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Systemrelevanz Hohe Kapitalhürden für die Deutsche Bank

Die Deutsche Bank wird zu den vier wichtigsten Banken auf der Welt gezählt, doch die Bedeutung für das Finanzsystem spiegelt sich nicht im Börsenwert wider. Dort liegt das Institut nur auf Rang 33.

© dapd Vergrößern Die Deutsche Bank muss bis zum Jahr 2019 eine harte Kernkapitalquote von 9,5 Prozent erfüllen

Die Deutsche Bank wird von den internationalen Bankenaufsehern zu den vier wichtigsten Banken auf der Welt gezählt, doch mit ihrem Börsenwert von 33 Milliarden Euro liegt sie in der Weltrangliste nur auf Rang 33. Der Finanzstabilitätsrat (Financial Stability Board; FSB), dem Vertreter der Notenbanken, Aufsichtsbehörden und Finanzministerien aus den führenden Wirtschaftsländern angehören, ordnet die beiden amerikanischen Banken Citigroup und JP Morgan Chase sowie die britisch-asiatische HSBC in die gleiche Gruppe ein wie die Deutsche Bank. Die vier Institute müssen bis zum Jahr 2019 eine harte Kernkapitalquote von 9,5 Prozent erfüllen. Diese Kennziffer misst das Verhältnis von bei Verlusten sofort haftenden Eigenkapitalkomponenten (Aktien und Gewinnrücklagen) zu riskanten Vermögenswerten wie zum Beispiel Krediten und Wertpapieren.

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Allgemein schreiben die neuen Eigenkapitalregeln für Banken (Basel III) eine Kapitalquote von 7 Prozent vor. Die Deutsche Bank kam auf Basis schon vollständig geltender Basel-III-Regeln Ende September auf 7 Prozent und will bis Jahresende 7,2 Prozent erreichen. Damit liegt sie nach Ansicht der Analysten von Morgan Stanley im Vergleich zu ihren Rivalen am unteren Ende. Für HSBC erwarten sie bis Jahresende eine harte Kernkapitalquote von 9,8 Prozent, für JP Morgan von 8,7 Prozent und für die Citigroup von 9,0 Prozent. Bislang will die Doppelspitze der Deutschen Bank um Anshu Jain und Jürgen Fitschen eine Kapitalerhöhung vermeiden, um die schärferen Eigenkapitalregeln zu erfüllen. Sie setzen auf eine Stärkung des Eigenkapitals über einbehaltene Gewinne und einen Abbau der riskanten Vermögenswerte (Risikoaktiva).

Profitabel wie eine durchschnittliche europäische Bank

Die Bedeutung für das Finanzsystem spiegelt sich bei HSBC, JP Morgan und Citigroup in der Börsenbewertung stärker wider als bei der Deutschen Bank, auch wenn deren Aktienkurs seit Jahresanfang um 22 Prozent zugelegt hat. HSBC liegt mit 144 Milliarden Euro auf dem dritten Rang. JP Morgan folgt mit 126 Milliarden Euro auf dem fünften und die Citigroup mit 86 Milliarden Euro auf dem achten Platz. Die Spitzenplätze nehmen die Industrial & Commercial Bank of China und die China Construction Bank ein.

Infografik / Bankaktien / Die Deutsche Bank und die Großen Kursentwicklungen seit Jahresbeginn im Vergleich © F.A.Z. Bilderstrecke 

Auf die Frage, warum der Deutschen Bank von den internationalen Bankenaufsehern eine so hohe Bedeutung zugemessen wird, aber sich diese nicht im Börsenwert widerspiegelt, antwortet UBS-Analyst Philipp Zieschang, dass es dazwischen keinen Zusammenhang geben müsse. „Die Deutsche Bank ist eine der größten Investmentbanken auf der Welt, aber dieser Geschäftsbereich ist in Zukunft einer strengeren Regulierung unterworfen, wodurch die Gewinnaussichten geschmälert werden“, fügt er hinzu. Seiner Ansicht nach ist Deutschlands größte Bank von ihrer Profitabilität her nur eine durchschnittliche europäische Bank, während amerikanische Banken in ihrem Heimatmarkt hohe Gewinne erzielen können.

Sehr hoher Verschuldungsgrad

In einer Mitte Oktober veröffentlichten Studie wiesen Zieschang und seine UBS-Kollegen auf die im Vergleich zu Konkurrenten hohe Leverage Ratio der Deutschen Bank hin. Diese Kennziffer misst das Verhältnis von Bilanzsumme zum Eigenkapital und gibt den Verschuldungsgrad wieder. Die Deutsche Bank hat den Verschuldungsgrad auf Basis der amerikanischen Bilanzregeln (US-GAAP) für Ende September mit 21 ausgewiesen. Die Bilanzsumme entspricht also dem 21-fachen des Eigenkapitals.

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Die Bank verfügt über einen sehr hohen Bestand an Derivaten, um ihre Handels- und Kreditrisiken abzusichern. Während die für sie relevanten internationalen Bilanzregeln IFRS eine Verrechnung der sich gegenseitig aufhebenden Derivatepositionen deutlich restriktiver regelt, berechnet die Deutsche Bank für eine bessere Vergleichbarkeit die Leverage Ratio auf Basis der amerikanischen Regeln. Dadurch verringert sich ihre Bilanzsumme von 2,2 Billionen auf 1,3 Billionen Euro. Trotzdem werten die UBS-Analysten den Verschuldungsgrad noch immer als sehr hoch und folgern daraus, dass die Bank entweder ihre Bilanzsumme um 38 Prozent verringern oder ihr Eigenkapital um 60 Prozent erhöhen muss.

Quelle: F.A.Z.

 
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