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Stromversorger Viel Wind um Iberdrola-Übernahme - Aktie hebt weiter ab

01.02.2008 ·  Die Hinweise auf einen Übernahmekampf um den Stromkonzern Iberdrola nehmen zu. Eon und die französische EDF sollen sich schon indirekt in der Aktie engagiert haben. Im Spiel ist zudem ein spanischer Baukonzern, der schon Aktionär ist.

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Iberdrola-Aktien werden immer begehrter. Am Freitag stieg der Kurs weiter, nachdem er am Donnerstag schon deutlich angezogen war. Der Grund: In Spanien verdichten sich die Anzeichen auf ein Kaufangebot für den Versorger Iberdrola.

Dabei könnte auch die deutsche Eon eine Rolle spielen. Eon soll bereits drei Prozent an Iberdrola in Form von Derivaten halten, während EdF etwa vier Prozent halten soll, heißt es in der Börsenzeitung vom Freitag.

Der französische Energiekonzern EDF habe der Regierung in Paris gegenüber Interesse am spanischen Markt signalisiert, sagte ein Sprecher des französischen Präsidialamtes am Donnerstag und in diese Richtung berichteten auch die Zeitung am Freitag. Die Regierung in Madrid sei über ein grundsätzliches Interesse von EDF am spanischen Markt informiert worden. Präsident Nicolas Sarkozy habe EDF zu verstehen gegeben, sich beim weiteren Vorgehen mit der spanischen Regierung abzustimmen, sagte der Sprecher weiter, ohne Iberdrola zu nennen.

Übernahmekampf könnte die Aktie hochtreiben

Es gibt wohl auch Interesse von der deutschen Eon - neben einem spanischen Baukonzern und dem französischen Staatsversorger. Was ist nur dran an Iberdrola, dass so viele Riesen sich um die Spanier streiten wollen?

Zunächst ist die Aktie in den vergangenen Jahren ausgezeichnet gelaufen. Doch sie ist trotz eines starken Kursrückgangs in den letzten Wochen immer noch relativ hoch bewertet. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 auf der Basis des laufenden Jahres ist die Aktie wesentlich teurer als der Schnitt des Aktienmarktes. Das rechtfertigen manche durch die guten Aussichten bei Erneuerbaren Energien und die starke Stellung im Markt. Doch durch die Wachstumsaussichten ist es nicht dauerhaft gedeckt.

Durch einen Übernahmekampf könnte der Kurs jedoch weiter hoch gehen. Dies war ja schon bei ähnlichen Gefechten früher zu beobachten, denn für eine starke Stellung im Markt bezahlen Versorger gelegentlich horrende Preise. Insofern könnte ein Engagement für Anleger also noch Sinn machen. Positiv ist dabei, dass die Dividendenrendite von Iberdrola mit mehr als drei Prozent wieder recht attraktiv geworden ist.

Börsengang der Windsparte spülte 4,5 Milliarden Euro in die Kasse

Das Unternehmen ist derzeit Spanien zweitgrößter Stromversorger. Größter Aktionär ist bereits der Baukonzern ACS, dem von Bankern Interesse an einer Übernahme nachgesagt wird - eventuell zusammen mit der EDF. Doch bisher wurde darüber keine Vereinbarung erzielt, erklärte ACS. Iberdrola wäre ein gewaltiger Brocken für beide Interessenten, denn dessen Börsenwert erreicht schon fast 50 Milliarden Euro.

Ein Teil des Wertes entfällt auf die Tochter Iberdrola Renovables, die erst Ende des vergangenen Jahres an die Börse gebracht worden war - aber nur mit einem Streubesitz von 20 Prozent. Das spülte damals 4,5 Milliarden Euro in die Kassen von Iberdrola. Derzeit ist Iberdrola Renovables an der Börse mit rund 21 Milliarden Euro bewertet.

Die Franzosen hinken bei Windenergie hinterher

“EDF könnte seine Position in Großbritannien verdoppeln und von den erneuerbaren Energien profitieren, die Iberdrola besitzt. In diesem Bereich hinken die Franzosen in Europa hinterher“, sagte Victor Peiro, ein Analyst von Caja Madrid Bolsa. Er empfiehlt, die Aktien von Iberdrola zu kaufen.

Iberdrola ist durch seine Kauftour inzwischen der weltgrößte Eigentümer von Windturbinen. Dieses Geschäft profitiert von Staatshilfen für erneuerbare Energien in Europa und Amerika, weil alle Staaten die Emission von Treibhausgasen verringern wollen. Steigende Preise für die Emissions-Zertifikate, mit denen Kohlendioxid emittiert werden, haben den traditionellen Vorteil von mit Kohle und Öl betriebenen Kraftwerken untergraben.

Iberdrola-Chef wehrt sich gegen eine Übernahme

EDF, Europas größter Energieproduzent, und ACS würden Iberdrola wohl aufspalten, berichtete die Financial Times. ACS erklärte am Mittwoch dazu, es gebe keine Vereinbarung mit EdF zur Vorlage eines Gebots. Die Iberdrola-Aktien waren am Mittwoch an der Börse Madrid zunächst vom Handel ausgesetzt und legten dann bis zu sieben Prozent auf zehn Euro zu. Schon in den vergangenen Tagen hatten Gerüchte über eine mögliche Offerte den Kurs getrieben.
ACS hält direkt und indirekt schon 13 Prozent an Iberdrola.

Eine Übernahme schloss Iberdrola-Chef Sanchez Galan nicht kategorisch aus: „Wenn der Preis sehr attraktiv ist, werden wir sehen, wie unsere Antwort ausfallen muss“, sagte Sanchez Galan vor Journalisten. Eine Aufspaltung sei aber nicht das, was die Aktionäre wollten. Warum auch, lange hat er daran gebastelt, den Konzern zukunftsgerichtet aufzustellen.

Spanien torpediert Ausländer

EdF ist wohl an Scottish Power und einem Anteil von fünf bis zehn Prozent am spanischen Energiemarkt interessiert. ACS könnte der Bereich Erneuerbare Energien zugeschlagen werden, der dann mit dem Versorger Union Fenosa fusionieren soll, an dem ACS 40 Prozent hält. Zudem solle ACS Teile der Iberdrola-Sparte Wasserkraft bekommen.

Beobachtern zufolge würde eine Übernahme in Spanien aber äußerst argwöhnisch gesehen werden, zumal EdF zu 85 Prozent im Besitz des französischen Staates ist. Zudem werde am 9. März in Spanien gewählt und vorher werde niemand das Thema anfassen, hieß es. Zuletzt waren der deutschen Eon beim Versuch der Übernahme des spanischen Versorgers Endesa so viele Steine in den Weg gelegt worden, dass das Unternehmen schließlich aufgab.

Iberdrola stand wiederholt im Zentrum von Übernahme-Gerüchten. Firmenchef Ignazio Sanchez wehrt sich aber dagegen. Zuletzt hatte er Beteiligungen in den Vereinigten Staaten und Großbritannien
zugekauft - auch, um eine Übernahme der Iberdrola für mögliche Interessenten zu erschweren.

Mit Eon sei die Reihe möglicher Kaufinteressenten um ein weiteres Unternehmen erweitert worden, hieß es am Markt. Dabei hoben Analysten die bekannten Ambitionen des deutschen Konzerns auf dem spanischen Energiemarkt hervor. Dies gelte besonders, seitdem das Gebot für Endesa um Haaresbreite von Enel und Acciona geschlagen worden sei.

Eon soll Iberdrola-Derivate gekauft haben

Wie auch die Zeitung „Cinco Dias“ berichtete, hat Eon angesichts der schlechten Erfahrungen bei Endesa entschieden, über Derivate Positionen in Iberdrola aufzubauen. Damit sei das Unternehmen in der Lage, sich einen gewissen Anteil zu sichern, ohne bereits ein Übernahmeangebot veröffentlichen zu müssen. Eon gab hierzu keinen Kommentar ab. Eine Übernahme durch Eon würde nicht für eine ähnliche politische Aufregung sorgen, wie ein Kauf durch die mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche Electricite de France (EdF), sagte ein Analyst von Dexia. Weitere große Interessenten seien nicht absehbar: „Enel hat seine Arbeit getan, Suez und Gaz de France haben andere Prioritäten und RWE erscheint zu klein“, so der Experte.

Analysten beurteilen Eon-Interesse skeptisch

Analysten halten einen Anteilskauf durch Eon zwar grundsätzlich für möglich, glauben aber nicht an ein Übernahmeangebot des deutschen Konzerns. WestLB-Analyst Peter Wirtz sagte, mit einer Beteiligung an Iberdrola würde Eon jedoch eine bessere Position erhalten, sollte der spanische Konzern tatsächlich aufgespalten werden. Die Deutschen könnten sich dann vielleicht in den Verkaufsverhandlungen einige Rosinen herauspicken, sollte es zu einem gemeinsamen Gebot von Edf und ACS kommen.

Sal. Oppenheim-Analyst Matthias Heck äußerte sich etwas skeptischer und erklärte, er halte einen Anteilskauf für wenig wahrscheinlich. Eon werde sich wohl erst einmal auf die Integration der Geschäfte aus dem Endesa-Deal konzentrieren. Grundsätzlich wären aber nahezu alle Assets von Iberdrola für Eon interessant - das Windenergie-Geschäft gehöre ebenso hierzu wie die Geschäfte in Großbritannien oder natürlich Spanien. Lediglich die Lateinamerika-Assets seien für Eon nicht so von Interesse, meint Heck.

Iberdrola hatte für die ersten neun Monate 2007 einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro und einen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro ausgewiesen. Der Konzern beschäftigte per Ende September etwa 26.000 Mitarbeiter und ist in rund 40 Ländern aktiv. 2007 hatte Iberdrola für 17 Milliarden Euro die britische Scottish Power gekauft, die 2006 eine Offerte von Eon ausgeschlagen hatte. Nach Jahren der Zurückhaltung war unter europäischen Versorgern durch Gesetzesänderungen und die hohen Strom- und Gaspreise wieder eine Übernahmewelle in Gang gekommen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @stt
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