25.01.2010 · „Wette nicht gegen die Konsumenten, schon gar nicht gegen die amerikanischen,“ hieß es in der Vergangenheit immer wieder. Das dürfte sich wandeln können zu „Vorsicht vor Wetten auf den völlig überschuldeten Konsumenten“.
Wette nicht gegen die Konsumenten, schon gar nicht gegen die amerikanischen,“ hieß es in der Vergangenheit immer wieder für Anleger. Lange Jahre konnten sie davon ausgehen, dass Verbraucher sich in wirtschaftlichen Abschwüngen nur kurzzeitig beeindrucken ließen und den Konsum einschränkten. Unterstützt jedoch von lockeren Geldpolitiken und staatlichen Anreizen zum Konsum kehrten sie immer wieder zum ursprünglichen Verhalten mit hoher Konsumneigung zurück.
Das werde auch nach der jüngsten Krise wieder der Fall sein. Die Konsumenten würden mit ihrer Kauflust dazu beitragen, dass sich die Weltwirtschaft wieder rasch und deutlich erholen werde, heißt es gemeinhin. Sollten sich die amerikanischen Verbraucher zurückhalten, so sprängen nun jene der Schwellenländer in die Bresche. Denn in diesen Regionen gebe es erstens noch großen Nachholbedarf, während der Wohlstand zunehme. Diese Kombination führe zu einer robusten Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen aller Art, heißt es gemeinhin.
Vorsicht vor Wetten auf den überschuldeten Konsumenten
Skeptiker allerdings halten dagegen. Sie weisen erstens darauf hin, dass die Schwellenländer in den Vergangenheit stark von der Nachfrage in den Industriestaaten profitierten, da sie ihre Ökonomien stark auf den Export in diese Regionen ausgerichtet hätten. Sollte dort die Nachfrage nachlassen, würde auf diese Weise die Konjunktur in den Schwellenländern automatisch gebremst werden.
Zweitens erklären sie, das Wachstums des Konsums in den Industriestaaten sei in den vergangenen Jahrzehnten nur unter Inkaufnahme einer zunehmenden Verschuldung möglich gewesen. Steigende Vermögenspreise, statistisch robuste Arbeitsmärkte und grob fahrlässige Kreditgeber hätten eine Verschuldungspirale möglich gemacht, die die Verbindlichkeiten der Privathaushalte in Ländern wie Dänemark, Irland, den Niederlanden, Norwegen, den USA, Großbritannien, Spanien und Spanien hat auf zwischen 100 und 200 Prozent des verfügbaren Einkommens zunehmen lassen.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise führte nun nicht nur zu fallenden Vermögenspreisen und entsprechendem Abschreibungsbedarf bei vielen Finanzunternehmen, sondern auch zu schwachen Arbeitsmärkten in weiten Teilen der Welt. In den Vereinigten Staaten erreichte die so genannte „Labor Force Participation Rate“, also der Anteil der Bevölkerung, der in Lohn und Brot steht, im Dezember mit 64,6 Prozent den tiefsten Stand seit 25 Jahren. Rechnet man den hohen Anteil der Teilzeitbeschäftigten ein, wird es voraussichtlich selbst bei robustem Wachstum einige Jahre dauern, bis sich der Arbeitsmarkt davon erholt haben wird.
Kurzfristige Stabilisierung auf tiefem Niveau
Verbraucher, die mit strapazierten Bilanzen und einem extrem schwachen Arbeitsmarkt konfrontiert werden, dürften kaum über die Stränge schlagen. So fragt, wo das Wachstum herkommen soll - war der Konsum in den vergangenen Jahrzehnten für bis zu 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verantwortlich. Tatsächlich zeigen die jüngsten Daten, dass sie mehr Sparen als in der Vergangenheit und dass die Nachfrage nach privaten Krediten deutlich zurückgeht.
Die amerikanische Konsumnachfrage scheint sich zwar kurzfristig stabilisiert zu haben, allerdings absolut auf deutlich tieferem Niveau als vor der Krise und auf Basis staatlicher Stimulierungsmaßnahmen. Es ist fraglich, ob diese weit tragen können. Denn sie werden mit rasant steigenden Staatsschulden finanziert, die den massiv eingebrochenen Steuereinnahmen entgegenlaufen. In Amerika müssen die öffentlichen Arbeitgeber massiv Löhne kürzen und Stellen, die im Rahmen des Booms der vergangenen Jahre zugenommen haben, streichen. Das steigert die Unsicherheit am Arbeitsmarkt und fördert den Konsum nicht. In vielen anderen Staaten sieht es nicht viel anders aus. Nur in Deutschland kann es sich der exklusive Klub der öffentlich Bediensteten trotz sinkenden Konsumentenvertrauens leisten, mit einer irrationalen Lohnforderung von fünf Prozent die Finanzierungskrise des Staates zu verstärken.
Insgesamt gibt es starke Zweifel, ob sich die Erholungsszenarien der Vergangenheit wiederholen lassen. Aus diesem Grund kann es ratsam sein, den Börsenboom der vergangenen Monate kritisch zu betrachten. Besonders tragfähig sieht er nicht aus.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |