02.10.2003 · Wer im aktuellen Umfeld auf fallende Kurse setzt, hat es schwer. Denn der Optimismus trägt auch Aktien von Unternehmen nach oben, die es eigentlich nicht verdient haben. „Shortseller“ verbuchen dann Verluste.
Nach schönen Kursgewinnen innerhalb kurzer Zeit sieht es nun so aus, als ob die Börsen erst einmal durchatmen würden. Dabei kommt es nach mehreren Tagen mit Kursverlusten immer wieder einmal zu technischen Gegenbewegungen, die beinahe an die Endphase der Baisse erinnert. Im Unterschied zu damals läßt sich jetzt gelegentlich nicht „Verkaufs-,“ sonder „Kaufpanik“ beobachten. An solchen Tagen schießen die Märkte förmlich nach oben.
Das läßt sich dadurch erklären, daß kurzfristig orientierte Marktteilnehmer Positionen hatten, die auf fallende Kurse setzten. Die müssen sie dann bei steigenden Kursen nicht nur schließen, sondern nicht selten drehen sie sich mit dem Wind und kaufen mehr, um zusätzlich an den steigenden Kursen zu verdienen.
Volatilität nimmt wieder leicht zu
Während in einer länger andauernden Phase mit steigenden Kursen die Volatilität auf Grund des einigermaßen stabilen Trends zurückgeht, steigt sie mit zunehmender Orientierungslosigkeit wieder an. Das läßt sich in jüngster Zeit beim VDax, einem Index, der sich aus den impliziten Volatilitäten der an der Eurex gehandelten Optionen errechnet, zumindest in Ansätzen beobachten.
Neben den kurzfristig und spekulativ orientierten Anlegern gibt es aber auch die spezialisierten „Shortseller“, die auch längerfristig auf fallende Kurse setzen. Allerdings nicht beim Markt generell, sondern bei einzelnen Unternehmen. Oft werden sie als die Hyänen des Finanzmarkts bezeichnet, da sie sich auf Unternehmen spezialisieren, von denen sie denken, es wirtschafte unredlich oder befinde sich auf dem Weg in den Konkurs. Bei solchen Unternehmen leihen sie sich dann die Aktien und verkaufen sie, da sie davon ausgehen, daß der Kurs fallen wird.
Viele Anleger betrachten solche Aktivitäten mit Abneigung oder sind sogar wütend. Denn sie fühlen sich geschädigt, wenn sie eine entsprechende Aktie im Depot haben. Objektiv betrachtet ist es allerdings ein gesunder Prozeß, der die Transparenz im Markt erhöht und zumindest zu einer vorsichtigeren Betrachtung des jeweiligen Unternehmens führt.
Auf dem falschen Fuß erschwischt
Allerdings haben es die „Shortseller“ in steigenden Börsen bei optimistischer Stimmung nicht leicht, weil die „Kaufflut“ dann viele „Aktienboote“ mitsteigen läßt, die es eigentlich nicht verdient haben. So hat sich beispielsweise die Aktie des auf Diabetes-Produkte spezialisierten amerikanischen Unternehmens Polymedica seit Ende des Jahres 2001 mehr als verfünffacht und einen einwandfreien Aufwärtstrend etabliert, obwohl das Gewinnwachstum des Unternehmens in dieser Zeit von 6,6 Prozent auf 2,3 Prozent gefallen ist und das Kurs-Gewinn-Verhältnis von vier auf etwa 16 gestiegen ist.
Das Kernproblem des Unternehmens ist allerdings nicht nur die abnehmende Gewinndynamik, sondern daß sich das Unternehmen mit einer kriminalistischen Untersuchung wegen Bilanzunregelmäßigkeiten konfrontiert sieht. Aus diesem Grund haben sich bekannte Shortseller, wie beispielsweise Manuel Asensio, auf das Unternehmen eingeschossen und die Aktie verkauft. Sie dürften auf Grund der steigenden Kurse massive Verluste einfahren. Allerdings scheinen sie sich nicht beeindrucken zu lassen, denn das „Short Interest“, also die Anzahl der spekulativ verkauften Aktien bleibt stabil bei einem satten Viertel der umlaufenden Aktien.
Asensio will in einer Analyse herausgefunden haben, daß vor allem Kleinanleger auf Empfehlungen von dubiosen Analysten und Anlageberatern hereingefallen sind und deswegen die Aktie in ihren Depots haben. Das wäre bitter, wäre aber ein Beweis mehr, daß die Hyänen mehr nützen als schaden, wenn sie recht behalten sollten. Noch ist allerdings nicht entschieden, wie die spannende Geschichte ausgehen wird.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |