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Strategie Manche Aktie trotzt allen Wirren

28.05.2009 ·  Was kann den Aktienkurs eines Unternehmens durch zwei Rezessionen hindurch zu verdreißigfachen? Bisweilen ist es das Ergebnis tagtäglich harter Arbeit. Häufig sind jedoch breitere Kräfte am Werk, die sich schwer vorhersagen lassen.

Von Ben Steverman
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In den vergangenen zwei Jahren war die Ereignisdichte in der Finanzwelt so hoch, dass das Jahr 1999 für Investoren bereits eine halbe Ewigkeit zurückzuliegen scheint. Dennoch ist es nützlich, einen Blick auf einige Aktien zu werfen, die den Gesamtmarkt seitdem weit hinter sich gelassen haben, wobei Wertentwicklungen in der Vergangenheit natürlich keine Garantie für zukünftige Ergebnisse sind.

Der Top-Titel des vergangenen Jahrzehnts ist Southwestern Energy aus Houston, Texas. Das in der Exploration und Förderung von Erdöl und Erdgas tätige Unternehmen mit 1.400 Mitarbeitern wurde zwar schon 1929 gegründet, konnte sich jedoch erst in den letzten Jahren nachdrücklich von den unabhängigen Energiegesellschaften der Region absetzen.

Still und leise erwarb das Unternehmen die Förderrechte an einem riesigen neuen Erdgasfeld, das es in Arkansas aufgespürt hatte. Southwestern „konnte sich umfangreiche Bohrkonzessionen sichern, bevor andere Unternehmen Wind von der Lagerstätte bekamen“, sagt Morningstar-Analystin Catherina Milostan. Southwestern habe bereits die Ausbeutung der Gaslagerstätte Fayetteville Shale unter Einsatz innovativer Techniken wie der Horizontalbohrung vorgenommen, ergänzt Milostan.

Vom Erfolg des Unternehmens haben auch dessen Aktionäre profitiert. In den vergangenen zehn Jahren erzielte die Aktie von Southwestern Energy eine Gesamtrendite von 3,662 Prozent.

Die Top-20-Aktien mit niedrigem Beta-Faktor

Unter Rückgriff auf die Datenbank Compustat von Standard & Poor's suchte BusinessWeek nach den Aktien mit der besten Gesamtrendite (Kursgewinn plus Dividende) innerhalb der 500 Titel des Standardwerteindex' S&P-500.

Bei der Erstellung unserer Top-20-Liste wurden Aktien mit hoher Volatilität in Gestalt des Beta-Faktors ausgeklammert. Der Gesamtmarkt weist per definitionem einen Beta-Faktor von 1.0 auf. Der Beta-Faktor von Southwestern lag in den vergangenen zehn Jahren bei lediglich 0,348.

Die Gesamtrenditen der Top-20-Aktien reichten von fast 500 Prozent bis zu den von Southwestern erzielten 3,662 Prozent. Was steckt hinter diesem enormen Erfolg?

Einige Unternehmen haben sich eine wachsende Nische erobert. So bescherte etwa Stericycle seinen Aktionären im zurückliegenden Jahrzehnt eine Rendite von 1,503 Prozent mit einem wenig glanzvollen, aber profitablen Geschäftsmodell: Das Unternehmen entsorgt medizinische Abfälle von Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen.

Andere Unternehmen taten sich mit innovativen Produkten hervor. So entwickelten Pharmaunternehmen wie Celgene (mit einer Gesamtrendite von 2,607 Prozent) und Gilead Sciences (1,491 Prozent) wirkungsvolle medizinische Therapien.

Nur zwei Aktien entstammen nicht den Sektoren Gesundheit und Energie

Flir Systems, mit einer Gesamtrendite von 1,190 Prozent, entwickelt Infrarottechnik und Wärmebildkameras, die inzwischen in einer Vielzahl ziviler und militärischer Anwendungen zum Einsatz kommen.

Bisweilen ist der Erfolg eines Unternehmens das Ergebnis tagtäglich harter Arbeit. Der Transportorganisator C.H. Robinson unterstützt Unternehmen bei der weltweiten Warenlogistik zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Seit 1999 hat das Unternehmen seinen Aktionären eine Rendite von 692 Prozent beschert.

Häufig sind jedoch breitere Kräfte am Werk, die sich von Seiten des Managements oder von den Investoren schwerer vorhersagen lassen. Unter den durch Business Week identifizierten Top-20-Aktien finden sich nur zwei Titel außerhalb des Gesundheits- und des Energiesektors.

Dies kommt nicht von ungefähr. Von 1997 bis 2007 haben sich die Ausgaben für das amerikanische Gesundheitswesen fast verdoppelt. Nach Anhaben der staatlichen Gesundheitsbehörde beliefen sich diese Ausgaben im Jahr 2007 (dem letzten Jahr, für das statistische Daten vorliegen) auf 2,24 Billionen Dollar.

Auch die Energiekosten sind in die Höhe geschossen. Im Mai 1999 lag der Preis für ein Fass der in den Vereinigten Staaten wichtigsten Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) bei rund 18 Dollar; im Juli 2008 erreichte der Barrelpreis mit rund 140 Dollar seinen bisherigen Höchststand - ein Anstieg um das Achtfache. Ende Mai 2009 pendelt der Ölpreis um die Marke von 60 Dollar.

Keine Finanz-, Internet- oder Softwareaktien unter den Top-20

Hohe Ölpreise machen den Einsatz innovativer Bohrtechniken von Unternehmen wie etwa Southwestern Energy wirtschaftlicher. Robuste Gesundheitsausgaben begünstigen Unternehmen wie Ventas, eine börsennotierte Immobiliengesellschaft (REIT), die 41 Krankenhäuser und Hunderte weiterer Gesundheitseinrichtungen betreibt.

Und es ist kein Zufall, dass sich unter den Top-20-Aktien weder ein Finanz- noch ein Internet- oder Softwareunternehmen befindet. Erstere gerieten in den vergangenen zwei Jahren im Zuge der Finanzkrise unter die Räder, während letztere durch das Platzen der Technologieblase zu Beginn dieses Jahrtausends kräftig einbrachen.

Diese passablen Renditen sind nicht allein auf Glück zurückführen. Gewiss, die Top-20-Liste enthält mehrere Öl- und Gasförderer. Doch nach Ansicht von Morningstar-Analystin Milostan würden sie sich als „gute Betreiber“ von ihren Wettbewerbern abheben: „sie alle zeichnen sich durch kosteneffizientere Bohrtechniken und ein sehr umsichtiges Liquiditätsmanagement aus“, sagt sie.

Diese Unternehmen wurden zwar vom Glück begünstigt, aber sie haben auch das Beste aus der bereits außergewöhnlichen Situation gemacht, wovon am Ende auch die Aktionäre profitieren konnten.

Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: Business Week Online
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