04.08.2006 · Für diesen Chart braucht es nicht viele Worte, meint der technische Analyst Wieland Staud: Der Preis für Öl wird weiter steigen. Der Deutsche Aktienindex Dax dagegen gibt widersprüchliche Signale.
Von Wieland StaudManchmal ist schon nach kurzer Zeit klar, wohin sich die Dinge entwickeln werden. Dann genügt ein einziger Blick auf einen Chart, um ziemlich genau zu wissen, wohin die Reise gehen wird. Die analytische Disziplin erfordert es zwar auch in einem solchen Fall, nicht gleich mit dem Schreiben loszulegen. Aber am Ende steht dann meistens doch das erwartete Ergebnis.
Der Chart des Öls ist dafür ein Paradebeispiel. Ganz am Anfang steht bei ihm ebenso wie ganz am Ende der Analyse notgedrungen die Erkenntnis, daß der Preis weiter steigen wird. Er notiert auf allen Zeitebenen in lehrbuchreifen Aufwärtstrends, hat gerade eine kleine Chance für eine wenigstens kurzfristige Trendwende ausgeschlagen und statt dessen bei erstbester Gelegenheit neue historische Höchststände markiert.
Hinzu kommt das völlige Fehlen irgendeiner Form von Euphorie oder anderer Warnsignale. Für diesen Chart braucht es nicht viele Worte: Der Preis für Öl wird weiter steigen. Wir sollten langsam damit beginnen, uns mit dreistelligen Kursen anzufreunden. Einzig Kurse unter dem Unterstützungsbereich zwischen 66 und 68 Dollar könnten diese Prognose in Frage stellen. Aber wie der Preis für das Barrel (rund 159 Liter) Brent dahin kommen soll, das bleibt ein Rätsel.
Mehrdeutige Lage beim Dax
So klar die Lage beim Öl ist, so mehrdeutig ist die Lage beim Deutschen Aktienindex Dax. Diametral entgegengerichtete, gleichwertige Argumente stehen einander unversöhnlich gegenüber. Es ist kaum auszumachen, welche im Augenblick schwerer wiegen. Da gibt es auf der einen Seite eine rabenschwarze Stimmung, wie sie entsprechend einem unserer Stimmungsindikatoren in den vergangenen 13 Jahren nur ein einziges Mal - nämlich im Herbst 2002 und damit im letzten Viertel der großen Aktienbaisse nach der Jahrtausendwende - zu beobachten war. Das ist ein richtig gutes Zeichen.
Auf der anderen Seite steht der gebrochene langfristige Aufwärtstrend - und der ist in 8 von 10 Fällen perfekt dazu prädestiniert, Haussiers in tiefe Depressionen zu stürzen. Auf einer mittelfristigen Zeitskala steht wiederum auch eine Erholung im Chart, die schon jetzt viel zu weit gegangen ist, um noch ernsthaft als Bärenmarkt-Rally klassifiziert werden zu können. Dagegen ist das Muster dieser Erholung absolut grauenvoll und erfüllt damit doch wieder alle Voraussetzungen eines kurzfristigen Intermezzos innerhalb eines intakten Abwärtstrends. Es sollte auch bedacht werden, daß am vergangenen Dienstag für den Dax eine schwierige Zeit angebrochen ist. Seit 1959 bringen es die Monate August und September gemeinsam auf einen durchschnittlichen Wertverlust von 2,13 Prozent. Eine schlechtere Wertentwicklung kann sonst kein anderes aufeinanderfolgendes Zwei-Monats-Intervall aufweisen.
Es sind solche Indikatorkonstellationen, die einen technischen Analysten das Fürchten lehren können. Für welche Prognose man sich auch immer entscheidet, es bleiben notwendigerweise sehr viele und sehr gute Argumente auf der Strecke, mit denen man auch gut und gern das glatte Gegenteil begründen könnte. In solchen Zeiten hält sich der Spaß für einen technischen Analysten in Grenzen. Die Versuchung ist groß, einfach einmal keine Meinung zu haben, diese dann aber wortreich zu begründen.
Signifikante neue Jahrestiefs möglich
Bei allen Abwägungen, die es grundsätzlich zu machen gilt, muß immer auch klar sein, das nichts wichtiger ist als der Chart selbst. Schließlich sind nicht die Niveaus eines Indikators wie beispielsweise der Stimmung unter Marktteilnehmern gehandelt worden, sondern einzig die Preise beziehungsweise die Kurse, die im originären Chart stehen. Ihnen und damit dem Chart an sich muß deshalb die höchstmögliche Aussagekraft zugebilligt werden. Macht man sich diese Überlegung zu eigen, dann ist das derzeit wichtigste bestehende Signal der technischen Analyse der im Juni erfolgte Bruch des langfristigen Aufwärtstrends. Sein Damoklesschwert schwebt weiterhin über dem Dax.
In wenigstens 75 Prozent aller Fälle folgen einem solchen Bruch größere Kursabschläge als die, die es bislang zu ertragen galt. Die Prognose bleibt demnach auch unverändert. Die gegenwärtig freundlichen Kurse werden wohl schon in Kürze durch wieder spürbar nachgebende Kurse abgelöst werden. Signifikante neue Jahrestiefs unter dem bisherigen Tief von 5.243 Punkten und vielleicht auch unter 5.000 Punkten stehen dann auf der Tagesordnung.
Gerade nach der Vorrede oben gilt es aber auch einzugestehen, daß die Wahrscheinlichkeit dafür, daß wir von Staud Research mit dieser Prognose eine richtige Prognose vorstellen, geringer ist als sonst. Vor allem dann, wenn es dem Dax gelingen sollte, sich wieder auf ein Niveau oberhalb des gebrochenen langfristigen Aufwärtstrends und damit auf Werte oberhalb von aktuell 5.900 Punkten vorzukämpfen - dann könnte schnell ein Vorzeichenwechsel stattfinden. Neue Jahreshochs würden dann unmittelbar in Reichweite rücken. Dann wäre die noch im vorangegangenen Abschnitt vorgestellte Prognose sehr wahrscheinlich eine krasse Fehlprognose. Aber sie wäre auch eine jener Fehlprognosen, mit denen wir von Staud Research wirklich wunderbar leben können. Nichts ist schöner als steigende Kurse an der Börse.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |