02.04.2007 · Mit deutlichen Kursgewinnen reagiert die Aktie der Telecom Italia auf die Mitteilung, im Verkaufsprozess des Unternehmens seien weitere Interessenten aufgetaucht. Strategische Anleger interessieren sich für „Kommunikationsversorger“.
Mit Kursgewinnen von bis zu 12,6 auf 2,4 Euro im bisherigen Tagesverlauf reagiert am Montag die Aktie der Telecom Italia auf die Mitteilung, im Verkaufsprozess des Telekommunikationskonzerns seien weitere Interessenten aufgetaucht.
Die beiden Wettbewerber AT&T und America Movil wurden am Wochenende als potenzielle Käufer eines Anteils an Europas fünftgrößtem Telekomkonzern bekannt. Der Mischkonzern Pirelli, der TI über seine Holding Olimpia indirekt kontrolliert, hat nach eigenen Angaben am Sonntag exklusive Gespräche mit dem amerikanische Telekommunikationsbetreiber und dem mexikanischen Mobilfunkbetreiber aufgenommen. Pirelli will 66,6 Prozent der Anteile an der nicht gelisteten Holding Olimpia verkaufen. Die Pirelli-Aktie reagiert darauf mit Kursgewinnen von bis zu elf Prozent.
Mehrere Interessenten an Telecom-Italia-Anteilen
Die Transaktion habe einen Wert von rund 2,6 Milliarden Euro, hieß es von einer mit dem Vorgang vertrauten Person. Die beiden Telekommunikationsbetreiber aus den Vereinigten Staaten und aus Mexiko würden auf diese Weise zu den beiden größten Einzelaktionären des Unternehmens werden. Die in Mailand ansässige Pirelli kontrolliert über ihren 80-prozentigen Anteil an Olimpia indirekt 18 Prozent an Telecom Italia.
Neben AT&T und America Movil gibt es noch weitere Interessenten an Telecom Italia. So har auch die spanische Telefonica mit Telecom Italia über einen Kauf von Olimpia-Anteilen verhandelt. Die Gespräche wurden aber mittlerweile ausgesetzt. Daneben bereite auch die Intesa Sanpaolo einem Bericht von “La Repubblica“ zufolge für eine Gruppe von Banken einen Plan zum Kauf eines Kontrollanteils an der Holding Olimpia vor.
Der zunehmende Wettbewerb um die Anteile an Telecom Italia dürfte den Preis für die Papiere nach unten absichern, nachdem sie wieder einmal nach unten durch zu fallen drohten. Damit stehen sie nicht alleine. Denn auch die Aktien europäischer Pendants wie der Deutschen Telekom oder auch bei France Telecom befinden sich eher in der Defensive als auf dem Weg nach oben.
Sie teilen auch gemeinsam die operativen Probleme. Diese liegen einerseits in der relativ hohen Verschuldung, in den aufgrund des Preiswettbewerbs stagnierenden Umsätzen und nicht zuletzt auch unter dem Margendruck, der vom harten Wettbewerb der Festnetzkonkurrenten, aber auch von Seiten von Mobilfunkanbietern und Kabelbetreibern ausgeht. Sie alle konkurrieren um dieselben Kunden, in einem weitgehend verteilten Markt.
„Kommunikationsversorger“ bieten starke Cahsflows
In diesem Sinne werden die Telekommunikationsunternehmen zunehmend zu „Kommunikationsversorgern“ mit relativ geringen Wachstumsraten. In solchen Märkten können sich jene Unternehmen in der Regel relativ gut behaupten und trotz des Margendrucks gutes Geld verdienen, die über eine starke Marktstellung verfügen, die ihre Kostenseiten im Griff haben und die ihre Dienste viel versprechenden Content Providern anbieten können.
Aus diesem Grund scheinen die ehemaligen Monopolisten für strategische Investoren interessant zu sein, die auf starke, stetige Cashflows und relativ hohe Ausschüttungen stehen. Und damit können die Unternehmen der Branche zumindest bisher dienen. Denn die europäischen Telekommunikationsunternehmen bieten Dividendenrenditen bis zu knapp sechs Prozent. Damit lassen sich ihre Renditen nicht nur ohne weiteres mit jenen von Staatsanleihen vergleichen, sondern sie liegen zum Teil deutlich über jenen traditioneller Versorger.
Gleichzeitig sind die Aktien der Unternehmen vielfach noch vernünftig bewertet. Das gilt nicht unbedingt für die Aktie der Telecom Italia, die zwar mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 16,34 und 14,7 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr nicht unbedingt günstig aussieht, die allerdings eine Dividendenrendite von 5,9 Prozent bieten kann.
In punkto Bewertung sehen die Papiere von TDC relativ günstig und jene der BT Group, von Belgacom, Telefonica, KPN und nicht zuletzt der France Telecom sehr vernünftig bewertet aus und könnten zumindest jene Anleger locken, die auf stabile Erträge wert legen.
Auf Widerstand könnten AT&T und America Movil bei der italienischen Regierung stoßen: Der italienische Telekommunikationsminister Paolo Gentiloni äußerte sich “zutiefst besorgt“ über die Nachricht von deren Gesprächen mit Pirelli. Die Regierung werde das Geschehen im Auge behalten, fügte er hinzu.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |