies in den letzten fünf Jahren insgesamt gelungen ist. Vielmehr sollten Anleger versuchen, eine höhere Gesamtrendite als bei einem Investment in Staatsanleihen (Stichwort: "Ausgewählte Aktien sind die besseren Staatsanleihen") zu erzielen. Hierbei sollten sie auf die Verbindung aus stabilen Dividendenzahlungen und möglichen Kursgewinnen setzen. Für die Auswahl der Titel empfiehlt sich ein fünfstufiges Auswahlverfahren: Erstens sollte die Aktie aus dem DJ Euro Stoxx 50 stammen. Zweitens sollte die erwartete Dividendenrendite diesmal über 5 Prozent (deutlich oberhalb der aktuellen Zinskurve beispielsweise für deutsche Staatsanleihen) liegen. Drittens sollten die Werte ein attraktives technisches Gesamtbild aufweisen, damit die technische Chance auf eine Eigendynamik be-steht. Viertens sollten die Aktien nicht nur aus einer Branche beziehungsweise einem Land stammen. Fünftens erhält jede der ausgewählten Aktien einen technischen Sicherungsstopp, der sich im neuen Jahr jeweils um den Betrag der gezahlten Dividende und eventuell um Auswirkungen einer Kapitalmaßnahme verringert. Fällt die Aktie unter diesen Sicherungsstopp, so hat sich eine mittelfristige technische Eintrübung ergeben. Die Position wird in diesem Fall automatisch geschlossen. Die Barmittel sollten dann - wieder zusammen mit den gezahlten Dividenden - zunächst bis zum Dezember 2010 zu geldmarktüblichen Konditionen angelegt werden.
Die Aktie der Deutschen Telekom hatte sich im Januar 2008 (Kurshoch bei 15,9 Euro) der einsetzenden Baisse an den europäischen Aktienmärkten angeschlossen. Dabei ergab sich bis zum 4. Quartal 2009 ein zentraler Baissetrend (zuletzt bei rund 9,10 Euro) im Umfeld der fallenden 200-Tage-Linie. Weil die Aktie mittelfristig relativ schwach war, erreichte sie erst im Mai 2009 bei Kursen um 7,8 Euro ihr Baisse-Tief. In den Folgemonaten verbesserte sich zunächst die kurzfristige technische Lage. Im September 2009 schaffte der Titel gleichzeitig den Sprung (Investment-Kaufsignal) über den zentralen Baissetrend und über die fallende 200-Tage-Linie und lieferte damit eine mittelfristige technische Verbesserung nach. Mit dem letzten (Trading-)Kaufsignal (Sprung über die Widerstandszone um 9,90 Euro) hat der Titel eine mittelfristige Aufwärtsbewegung etabliert. Dadurch deutet sich für die nächsten Monate eine mittelfristige relative Stärke gegenüber den Standardwerteindizes an. Hinzu kommt die attraktive Dividendenrendite: Bei der vom Markt erwarteten Dividende von 0,78 Euro deutet sich eine Dividendenrendite von etwa 7,5 Prozent an. Daher sollte die Deutsche Telekom dem konservativen Aktienkorb für 2010 angehören. Trotz der ansprechenden technischen Gesamtlage sollte eine Position in Deutsche Telekom aber mit einem strategischen Sicherungsstopp von 7,5 Euro belegt werden.
Total: Langfristige Bodenformation in Form eines Aufwärtsdreiecks
Der französische Öl-und-Gas-Titel Total, derzeit die nach Streubesitz größte Aktie in der Euro-Zone, hat seit vielen Jahren einen defensiven technischen Charakter. Trotzdem hatte die Aktie, die bei 63,40 Euro gestartet war, von Juli 2007 an eine Baissebewegung etabliert. Diese mündete von Juni 2008 an in einen idealtypischen Baissetrend. Ausgangspunkt war das Kursniveau um 58,30 Euro. Die von mehreren Verkaufssignalen begleitete Talfahrt endete im Oktober 2008 in einem technischen Ausverkauf bei Kursen um 31,50 Euro.
Seitdem hat Total eine langfristige Bodenformation in Form eines Aufwärtsdreiecks herausgebildet. Dieses wird durch zwei Faktoren begrenzt: erstens durch die gestaffelte Widerstandszone von 42,50 Euro bis 43 Euro und zweitens durch eine moderate Aufwärtstrendlinie (von 31,50 Euro im Oktober 2008 auf derzeit 38,50 Euro). In den vergangenen Wochen hat Total mehrmals versucht, sich aus der Bodenformation nach oben abzusetzen. Die technische Gesamtlage deutet mit Blick auf 2010 an, dass Total dazu in der Lage sein sollte.
So dürfte aus technischer Sicht eine moderate Aufarbeitung der Baisse in Gang kommen. Trotz dieser attraktiven technischen Gesamtlage sollte aber eine Total-Position einen strategischen Sicherungsstopp bei 30 Euro erhalten. In Kombination mit der erwarteten attraktiven Dividendenrendite von etwa 5,4 Prozent (bei Total wird eine Gesamtdividende von 2,28 Euro angenommen, die je zur Hälfte halbjährlich gezahlt wird) sollte auch Total zu den Werten im konservativen Aktienkorb gehören.