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Technische Analyse : Südkoreas Aktienindex steigt weiter

  • -Aktualisiert am

Der Kospi steigt trotz Spannungen mit Nordkorea weiter an. Bild: EPA

Immer wieder überschatten Kim Jong-uns Drohgebärden die täglichen Nachrichten. Doch dem bedeutendsten südkoreanischen Aktienindex Kospi kann das wenig ab. Dieser verzeichnet Rekordgewinne.

          Lassen Sie uns dieses Mal gleich zu Beginn einen Blick auf den hier abgebildeten Chart werfen: Er zeigt den Kospi (Korean Composite Stock Price Index), den bedeutendsten südkoreanischen Aktienindex. Richten Sie Ihr Augenmerk zunächst vor allem auf den roten Pfeil in der rechten oberen Ecke. Spannender geht es kaum: Denn genau dort entstand das entscheidende technische Aufbruchssignal, das der jüngsten Rally des Kospi vorausging. Trotz dieser Vorrede hält sich Ihre Spannung bislang wohl noch eher in Grenzen. Was fehlt, ist eine entscheidende Zusatzinformation: Dieses Signal entstand bereits Mitte März, noch bevor das Ballyhoo zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea richtig losging. Und vielleicht noch wichtiger: Dieses Signal behielt seine Bedeutung und Aussage, während die Vereinigten Staaten einen Flugzeugträgerkampfverband gegen Korea schickten, ihr modernstes Flugkörperabfangsystem in Südkorea einsatzbereit machten, der Norden mit der Mutter aller Schlachten drohte, Raketentests unternahm und so weiter.

          Der Kospi muss demnach andere Ereignisse, wie den wahrscheinlich nicht ganz freiwilligen Rücktritt der angeblich korrupten südkoreanischen Präsidentin Anfang März, höher als alles andere gewichtet haben. Während bei uns die Angst vor einem Atomkrieg umging, sah der koreanische Aktienmarkt die Dinge sehr viel nüchterner, wägte Wahrscheinlichkeiten gegeneinander ab und kam zu dem Ergebnis, dass mehr als die üblichen Wortgefechte kaum zu erwarten sein werden, aber jeder neue Präsident besser sein wird, als seine Vorgängerin Park Geun Hye es war. Gerade die großen internationalen Anleger dürften sich auch in den letzten Jahren schon sehr an die verbalen Scharmützel, begleitet von schaurig-schönen Bildern der Manöver und Raketentests, gewöhnt haben. In ihren Augen haben sie ihre Wirkung verloren. Drohungen nutzen sich sehr schnell ab, wenn man nicht irgendwann bereit ist, seinen Worten auch Taten folgen zu lassen.

          Koreanischer Aktienindex sieht gut aus

          Der koreanische Aktienindex sieht also wirklich gut aus. Nicht nur wegen des schon etwas länger zurückliegenden ersten Aufbruchssignals, sondern auch, weil erst in der vergangenen Woche die ultimative technische Bestätigung dieses Signals erfolgte: Der Kospi überwand seine bisherigen historischen Bestmarken bei 2220 Punkten. Mehr geht nicht. Wenn ein Chart bereit ist, sich mitten in einer von vielen als Riesenkrise empfundenen Situation zu neuen Ufern aufzumachen, dann wird diese Entwicklung fast schon notgedrungen nachhaltig sein müssen. Schlechte Stimmung, gute Kurse und die Überwindung einer magischen Schwelle gemeinsam schaffen im Regelfall außergewöhnlich gute technische Perspektiven für längere Zeit.

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          Und ohne mich noch mehr in Euphorie schreiben zu wollen: Wenn diesem Ausbruch über die bisherigen Bestmarken hinaus noch eine längere, gemessen an den Kursbewegungen unspektakuläre, Seitwärtsphase vorausging, dann ist so ziemlich alles beisammen, was sich ein Technikerherz wünschen kann. Je länger ein Ausbruch auf sich warten lässt, desto nach- und stichhaltiger sind im Normalfall die Gründe für das Ende der Zurückhaltung der Anleger.

          Rein technisch betrachtet, hat der Kospi also in der ersten Maiwoche die Konsolidierungsphase der letzten sieben Jahre zwischen rund 1770 und 2220 Punkten abgeschlossen und damit einen ausgezeichneten Hinweis gegeben, dass er nun dauerhaft Gutes im Schilde führt. Sein Aufwärtstrend wird sich fortsetzen. Mein schon etwas länger aktives Ziel für den Kospi bleibt deshalb 2530 Punkte. Nach heutigem Stand der Analyse würde ich es als eher konservativ ansehen.

          Zuversichtliche Einschätzungen können falsch sein

          Der analytischen Disziplin wegen muss aber gerade einer so zuversichtlichen Einschätzung unbedingt der Hinweis folgen, dass sie auch falsch sein könnte und für diesen Fall grundsätzlich Vorsorge zu treffen ist. Ohne Stop-Loss-Order, also den Verkauf bei Erreichen eines Mindestniveaus, geht es nicht. Sollte der Kospi explizit wider Erwarten unter 2060 Punkte zurückfallen, dann habe ich mit Zitronen gehandelt. Für Zuversicht wäre dann kein Platz mehr, sondern wahrscheinlich nur für das glatte Gegenteil.

          Wird nun alles gut zwischen dem gelben und dem japanischen Meer? Das ist meines Erachtens wahrscheinlich. Natürlich können Charts irren, natürlich kann ich irren und natürlich können auch die schönsten Aufwärtstrends völlig aus dem Nichts und in Nullkommanichts in sich zusammenbrechen. Diesen Respekt werden Anleger und Analysten immer mitbringen müssen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit dafür derzeit gering. Vielmehr dürfte die Zahl der auf Entspannung deutenden Nachrichten zunehmen. Alternativ gewöhnen wir uns vielleicht auch nur daran, dass die folgenlosen Wortgefechte und Drohgebärden künftig auf einem höheren Niveau stattfinden.

          Über den Autor

          Wieland Staud leitet die Staud Research GmBH in Bad Homburg.

          Quelle: F.A.Z.

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