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Süßwaren Aktie von Barry Callebaut legt Verschnaufpause ein

 ·  Den Namen Barry Callebaut kennen die wenigsten, dabei ist der Schweizer Konzern der weltgrößte Kakaoverarbeiter. Die Aktie hat jüngst etwas zu schnell zugelegt und korrigiert derzeit, bietet langfristig aber Chancen.

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Die Marke Sarotti kennt wohl jeder, der schon mal Schokolade kaufen war. Doch wer steckt dahinter? Den Namen des weltgrößten Kakaoverarbeiter haben wahrscheinlich die wenigsten parat: Barry Callebaut.

Noch besser als die Schokolade hat den Aktionären wohl die Kursentwicklung geschmeckt - zumindest in jüngster Zeit: Nach dem Börsengang 1998 gab die Notiz zunächst nach und fand erst 2002 bei 115 Franken einen Halt. Danach aber ging es fast exponentiell nach oben: Mitte März verzeichnete die Aktie ein neues Hoch bei 975 Franken. Inzwischen hat der Kurs zwar deutlich an Wert eingebüßt, verharrt aber auf weiterhin auf einem sehr hohem Niveau (Isin CH0009002962).

Elf Prozent mehr Gewinn

Am Dienstag startete die Aktie in Zürich mit kleinen Verlusten in den Handel und kostete am Vormittag 890 Franken, das ist ein Minus von 0,2 Prozent. Dabei können sich die vorgelegten Geschäftszahlen durchaus sehen lassen, schließlich hat Barry Callebaut Gewinn und Umsatz in der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2006/2007 weiter gesteigert.

Der Reingewinn nahm im Vorjahresvergleich um 11,1 Prozent auf 125,2 Millionen Franken (77 Millionen Euro) zu, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Damit wurden die Erwartungen der Finanzanalysten übertroffen.

Barry Callebaut wächst schneller als der Markt

Der Umsatz wuchs unter Ausklammerung außerordentlicher Kakaobohnenverkäufe in der Vorjahresperiode um 4,1 Prozent auf 2,307 Milliarden Franken (1,42 Milliarden Euro). Die Verkaufsmenge stieg um 6,3 Prozent auf 588.125 Tonnen, womit Barry Callebaut nach eigenen Angaben doppelt so schnell wuchs wie der globale Schokolademarkt.

Das Amerika-Geschäft litt unter dem schwachen Dollar und einer „unbefriedigenden“ Entwicklung in der nordamerikanischen Konsumsparte des Konzerns, die nun „unter Beobachtung“ stehe. Das Asien-Geschäft dagegen brummt.

Vertrag mit Nestlé

Jüngst hat der Konzern einen wichtigen Vertrag mit Nestlé geschlossen, der den Umsatz im kommenden Geschäftsjahr um geschätzte 150 Millionen Franken steigern wird. Zugute kommt dem Unternehmen auch der Trend zu dunklerer Schokolade, die sich teurer verkaufen lässt.

Konzernchef Patrick De Maeseneire rechnet laut der Mitteilung mit weiterem Volumenwachstum in der zweiten Jahreshälfte und bekräftigte die Drei-Jahres-Finanzziele. In diesem Geschäftsjahr soll der Betriebsgewinn um acht bis zehn Prozent zulegen, der bereinigte Umsatz um drei bis fünf Prozent und der Nettogewinn um zwölf bis 15 Prozent.

Konzern profitiert vom Outsourcing-Trend

Das Unternehmen mit französischen und belgischen Wurzeln und Hauptsitz in der Schweiz versteht sich vor allem als Dienstleister für die Markenindustrie. Es lebt vor allem von Vorprodukten und Halbfertigwaren. Markenartikler können bei Barry Callebaut alles bestellen, von der Bohne über die Kakaobutter und die Schokoladenmasse bis zur fertig verpackten, nach Vorgaben und Rezepten des Auftraggebers gefertigten Ware. Damit profitiert der Konzern vom Trend zum Outsourcing.

„Wir können fast jeden Geschmack auf der Welt machen“, sagte der für Innovation zuständige Manager Hans Vriens jüngst der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „30 Prozent der Erlöse kommen von Produkten, die wir in den letzten drei Jahren entwickelt haben.“

Kennzahlen entwickeln sich solide

Die wichtigsten Kennzahlen des Konzerns haben sich seit dem Börsengang durchaus ansehnlich entwickelt: Der Umsatz stieg in den Jahren 1998/99 bis 2005/06 von 1,3 auf 4,3 Milliarden Franken. Der Betriebsgewinn (Ebit) kletterte von 130 auf 293 Millionen Franken. Auch der Betriebsgewinn je Tonne hat sich verbessert: von 202 auf 279 Franken je Tonne. Die Eigenkapitalquote sank im gleichen Zeitraum leicht von 38,3 auf 35,6 Prozent.

Der Konzerngewinn hat in den vergangenen acht Jahren von 100 auf 183 Millionen Franken zugenommen. Im schwächsten Geschäftsjahr 2001/02 wurde gleichwohl nur ein Gewinn von 21 Millionen Franken verzeichnet. Größter Anteilseigner ist die Jacobs Holding aus Zürich mit 50,5 Prozent; Renata Jacobs hält weitere 8,48 Prozent der Aktien.

Aktie ist stattlich bewertet...

Die meisten Analysten empfehlen, die Aktie zu kaufen oder zu halten. Für eine uneingeschränkte Kaufempfehlung ist die Aktie vielen Analysten nach den jüngsten Kursgewinnen wohl zu teuer.

Das ist durchaus verständlich, wie ein Blick auf die Aktienbewertung zeigt: Für das laufende Geschäftsjahr berechnen die Analysten im Schnitt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 22,9. Auf Basis der Gewinnschätzung für das Jahr 2007/08 beträgt das KGV immer noch 18,4. Mit Blick auf 2008/09 ergibt sich ein KGV von 15,3.

... nur nach dem Kurs-Umsatz-Verhältnis nicht

Auch nach anderen Kennzahlen ist die Aktie stattlich bewertet: Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) auf Basis vorgelegter Zahlen beträgt 4,6. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) beläuft sich auf 21,5. Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr berechnen die Analysten im Schnitt ein KBV von 4,1 und ein KCV von 14,7. Die erwartete Dividendenrendite beträgt 1,3 Prozent.

Immerhin: Wer eine Kennzahl sucht, nach der die Aktie noch nicht zu teuer ist, kann das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) zu Rate ziehen. Dieses beträgt für das laufende Geschäftsjahr nur 1,0. Auf Basis der Schätzungen für das kommende Jahr sinkt sie sogar auf 0,96.

Langfristig gute Chancen

Ein Blick auf den in jüngster Zeit viel zu steilen Chart zeigt, dass die derzeit laufende Korrektur nur gesund ist. Wann sie abgeschlossen, lässt sich noch nicht sagen. Eine solidere charttechnische Unterstützung findet sich erst bei gut 800 Franken.

Vorsichtige Anleger sollte deshalb abwarten, auf welchem Niveau sich der Chart fängt. Langfristig sollten die Chancen für weitere Kursgewinne gut stehen, schließlich scheint der Konzern auf einem wachsenden Markt sehr gut aufgestellt zu sein. Die Aktie ist zwar kein Schnäppchen mehr, aber zum Beispiel immer noch günstiger als die Aktie von Lindt & Sprüngli.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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