Der M-Dax hat zum Jahresauftakt 2013 seine seit Jahren bestehende technische Bilderbuch-Hausse mit neuen historischen Höchstkursen fortgesetzt. Deshalb sollte mit Blick auf das laufende Jahr - neben dem direkten Investment in den Index für 50 mittelgroße Aktiengesellschaften - weiterhin auf die technische Doppelstrategie gesetzt werden: einerseits Investments in M-Dax-Titel mit intakten Aufwärtstrends, andererseits etwas spekulativere Investments in „Comeback-Stories“.
Bei technischen „Comeback-Kandidaten“ handelt es sich um Werte, die in den letzten Jahren gegen die Indextendenz in Abwärtstrends steckten und zuletzt zumindest eine Bodenformation herausgebildet oder diese bereits mit einem ersten Investment-Kaufsignal verlassen haben. Als Konsequenz sollte ein hohes technisches Erholungspotential vorliegen. Neben SGL Carbon, die zunächst auf eine Beobachtungsliste gesetzt wird, bieten sich damit für etwas spekulativere technische Käufe die Aktien von Klöckner & Co., Metro und Wacker Chemie an.
Aktie I: Klöckner & Co
Der im M-Dax enthaltene Stahlhändler Klöckner & Co., der erst im Jahr 2006 an die Börse gekommen ist, befindet sich seit Juni 2007 und einem Kursniveau um etwa 51,80 Euro in einer sehr langfristigen Baisse-Bewegung und damit in einer ausgeprägten langfristigen relativen Schwäche gegenüber dem M-Dax. Diese Baisse-Bewegung, die von einem zentralen, knapp sechsjährigen Baisse-Trend bei aktuell rund 16,50 Euro begrenzt wird, lässt sich bisher in drei technische Phasen einteilen.
Zunächst der sehr ausgeprägte Baisse-Trend zwischen Juli 2007 und März 2009 und einem Kurseinbruch bis auf 4,40 Euro. Darauf folgte die zweijährige Erholung, die den Aktienkurs wieder bis auf 23,40 Euro (Mai 2011) angehoben hatte. Im Anschluss führten mehrere Verkaufssignale die Aktie wieder in einen Baisse-Trend, der Klöckner & Co. bis auf 6,50 Euro im Juli 2012 gedrückt hat. In den letzten Monaten hat die Aktie aber nicht nur diesen Baisse-Trend der letzten eineinhalb Jahre zur Seite verlassen, sondern auch unterhalb der kleinen Widerstandszone um 8,90 Euro eine Trading-Doppelbodenformation herausgebildet. Im Dezember 2012 ist die Aktie mit einem technischen Kaufsignal aus dieser (Trading-)-Bodenformation herausgelaufen, wobei gleichzeitig die noch leicht fallende 200-Tage-Linie überwunden wurde.
Da die Gesamtlage ein mittelfristiges technisches Kurspotential bis zur nächsten massiven Widerstandszone um 12,30 Euro andeutet, stellt Klöckner & Co. einen etwas spekulativeren technischen Kauf dar. Trotz dieser attraktiven technischen Lage sollte aber jede Position in der Aktie mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 6,50 Euro belegt werden.
Aktie II: Metro
Metro, die im letzten September vom Dax in den M-Dax zurückgestuft wurde, hatte ausgehend von dem Kurshoch im Dezember 2011 bei etwa 58,70 Euro eine von mehreren technischen Verkaufssignalen begleitete Baisse etabliert. Da parallel zu dieser Entwicklung der M-Dax auf neue historische Höchstkurse stieg, war Metro mit einer ausgeprägten relativen Schwäche gegenüber dem Index ausgestattet. Diese Baisse-Bewegung wurde von einem sehr stabilen, zweijährigen Baisse-Trend, der leicht unterhalb der fallenden 200-Tage-Linie verlief, begrenzt. Dieser Trend lag zum Jahresanfang 2013 bei rund 22,00 Euro.
Diese Baisse-Bewegung, die insgesamt zu einem Kursverlust bis auf 19,50 Euro im Juli 2012 geführt hatte, hat Metro zum Jahresanfang in eine Seitwärtspendelbewegung unterhalb der Widerstandszone ab 25,00 Euro verlassen. Damit liegt diese Seitwärtspendelbewegung jetzt seit dem Spätsommer 2012 vor. In den letzten Wochen ist Metro mit ersten Trading-Kaufsignalen über die noch fallende 200-Tage-Linie gelaufen und hat sich bis an die Widerstandszone (ab 25,00 Euro) vorgearbeitet.
Als Konsequenz dieser Entwicklung erhält die Seitwärtspendelbewegung den technischen Charakter einer Trading-Doppelbodenformation. Bei Metro, die nach der Baisse der Vorjahre und dem reduzierten Kursniveau jetzt mit einer erwarteten Dividendenrendite von über 5,0 Prozent ausgestattet ist, bietet sich aus technischer Sicht der Aufbau einer etwas spekulativeren Anfangsposition an.
Sollte die Aktie mit einem Investment-Kaufsignal, das bei Kursen über 26 Euro vorliegen würde, aus der Trading-Bodenformation herauskommen, stünden eine technische Erholung mit einem Kurspotential bis oberhalb von 30 Euro und eine Aufarbeitung der Baisse auf der technischen Tagesordnung. In diesem Fall sollte die Anfangsposition deutlich ausgebaut werden. Trotz der attraktiven technischen Gesamtlage sollte aber jede Metro-Position mit einem strategischen Sicherungsstopp von 19,50 Euro belegt werden.
Aktie III: Wacker Chemie
Das im M-Dax gelistete Spezialchemie-Unternehmen Wacker Chemie durchläuft seit dem Börsengang im Jahr 2006 einen ausgeprägten Wechsel von mehrjährigen Hausse- und Baisse-Trends. Hierdurch haben sich eine sehr langfristige, gestaffelte Unterstützungszone von etwa 40 bis 45 Euro und eine langfristige, gestaffelte Widerstandszone zwischen 175 und 200 Euro herausgebildet. Der letzte Hausse-Trend, der im März 2009 bei rund 45 Euro startete, führte die Aktie in den Jahren 2010 und 2011 in einen mittelfristigen technischen „Aufwärtskeil“ bis auf Kurse um 175 Euro. Ein „Keil“ entsteht, wenn eine Aktie innerhalb eines Aufwärtstrends insgesamt an Aufwärtsmomentum verliert. „Keile“ signalisieren für den Fall, dass die Aktie nach unten herausfällt, eine ausgeprägte, negative Kursentwicklung.
Mit den übergeordneten Verkaufssignalen im Sommer 2011 hat Wacker Chemie einen von weiteren Verkaufssignalen begleiteten Baisse-Trend etabliert, der im Dezember 2012 ein Kurstief bei 40,50 Euro erreichte. Ab dem Frühjahr 2012 entwickelte sich dieser Baisse-Trend dann zu einem „Abwärtskeil“. Im Gegensatz zum mittelfristigen „Aufwärtskeil“, der eine negative Kursentwicklung andeutet, signalisiert der mittelfristige „Abwärtskeil“ für die Folgezeit deutlich steigende Notierungen.
Deshalb überrascht es nicht, dass Wacker Chemie zum Jahreswechsel 2012/2013 mit einem von erhöhten Handelsvolumina begleiteten Investment-Kaufsignal aus dem „Abwärtskeil“ und dem 18-monatigen Baisse-Trend herausgekommen und direkt über die noch fallende 200-Tage-Linie gesprungen ist. Da Wacker Chemie an der Aufarbeitung der vorherigen Baisse und an der Etablierung eines neuen mittelfristigen Aufwärtstrends mit einem ersten technischen Etappenziel (Kurse deutlich oberhalb von 70 Euro) arbeitet, stellt der Titel ebenfalls einen etwas spekulativen technischen Kauf (strategischer Sicherungsstopp bei 40 Euro) dar.
Der Autor leitet das europäische Indexresearch von Commerzbank Corporates & Markets.
Ein „Keil“ entsteht, wenn die Aktie innerhalb eines Aufwärtstrends an Schwung verliert.