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Technische Analyse Anzeichen für Aufwärtstrend des Dax nehmen zu

 ·  Die Kombination von Pessimismus und positiven Signalen vieler kurz- und mittelfristiger Indikatoren lässt auf dauerhaft steigende Kurse hoffen: Der Dax könnte mittelfristig ein Kursziel von 7150 Punkten erreichen.

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© REUTERS Kritischer Blick eines Aktienhändlers: Werden die Kurse jetzt steigen?

Am Donnerstag hat der Finanzmarkt gebannt auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) gewartet. Die meisten Anleger knüpften an deren Entscheidungen den Ausblick für die weitere Marktentwicklung. Doch die technische Analyse beansprucht für sich, dass sie zumindest bis zu einem gewissen Grad auch und gerade im Vorfeld solcher ultimativen Entscheidungssituationen die weitere Marktentwicklung antizipieren kann.

Denn auch dann produzieren die Marktteilnehmer durch ihre Aktivitäten bereits bekannte Chartmuster, die mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit Rückschlüsse über die Zukunft zulassen. Man darf wohl auch davon ausgehen, dass die meisten Investoren schon bis zu einem gewissen Grad ahnen, was auf sie zukommt, und sie deshalb bereits im Vorfeld entsprechend disponieren. Die Bekanntgabe neuer Informationen führt dann zwar gerade bei sehr kurzfristig orientierten Marktteilnehmern zu einer Anpassung ihrer Positionen und deshalb zu einer manchmal zu diesem Zeitpunkt extrem hohen Volatilität. Aber danach kehrt in mindestens sieben von zehn Fällen der Markt schnell wieder in gewohnte Bahnen zurück.

Bisheriges Jahreshoch als das nächste Kursziel des Dax

Das aktuelle technische Umfeld ist vor allem von zwei entscheidenden Faktoren geprägt: klar positiven Signalen vieler kurz- und mittelfristiger Indikatoren und einer unglaublichen Portion Pessimismus, mit der die meisten Marktteilnehmer der Stabilisierung der Kurse begegnen. Die technische Analyse lehrt, dass genau diese Kombination im Regelfall einer der besten Treibsätze für dauerhaft steigende Kurse ist.

Auch wenn das angesichts der fundamentalen Rahmenbedingungen wahrscheinlich nur schwer begründbar ist, so hat sich die technische Gesamtverfassung des deutschen Aktienindex Dax dennoch deutlich weiter verbessert. Aus den vor vier Wochen an dieser Stelle besprochenen ersten Ansätzen und Hinweisen auf eine spürbare Verbesserung der Lage ist eine Entwicklung geworden, die mittlerweile viele Anzeichen eines neu begonnenen mittelfristigen Aufwärtstrends in sich vereint.

Darauf sollen auch die im Chart eingezeichneten Elliott Waves (römische Ziffern I und II) hinweisen. Sie legen den Schluss wieder nahe, dass im Sommer 2011 erstens ein Tief erreicht wurde, das lange Zeit nicht mehr unterschritten werden wird, und zweitens, dass der Dax sich in einer ausgeprägten Impulswelle nach oben befindet, deren finales Ziel signifikant oberhalb von 8000 Punkten (mit einer Welle V) liegen wird. Der im Chart eingezeichnete Widerstand von 7150 Punkten, der Bereich der bisherigen Jahreshochs, stellt für mich das nächste Kursziel des Dax dar. Im Idealfall wird es noch in diesem Jahr überboten werden.

Der Euro hat sich von seiner besseren Seite gezeigt

Dennoch, das ist der Wermutstropfen, kann noch längst nicht gelten, dass alles bereits in trockenen Tüchern ist. Aber die gerade im Frühling drohenden extremen Risiken können wahrscheinlich in der überschaubaren Zukunft zu einer Randwahrscheinlichkeit herabgestuft werden. Kurzfristig wird es immer wieder, wahrscheinlich auch in den nächsten Tagen, bei hoher Volatilität zu der einen oder anderen Irritation kommen. Gerade Aufwärtstrends zeichnen sich durch überraschende, heftige, aber eben auch sehr schnell wieder korrigierte Rückschläge aus. Solange der Dax dabei aber nicht unter die im Chart rot eingekreiste, alles entscheidende Unterstützungszone zwischen rund 6350 und 5965 Punkte zurückfällt, bleiben die mittelfristig positiven Aussichten intakt. Schlusskurse unter dem letztgenannten Wert (analytisches Stoploss) dürften den Dax in die alte Malaise zurückführen - mindestens das. Aber damit ist derzeit wohl nicht zu rechnen.

Auch der Euro hat sich gerade in der letzten Wochen nach den Worten von EZB-Präsident Mario Draghi von seiner besseren Seite gezeigt: So hat die Gemeinschaftswährung zum einen rund 3 Cent hinzugewonnen und mit dieser Bewegung zum anderen relativ gute positive Signale in vielen wichtigen technischen Instrumenten hinterlassen. Ein technischer Analyst erlebt es mit einer gewissen Bestätigung, ja sogar Begeisterung für sein Tun, wenn solche Entwicklungen gerade im Bereich außerordentlich wichtiger Unterstützungen - im aktuellen Fall um rund 1,20 Dollar - beginnen. Die Entwicklung der vergangenen Tage spricht, technisch betrachtet, eindeutig für eine Fortsetzung der begonnenen Erholungsphase.

Europa scheint einen Weg aus der Krise zu finden

Im besten Fall wird diese Entwicklung sogar bis in den kommenden Herbst dauern und den Euro zumindest wieder in die Nähe der Widerstandszonen um rund 1,30 Euro führen. Sehr fraglich bleibt allerdings, ob die Gemeinschaftswährung damit bereits das Tal der Tränen verlassen können wird. Dafür reicht die Qualität der momentan vorliegenden Signale wohl nicht aus.

Ob es in dieses Bild passt oder nicht, sei dahingestellt: Die aktuelle Entwicklung bei den Renditen der deutschen Bundesanleihen bestätigt auf jeden Fall mehr und mehr die hier in den letzten Monaten vertretene Einschätzung, dass sie kurz vor dem Ende eines langen Abwärtstrends und am Fuße eines wenigstens mittelfristigen Aufwärtstrends stehen dürften. Die Signale dafür sind von vergleichsweise guter Qualität und legen schon für die nächsten Wochen einen spürbaren Zinsanstieg nahe.

Gerade aus deutscher Sicht gesprochen: Europa scheint einen Weg aus der Krise zu finden - um welchen Preis auch immer.

Der Autor leitet die Staud Research GmbH.

Quelle: F.A.Z.
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