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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Strategie Riskanter Ausbruch nach oben

 ·  Die Aussicht auf eine extrem lockere Geldpolitik verleitet Anleger zum Kauf riskanter Papiere. Der Dax ist zumindest technisch nach oben ausgebrochen. Aktien sehen optisch günstig aus, aber nur nach prozyklischer Anpassung der Gewinnschätzungen.

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Die neuerdings bestätigte Aussicht auf eine extrem lockere Geldpolitik in Japan, den Vereinigten Staaten und auch in Europa sowie die optimistische Interpretation veröffentlichter Konjunkturdaten und Unternehmensergebnisse beflügelt den Risikoappetit der Anleger.

Das zeigt sich nicht nur an den deutlich steigenden Kursen an vielen Schwellenländerbörsen und der rasant teurer werdenden Energie- und Rohstoffkontrakte, sondern inzwischen sind auch die Aktienindizes der hoch zyklischen Märkte Schwedens und Deutschlands technisch nach oben ausgebrochen.

Dax auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren - technisch ausgebrochen

Der Dax erreicht mit Kursgewinnen von bis zu 1,60 Prozent auf bis zu knapp 6.400 Zähler den höchsten Stand seit August des Jahres 2008. Der schwedische OMX-30 liegt inzwischen sogar auf dem höchsten Kursniveau seit Dezember des Jahres 2007. Aus technischer Sicht haben sich die Indizes mit dem Verlassen der Seitwärtsbewegung neues Kurspotenzial nach oben erschlossen.

Auf der anderen Seite führt der Risikoappetit an den Rentenmärkten zumindest kurzfristig zu einer leichten Kurskonsolidierung, während der Kurs des Dollars nach der Veröffentlichung des Protokolls der jüngsten Sitzung des geldpolitisch entscheidenden Gremiums der amerikanischen Zentralbank angesichts der nun zu erwartenden geldpolitischen Lockerung wieder unter Druck geraten ist, nachdem er sich am Dienstag leicht erholt hatte. Am Mittwochmittag sind knapp 1,4 Dollar nötig, um im professionellen Handel einen Euro erwerben zu können.

Der zyklische Charakter der Kurserholung zeigt sich daran, dass sie im Dax auf Jahressicht angeführt wird von den Automobil-, Lkw-, Technologie- und Luftfahrtwerten wie der Lufthansa. Während die Automobil- und LKW-Branche in den vergangenen Monaten direkt von den extremen geld- und fiskalpolitischen Strategien von Regierungen und Zentralbanken beinahe weltweit profitieren konnten, scheint die allgemein optimistisch gewordene Stimmung nun auch auf Konsum- und Reisewerte überzuspringen. Gerade die Aktien der Lufthansa haben in den vergangenen Wochen überproportional zugelegt.

Tatsächlich können viele Unternehmen kurzfristig aufgrund von Sondereffekten - wie etwa den Abwrackprämien und der Zahlung von Kurzarbeitsgeldern in riesigem Ausmaß - und starken Kostensenkungsmaßnahmen erstaunliche Gewinne und im Vergleich mit schwachen Vorjahren deutliche Gewinnzuwächse ausweisen. Das hat den Appetit der Analysten und Anleger beim Essen angeregt und die Gewinnprognosen und -erwartungen prozyklisch immer höher werden lassen. So sehen Aktien trotz steigender Kurse zumindest optisch immer noch günstig aus.

Aktien sehen optisch günstig - nach prozyklischer Anpassung der Gewinnschätzungen

Die durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnisse der europäischen Aktien liegen auf Basis der Gewinnschätzungen zwischen 10,7 im Eurostoxx 50, elf im CAC 40, elfeinhalb im Dax und 12,7 im SMI der Schweiz. Selbst die im S&P-500-Index enthaltenen Standardwerte sehen mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von 14 optisch noch sehr günstig aus, während die Aktien vieler Schwellenländermärkte inzwischen selbst gemessen an optimistischen Gewinnerwartungen schon teuer geworden sind. Das gilt vor allem für Papiere in Indien, China, Indonesien und weiten Teilen Süd- und Mittelamerikas.

Diese Optik mag Anleger dazu verleiten, angesichts extrem tiefer und wohl längere Zeit tief gehaltener Zinsen und der Strategie der Zentralbanken, die Märkte mit aller Gewalt reflationieen zu wollen, vermehrt Gelder in die Aktienmärkte zu investieren. Gerade auch die institutionellen Anleger geraten in Zugzwang, je stärker sie hinter einem Vergleichindex, an dem sie gemessen werden, zurückbleiben. Wollen sie nicht „alt“ aussehen, müssen sie sich engagieren und verstärken mit ihren Aktionen unabhängig von fundamentalen Gegebenheiten Trends, die entstanden sind.

Fundamental jedoch wird die Lage vielfach überblendet von „positiven“ Basiseffekten, der noch anhaltenden Wirkung der staatlichen Subventionen in Form tiefer Zinsen und der Ausgabenprogramme auf Pump sowie der weiter bestehenden und größer werdenden Ungleichgewichte auf makroökonomischer Ebene. Diese Kombination lässt die Produktivität und Ertragsmargen der Unternehmen in Verbindung mit einer unterdurchschnittlichen Entwicklung der verfügbaren Einkommen auf Rekordniveaus steigen. Nachhaltig ist das jedoch nicht. Aus diesem Grund sind viele Anleger skeptisch und verhalten sich entsprechend.

Sie vergleichen die aufkommende, geldpolitische inspirierte Euphorie mit der Irrationalität, die vor der jüngsten Krise zu beobachten war. Sie zeigt sich gegenwärtig in Form der Ausschüttung riesiger Boni bei an sich maroden Banken.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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