21.07.2006 · Auch die Nebenwerte haben mit einer technischen Eintrübung der Gesamtlage zu kämpfen. Bei Celesio, Merck und Rhön-Klinikum bieten sich Gewinnmitnahmen an, meint der technische Analyst Achim Matzke.
Von Achim MatzkeNicht nur die europäischen Standardwerteindizes haben mit der seit Mitte Mai vorliegenden Korrektur auf die vorherige, mehrjährige Hausse zu kämpfen, sondern auch bei vielen europäischen und deutschen Aktien mit mittlerer Marktkapitalisierung, sogenannten Mid-Caps oder Nebenwerten, ist es zu einer grundlegenden technischen Eintrübung der Gesamtlage gekommen.
Nach sehr ausgeprägten Kursgewinnen in den letzten drei Jahren haben einige deutsche Nebenwerte ihre langfristigen Aufwärtstrends beziehungsweise ihre technischen Neubewertungen zumindest zur Seite verlassen. Hier sollten die Take-Profit-Signale auch umgesetzt werden, da im Regelfall nur mittel- und langfristige Seitwärts- oder Abwärtsbewegungen anstehen sollten. Idealtypische technische Beispiele hierfür sind aus dem M-Dax-Bereich Celesio, Merck und Rhön-Klinikum.
Celesio: Take-Profit bietet sich an
Celesio (Isin DE0005858005) gehört aus technischer Sicht zu den Marathonläufern (dies steht für Aktien, die sich in sehr langfristigen Aufwärtsbewegungen befinden) am deutschen Aktienmarkt. Ausgehend von einem Kursniveau von 3,1 Euro im Jahr 1987, war die Aktie mit Hilfe eines zehnjährigen Aufwärtstrends, der seinerseits wieder aus zwei vier- beziehungsweise fünfjährigen Aufwärtstrends und einer gut einjährigen Abwärtskonsolidierung bestand, bis auf ein Kursniveau von 55,4 Euro gestiegen. Danach wurden diese Aufwärtstrends zur Seite verlassen, und die technische Neubewertung wurde von einer Pause abgelöst. Jedoch bestand diese Pause aus einer siebenjährigen Seitwärtspendelbewegung mit der mehrfach getesteten Widerstandszone von 52 bis 55 Euro und der gestaffelten Unterstützungszone von 30,8 bis 32,2 Euro.
Ausgehend von diesem Preisniveau, schloß sich Celesio im März 2003 der einsetzenden Hausse an den Börsen an und bildete einen neuen langfristigen Aufwärtstrend heraus. Da hierdurch auch die siebenjährige Seitwärtspendelbewegung mit einem neuen Investmentkaufsignal verlassen wurde, wurde auch die zuvor ruhende technische Neubewertung mit dem Erreichen von neuen Rekordhochs wiederaufgenommen. Nach drei Jahren und einem Kursanstieg bis etwa 80 Euro (neue Widerstandszone beginnend ab 80 Euro) konnte Celesio diesen Aufwärtstrend nicht durchhalten und ist mit einem Take-Profit-Signal zur Seite herausgelaufen. Da sich bei Celesio jetzt wieder eine mehrmonatige, eventuell jahrelange Seitwärtspendelbewegung unterhalb der neuen Resistance-Zone (ab 80 Euro) andeutet, bietet sich aus technischer Sicht ein Take-Profit und eventuell ein Wechsel in andere, technisch interessantere M-Dax-Werte an.
Merck: 200-Tage-Linie unterschritten
Die Merck KGaA (DE0006599905) hatte nach der Baisse (von 2000 bis 2002) in den Jahren 2002 und 2003 unterhalb der Widerstandszone von 30 Euro eine langfristige technische Bodenformation herausgebildet. Mit einem Investmentkaufsignal wurde im November 2003 diese Bodenformation in einen neuen mittelfristigen Aufwärtstrend verlassen, der sich in den Folgejahren zu einer idealtypischen technischen Neubewertung (Wechselspiel von mittelfristigen Aufwärtstrends, mittelfristigen technischen Konsolidierungen und neuen Kaufsignalen) ausweitete. Seit dem Jahresanfang 2006 lief Merck oberhalb der Unterstützungszone um 75 Euro und unterhalb der Widerstandszone um 90 Euro in eine mittelfristige Seitwärtspendelbewegung hinein, die den technischen Charakter einer Doppeltop-Formation aufweist. Mit dem Take-Profit-Signal (Rutsch durch die Unterstützung um 75 Euro) vom Juni 2006 wurde einerseits die Doppeltop-Formation abgeschlossen, andererseits ist damit aber auch die technische Neubewertung zunächst ausgelaufen.
Da parallel auch noch die 200-Tage-Linie, oberhalb derer sich der Titel fast drei Jahre befunden hat, unterschritten wurde und zusätzlich noch ein erster mittelfristiger Abwärtstrend etabliert wurde, sollte es noch viele Monate dauern, bevor sich bei Merck wieder eine mittelfristige technische Verbesserung abzeichnet. Bei Merck, für die diese technische Schwäche zu einer ungünstigen Zeit aufkommt, da sich die Position der Aktie mit Blick auf einen möglichen Ersatz für Schering im Dax nicht gerade verbessert, bietet sich aufgrund der neuen, eingetrübten technischen Gesamtlage eine Positionsreduzierung beziehungsweise ein Positionsabbau an.
Rhön-Klinikum: Aus dem Hausse-Trend gerutscht
Rhön-Klinikum (DE0007042301) gehörte in den neunziger Jahren zu den vorbildlichen Marathonläufern am deutschen Aktienmarkt (Kursanstieg von 1991 bis 2001 von 2,5 auf 37 Euro), bevor diese technische Neubewertung von einer Baisse (Baisse-Trend führte bis zum März 2003 auf ein Kurstief von 12,5 Euro) abgelöst wurde. Seitdem hat sich parallel zur Hausse im M-Dax und in anderen europäischen Nebenwerte-Indizes ein bilderbuchartiger Hausse-Trend herausgebildet, bestehend aus zwei langfristigen Aufwärtsschüben und einer langfristigen trendbestätigenden Konsolidierung.
Diese Hausse, die neue historische Top-Kurse um 40,5 Euro (Mai 2006) erreicht hat, wurde von einem dreijährigen Hausse-Trend, der zuletzt bei 34 Euro lag, begrenzt. Begleitet von deutlich erhöhten Handelsvolumina ist die Aktie im Juni und Juli 2006 mit Take-Profit- und Verkaufssignalen aus diesem Hausse-Trend in einen neuen mittelfristigen Abwärtstrend gerutscht, wobei jetzt ein Test der Support-Zone um 27,8 Euro einkalkuliert werden sollte. Aufgrund der deutlichen technischen Eintrübung der Gesamtlage bietet sich auch bei Rhön-Klinikum ein Positionsabbau an, da es viele Quartale benötigen sollte, bevor es wieder zu einer grundlegenden technischen Verbesserung kommt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |