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TARP-Ausstieg Citigroup - ein faules Ei?

11.12.2009 ·  Ciitgroup, die letzte Großbank, die noch „außerordentliche“ Staatshilfe im Rahmen des Bankenrettungsprogramms in Anspruch nimmt, drängt auf die Vereinbarung von Rückzahlungsbedingungen. Entsprechende Gespräche werden jedoch komplex werden.

Von Bradley Keoun und David Mildenberg
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Als Kenneth D. Lewis, Vorstandsvorsitzender der Bank of America (BofA), am 2. Dezember Pläne zur Rückzahlung der Staatshilfen bekannt gab (siehe auch: Bank of America schwächt die Eigenkapitalbasis), nahm Citigroup-Chef Vikram Pandit die überraschende Nachricht als Weckruf. Und so setzten sich gleich am nächsten Morgen mehrere Führungskräfte der Citibank mit Beamten des Finanzministeriums in Verbindung, um ihre Optionen zu diskutieren. Sie wollten herausfinden, wie die BofA einen derart schnellen Ausstieg aus dem staatlichen Bankenrettungsprogramm TARP aushandelte und wie Citi diesem Beispiel folgen könnte.

Nun drängt Pandit die Aufsichtsbehörde zu einer Vereinbarung, die der Bank mit Sitz in New York die Rückzahlung der restlichen Gelder aus dem TARP-Programm in Höhe von 20 Milliarden Dollar ermöglicht. (Im September wandelte die Regierung TARP-Gelder im Umfang von 25 Milliarden Dollar in eine Aktienbeteilung an der Citigroup um.) Wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagen, hofft Pandit etwa im Laufe der nächsten Woche einen Plan auszuarbeiten. Nachdem die BofA das Geld am 9. Dezember an das Finanzministerium überwiesen hat, ist Citi nun die einzige Großbank, die noch sogenannte außerordentliche Hilfe in Anspruch nimmt. Den Auflagen zufolge, die Citi nach Empfang einer zweiten Tranche von Hilfsgeldern erhielt, unterliegt die Bank staatlichen Obergrenzen für Managergehälter. Sitzt Citi weiterhin die staatliche Aufsicht im Nacken, riskiert die Bank den Verlust von Top-Fachkräften an die Konkurrenz, die mit üppigeren Gehaltsschecks locken. Citi-Sprecher Jon Diat lehnte eine Stellungnahme zu diesem Thema ab.

Die Gespräche zwischen Citigroup und der Aufsichtsbehörde könnten sich komplexer gestalten als die mit der BofA, deren Kreditgeschäft in besserer Verfassung ist. Die BofA-Gespräche erstreckten sich über zwei Monate, da Aufsichtsbehörde und Unternehmensleitung versuchten, eine Einigung herbeizuführen. Im Falle von Citi besteht das Finanzministerium darauf, dass jegliche Ausstiegsstrategie auch ein formelles Verfahren für den Verkauf der Regierungsbeteiligung von 34 Prozent mit einem aktuellen Wert von 30 Milliarden Dollar einschließen muss. Die Verhandlungspartner müssen außerdem darüber beraten, was mit den staatlichen Garantien für die risikoreichsten Hypotheken, Autokredite, Gewerbeimmobilien und anderen Vermögenswerten von Citi in Höhe von 301 Milliarden Dollar geschehen soll. Citi und BofA seien „ganz unterschiedliche Fälle“, sagt Dennis Santiago, Chef des Marktforschungsinstituts Institutional Risk Analytics.

Monatelang hat sich die Citigroup kaum um die Rückzahlung der Staatshilfen bemüht. Stattdessen konzentrierte sich Pandit auf die Abwicklung und den Verkauf von Geschäftsbereichen sowie um die Erhöhung der Barreserven, die sich während des letzten Jahres auf 244 Milliarden Dollar verdoppelten. Die Bank hatte außerdem mit Kenneth Feinberg, dem Sonderbeauftragten des Finanzministeriums für Bonuszahlungen, zu kämpfen, der die Citigroup anwies, die Gesamtvergütung für ihre 25 höchstbezahlten Mitarbeiter in 2009 gegenüber dem Vorjahr um 70 Prozent zu kürzen. Im Oktober erklärte Pandit, er „wolle die TARP-Gelder so schnell wie möglich zurückzahlen“. Der Bank nahe stehenden Personen zufolge die Citigroup jedoch erst nach der Ankündigung der BofA begonnen, die Gespräche mit der Aufsichtsbehörde voranzutreiben.

Lange Gespräche vor dem Ausstieg der Bank of America

Wenn die Situation der BofA irgendein Indiz ist, kommt Pandit möglicherweise nicht so schnell zum Ziel, wie erhofft. Der 62-jährige Lewis, der im Sommer zum ersten Mal seinen Willen zur Rückzahlung der staatlichen Gelder bekundete, verstärkte seine Bemühungen im September etwa zum gleichen Zeitpunkt, an dem er seinen Rücktritt von der Unternehmensspitze zum Jahresende bekannt gab. Seinem Anliegen kam zugute, dass die Gewinne der BofA durch die Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch, auf die in den ersten drei Quartalen des Jahres ein Drittel des Gewinns entfiel, in die Höhe getrieben wurden. „Die Rückzahlung der TARP-Gelder gibt Lewis die Möglichkeit, vor seinem Ausscheiden auf etwas Positives verweisen zu können“, sagt Jonathan Finger, ein aktivistischer Investor, dessen Familie 1,1 Millionen BofA-Aktien hält.

Nach dem Treffen mit Finanzminister Timothy Geithner beauftragte Lewis den Leiter des Risikomanagements, Gregory L. Curl, mit der Führung der Gespräche mit vier verschiedenen Regierungsbehörden. Curl „investierte bei der Arbeit mit den Regierungsbeamten viel Zeit für persönliche Gespräche,“ erklärt James E. Mahoney, Sprecher der BofA. Die Aufsichtsbeamten hätten „nichts ausgelassen, um es sich im Unternehmen bequem zu machen.“ Curl, der als Topkandidat für die Nachfolge von Lewis gilt, verbrachte sogar einen Großteil des Thanksgiving-Festes auf seiner Farm in Missouri am Telefon mit Beamten der Aufsichtsbehörde und verschob eine Zahnoperation, um die Angelegenheit unter Dach und Fach zu bringen.

Ähnliche Diskussionen könnten sich für die Citigroup als schwierig erweisen. Zum einen muss Pandit Sheila Bair, Chefin des staatlichen Einlagensicherungsfonds FDIC, davon überzeugen, dass die Bank auf eigenen Füßen stehen kann. Die beiden hatten bisher nicht gerade das beste Verhältnis. Wie Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, sagten, erklärte Bair im April gegenüber Kollegen, dass Pandit ihrer Meinung nach abgelöst werden sollte. Im Juli zwang sie Citi zur Abberufung ihres Finanzchefs Edward J. Kelly III, der inzwischen als stellvertretender Vorsitzender für die Strategieplanung fungiert.

Bair hat sich in Gesprächen mit der BofA außerdem als Stolperstein erwiesen. Im Oktober schlug die Bank die Beschaffung von lediglich 10 Milliarden Dollar frischem Kapital im Rahmen ihres Plans zur Rückzahlung von Hilfsgeldern in Höhe von 45 Milliarden Dollar vor. Regierungsbeamte, zu denen auch Bair gehörte, verlangten einen höheren Betrag von der BofA. Bair unterstrich, dass ihre Behörde mindestens 21 Milliarden der Bankschulden garantierte und einen Großteil ihrer 899,5 Milliarden Dollar ihrer amerikanischen Einlagen übernommen habe, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten. Die BofA stimmte schließlich einer Kapitalaufstockung von mehr als 18,8 Milliarden Dollar zu und verstärkte die Kapitaldecke im Dezember letztendlich um 19,3 Milliarden Dollar.

Einer dem Finanzministerium nahe stehende Person zufolge könnten diese Bedingungen als Ausgangspunkt für eine mögliche Vereinbarung mit Citigroup dienen. Zu berücksichtigen sei die Kapitalausstattung der BofA. In einer Pressemitteilung vom 9. Dezember erklärt die BofA, dass ihre Kernkapitalquote durch eine Maßnahme nach Beschaffung neuen Kapitals und Rückzahlung der TARP-Gelder bei 11 Prozent liege; am 30. September lag dieser Wert bei 12,5 Prozent. Nach den jüngsten Daten beläuft sich das Kapital der Citigroup auf 12,8 Prozent. Chris Kotowski, Analyst bei Oppenheimer & Co. in New York, sagt hierzu: „Die Frage ist, wie stark die Aufsichtsbehörden Banken zur Kapitalerhöhung zwingen, bevor sich diese vom Stigma einer 'TARP-Bank' befreien können.

Banken mit Staatsbeteilginung sind stigmatisiert

Um ihr Kapitalpolster zu erhöhen, müsste die Citigroup Investoren anwerben. David Hendler, Analyst der Marktforschungsgesellschaft CreditSights, geht in seinen Schätzungen davon aus, dass die Bank Aktien und andere Wertpapiere im Wert von jeweils etwa 10 Milliarden Dollar begeben müsste. Die Emission könnte am Markt gut ankommen. Mit etwa vier Dollar je Aktie notiert die Citigroup mit einem signifikanten Abschlag gegenüber dem Buchwert. „Die Investoren werden es für ein großartiges Geschäft halten“, sagt Ralph W. Cole IV, Senior Vice President des Vermögensverwalters Ferguson Wellman aus Portland (Oregon) mit einem betreuten Anlagevolumen von mehr als zwei Milliarden Dollar.

Bis zu einer Einigung mit der Aufsichtsbehörde könnte die Citigroup unter Wettbewerbsdruck geraten. Im Bereich Investment Banking sind Gehälter der größte Ausgabenposten, und Pandit ist besorgt, dass Gehaltsobergrenzen ihn einige seiner erfolgreichsten Mitarbeiter kosten könnten. Daher hat die Citigroup im Oktober dem Verkauf ihrer Ölhandelssparte Phibro für 250 Milliarden Dollar zugestimmt, eine Summe, die unter dem durchschnittlichen Jahresgewinn des Geschäftsbereichs liegt; das Finanzministerium warnte die Bank, dass das Gehaltspaket des Chefhändlers Andrew Hall in Höhe von 100 Millionen Dollar nicht gebilligt werde.

Hinzu kommt das Stigma. Während Anleger und Kunden die TARP-Gelder anfänglich als ein behördliches Gütesiegel betrachteten, sehen sie diese nun als Zeichen von Schwäche. Mit dem Ausstieg von BofA aus dem Bankenrettungsprogramm verfügen Firmenkunden jetzt noch über eine weitere Option, wenn sie keine Bankgeschäfte mit einem Institut wünschen, an dem die Regierung beteiligt ist. Einleger könnten den Unterschied ebenfalls beachten. „Die Kosten für den TARP-Ausstieg lohnen sich,“ sagt Matt McCormick, Bankenanalyst bei Bahl & Gaynor in Cincinnati. „Im Moment sind Pandit im Gegensatz zur Konkurrenz teilweise die Hände gebunden.“

Unter Mitarbeit von Ian Katz (Washington) und Michael Moore (New York).

Quelle: BusinessWeek Online
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