23.04.2009 · Im Vergleich zu den großen Standardwerten haben sich viele Technologieaktien in diesem Jahr gut geschlagen. Doch es sind nicht die sonst so erfolgsverwöhnten Solarwerte, die besonders punkten.
Von Kerstin PaponIm Vergleich zu den großen Standardwerten haben sich viele Technologieaktien in diesem Jahr gut geschlagen. Während der Deutsche Aktienindex Dax - trotz der deutlichen Kurserholung der vergangenen Wochen - aktuell noch rund 5 Prozent tiefer liegt als zum Jahresbeginn, ist es seither für den Tec-Dax um mehr als 10 Prozent aufwärtsgegangen.
Die Zugpferde dieser Entwicklung sind dabei aber nicht wie lange üblich die Solarwerte, sondern vor allem das Halbleiterunternehmen Infineon, der Zahlungsverkehrsabwickler Wirecard und der Softwareanbieter Software AG. Mit Centrotherm Photovoltaics findet sich nur ein einziger Solarwert unter den fünf Tec-Dax-Besten dieses Jahres.
Eingetrübtes Umfeld für Solaraktien
Das Börsenumfeld für Solaraktien hat sich eingetrübt. Die Branche leidet besonders unter der in der Wirtschaftskrise schwieriger und teurer gewordenen Möglichkeiten der Finanzierung. Zudem geht die Nachfrage nach Solarprodukten zurück, die Gewinnmargen schmelzen dahin. So sind denn auch Q-Cells und Solon die Schlusslichter des Tec-Dax seit Jahresbeginn. Immerhin rangieren aber fünf der acht Solarwerte des Tec-Dax seither im positiven Kursbereich. Im vergangenen Jahr sah das noch schlechter aus: Sämtliche Solaraktien im Tec-Dax waren unter den Kursverlierern zu finden. Das Schlusslicht bildete Conergy mit einem Kursabschlag von 88 Prozent. Kaum besser waren Solon mit minus 80 Prozent und Q-Cells mit einem Rückgang um 74 Prozent.
Das jüngste Beispiel enttäuschender Nachrichten gab am Dienstag Conergy. Hier fiel der Fehlbetrag für das Jahr 2008 mit 307 Millionen Euro rund 20 Prozent höher aus, als noch Anfang März avisiert. Die Aktie selbst verlor daraufhin rund die Hälfte ihres Wertes. Am Mittwoch erholten sich Conergy und andere Solarwerte wieder mit deutlichen Kursaufschlägen und stellten einmal mehr ihre hohe Schwankungsfreudigkeit (Volatilität) unter Beweis.
Software auf Platz zwei
Rund sechs Jahre nach seinem Start ist der 30 Werte umfassende Tec-Dax dennoch weiterhin ein „Solar-Dax“. Gleichwohl ist das Indexgewicht der Solarunternehmen zurückgegangen. Aktuell verfügen die im Tec-Dax enthaltenen acht Solaraktien über einen Anteil von 26 Prozent und sind damit noch immer die gewichtigste Gruppe in diesem Auswahlindex. Ende des Jahres 2007 brachten es allerdings nur sechs Solarunternehmen auf ein Gewicht von fast einem Drittel.
Der am höchsten gewichtete Einzelwert im Tec-Dax ist Solarworld mit einem Anteil von fast 10 Prozent. An zweiter Stelle folgt Infineon mit 9,7 Prozent - der ehemalige Dax-Titel ist erst seit gut vier Wochen unter den Technologiewerten zu finden. Viermal im Jahr überprüft die Deutsche Börse die Neuzusammensetzung und zugleich auch die Gewichtung des Index und führt darüber liegende Anteile auf maximal 10 Prozent zurück.
Die zweitstärkste Gruppe im Tec-Dax sind Softwareunternehmen mit einem Anteil von 24 Prozent. Allerdings finden sich hier mit Freenet und United Internet auch zwei Unternehmen, die sich durchaus ebenso dem Bereich Telekommunikation zuordnen ließen. Schwerster Softwarewert ist die Software AG mit einem Indexanteil von gut 8 Prozent. Pharma- und Gesundheitsunternehmen bestimmen den Tec-Dax zu rund einem Fünftel. Unter ihnen ist Qiagen mit einem Indexgewicht von rund 8 Prozent führend.
Negative fundamentale Daten haben sich nicht gebessert
Analysten beurteilen die Aussichten für Solarunternehmen in diesem wirtschaftlichen Umfeld vorwiegend kritisch. Zwar sind die Kurse der Solarwerte - angeführt von Conergy - in den vergangenen Wochen teils deutlich gestiegen. Doch Robert Schramm, Analyst der Commerzbank, relativiert diese Erholung: die negativen fundamentalen Daten hätten sich nicht gebessert.
Solarunternehmen stehen von zwei Seiten unter Druck, erläutert Christian Stocker, Aktienstratege der Unicredit. Zum einen sei ihre Finanzierung derzeit schwierig und teuer. Solarunternehmen seien häufig relativ stark verschuldet, da ihre Investitionsquote hoch sei, und benötigten entsprechend viel Geld. Dies drücke nun auf das gesamte Geschäftsmodell. Viele andere Tec-Dax-Werte seien dagegen solide finanziert. „Zugleich haben die Gesellschaften Schwierigkeiten auf der Absatzseite, Nachfrage und Absatzpreise sinken“, sagt Stocker. Für viele Kunden und Investoren sei es in der aktuellen wirtschaftlichen Situation Luxus, in erneuerbare Energien zu investieren, zumal der Ölpreis wieder deutlich gefallen sei.
„Das Hauptproblem der Branche sind die Überkapazitäten, die in den vergangenen Jahren und selbst noch 2008 geschaffen wurden“, sagt Schramm. Dabei sei zum ersten Mal überhaupt in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres mit einem rückläufigen Absatz zu rechnen. Dies gelte sowohl im industriellen wie im privaten Bereich. Im Jahresverlauf sollte die Nachfrage allerdings wieder zunehmen. Schramm rechnet insgesamt im Vergleich zum Vorjahr mit einem Plus von 20 Prozent. Seine Favoriten bei einer Erholung: SMA Solar Technology und Phoenix Solar. Das letztgenannte Unternehmen legt an diesem Donnerstag Jahreszahlen vor.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |