Die Niederlage, die die Telekom-Kleinaktionäre vor dem Oberlandesgericht Frankfurt erlitten haben, ist sicher bitter. Für so manchen mag es um einen Großteil, mitunter um sein gesamtes Erspartes gegangen sein.
Immerhin waren die Aktien beim dritten Teil des Börsengangs für 63,50 Euro verkauft worden. Schon über das Jahr 2000 hinweg machte die Aktie jedoch ein Minus von knapp 55 Prozent und beendete das Jahr zum Kurs von nur noch 32,10 Euro. Heute kostet die Aktie noch 8,77 Euro.
Doch nicht immer, wenn sich ein Aktieninvestment als schlecht herausstellt, muss dahinter Arglist stecken. Manchmal entwickeln sich Märkte eben anders als gehofft. Blickt man auf die Kursentwicklung der bis in die Neunziger Jahre in Europa privatisierten ehemals staatlichen Telefongesellschaften muss man konstatieren, dass ihre Entwicklung nicht unähnlich verlaufen ist.
Glanzzeit der Neunziger
Die neunziger Jahre waren die Glanzzeiten. Große Hoffnungen waren mit der Liberalisierung verbunden. Wie so oft beflügelte die Phantasie, dass die von den Fesseln des Staates befreiten Unternehmen, nicht zuletzt mit dem erst entstehenden Mobilfunk ein neues Kapitel aufschlagen würden. Niemand rechnete damals mit dem Internet, wenige dachten in einem Wachstumsmarkt an Lasten durch Pensionsverpflichtungen, an staatliche Einflussnahme durch die Hintertür und personelle Überkapazitäten.
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Um 334 Prozent kletterte der Kurs der T-Aktie von 1997 bis 1999 und lag damit im Mittelfeld. 740 Prozent legte etwa die Aktie der Telecom Italia zu. Das folgende Jahrfünft war dann ein Tal der Tränen. Die Technologieblase platzte, UMTS wurde nicht der revolutionäre Erfolg, die Schulden wuchsen, die Kurse fielen. Bis Ende 2004 fiel der Telekom-Kurs um drei Viertel. Aber nicht nur die T-Aktie brach ein: Für British Telecom, France Télécom und die niederländische KPN ging es noch stärker abwärts.
T-Aktie - ein besonderer Missgriff
Allerdings muss man schon feststellen: Auch unter den Telekommunikationsaktien war die T-Aktie ein besonderer Missgriff. Das zeigte sich in den folgenden fünf Jahren. Während sich Telefonica um 40 Prozent erholten, sackte der Kurs der Deutschen Telekom um weitere 38 Prozent ab – nur übertroffen von dem Verlust von fast zwei Dritteln, den Anleger mit der Telecom Italia erlitten.
Seit dem die Schuldenkrise Europa im Griff hat, ist die T-Aktie zwar der Einäugige unter den Blinden.
Mit einem Kursverlust von lediglich 16 Prozent seit dem Jahresbeginn 2010 wird ihre Kursentwicklung nur von der British Telecom überboten. Der Aktienkurs des Urgesteins der Privatisierung, das schon seit 1982 nicht mehr staatlich ist, stieg um stattliche 51 Prozent.
Unter dem Strich hätten die Anleger aber doch wohl besser jede andere der Aktien gekauft. Denn betrachtet man die Kursentwicklung von 1997 bis heute, so streut sie stark. Oben steht die spanische Telefonica, die immerhin einen Kursgewinn von 126 Prozent verteidigen konnte. Am anderen Ende findet sich die Deutsche Telekom mit einem Minus von 45 Prozent. Und bezieht man die Dividenden in die Betrachtung mit ein, so ist es die einzige Gesellschaft, die ihren Aktionären seit 1997 einen Verlust beschert hat.
Heute eher teuer
Ob es den am Mittwoch vor dem OLG unterlegenen Aktionären zum Trost gereichen mag, ist wohl eher weniger anzunehmen: Aber blickt man auf die Kursentwicklung der ehemals staatlichen europäischen Telekommunikationsgesellschaften seit eben jener ominösen dritten Tranche, so hat sich die T-Aktie gegenüber den Gesellschaften die in den gleichen Jahren an die Börse gingen, noch einen hauch besser entwickelt. Ob Franzosen, Niederländer oder Italiener – alle erlitten mit den nationalen T-Aktien Schiffbruch. Wer Böses denkt, mag ruhig behaupten, man hätte die Anleger über all übervorteilt, beweisen lässt sich das eben nicht.
Die einzige Aktie, die unter dem Strich seit dem Jahr 2000 einen guten Ertrag brachte, ist die der norwegischen Telenor. Und die hatte die Gnade der späten Geburt: Der Börsengang erfolgre im Dezember, als wohl allgemein die Erkenntnis um sich gegriffen hatte, dass diese Aktien vielleicht doch nicht das exorbitant gute Investment sein würden, als das sie zuvor angepriesen worden waren.
Und auch heute sieht es nicht wirklich gut aus. Bei einer Bewertung der Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 13,4 für das laufende Jahr ist diese derzeit die mit Abstand teuerste Aktie unter den ehemals staatlichen europäischen Gesellschaften. Was allerdings für die T-Aktie spricht ist eine Dividendenrendite im oberen Mittelfeld, vor allem aber ein gutes Kurs-Cashflow-Verhältnis, wobei sie in allen Belangen von den iberischen Unternehmen überboten wird. Deren Kurse aber leiden derzeit unter der Schuldenkrise und der damit verbundenen Unsicherheit und so sind trotz verlockender Dividendenrenditen die Aktien insgesamt wohl nicht unbedingt die besten Anlagemöglichkeiten, die derzeit am Aktienmarkt zur Auswahl stehen.
Herr Edelmann
Closed via SSO (KlausTheo)
- 17.05.2012, 15:59 Uhr
Tiefschläge gegen die deutsche Aktienkultur
Hans Edelmann (aktienfluechtling)
- 17.05.2012, 10:57 Uhr
Kursentwicklung alleine wenig Aussagekräftig
Jochen Biermann (Malvolio)
- 17.05.2012, 00:35 Uhr