13.10.2008 · Die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten wechselt rasch. Aufgrund der getroffenen Stabilisierungsversuche ist die Weltuntergangsstimmung der vergangenen Wochen wieder dem Optimismus gewichen. Fragt sich nur, wie weit er tragen kann.
Es ist erstaunlich, wie schnell die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten wechselt. Wollten die Anleger in der vergangenen Woche aufgrund der aufgekommenen Weltuntergangsstimmung alles verkaufen, was noch liquide handelbar war, so ist die Stimmung am Montag zumindest kurzfristig in Euphorie umgeschlagen.
Plötzlich scheinen sowohl die Finanzmarkt- als auch die sich abzeichnende Wirtschaftskrise abgehakt zu sein und ebenso plötzlich scheint auch der Risikoappetit wieder aufzuleben. Das zeigt sich daran, dass die Aktien von Finanz- und zyklischen Unternehmen massive Kursgewinne verbuchen können, am Devisenmarkt werden reflexartig jene Währungen gekauft, die zuvor noch massive Kursverluste hatten hinnehmen müssen, die Rohstoffpreise legen zu und die Rentenmärkte verbuchen Kursverluste.
Lassen sich die erstarrten Geldmärkte „auflockern“?
Die Hoffnungen und die Erwartungen der Anleger richten sich auf den Erfolg geldpolitischer und politischer Interventionen, die das Ziel haben, die verfahrene Lage an den Geldmärkten zu entwirren. Staatsgarantien für Banken sollen zusammen mit der inzwischen beinahe unbeschränkten Liquiditätsversorgung durch die Zentralbanken dafür sorgen, dass der Geldmarkt wieder normaler funktioniert, als in den vergangenen Wochen.
Nach mehreren Insolvenzen - auslöst vom schwachen amerikanischen Immobilienmarkt und damit verbundenen Wertverlusten - wussten die Finanzunternehmen nicht mehr, welche Gegenparteien noch welche Risiken in ihren Büchern haben. Aus diesem Grund horteten sie lieber Liquidität, statt sie zu verleihen. Genau das brachte immer mehr Branchenunternehmen in die Bredouille, da es in den vergangenen Jahren aufgrund der tiefen Zinsen und der hohen Liquidität zur Masche geworden war, sich kurzfristig zu refinanzieren.
Ohne die Liquiditätsspritzen der Zentralbanken hätten in den vergangenen Wochen aus diesem Grund viele der Finanzunternehmen Insolvenz im wörtlichen Sinne anmelden müssen. Das heißt nicht, dass sie keine Werte mehr in ihren Bilanzen haben. Sondern das heißt primär, dass sie „trocken“ gelaufen wären. Aus kurzfristigem Liquiditätsmangel hätten sie ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen können. Um dem zu entgehen, dürften sie sich in den vergangenen Wochen nicht nur über die Zentralbanken refinanziert haben, sondern sie haben auch ihre Abhängigkeit vom Fremdkapital reduziert, indem sie Wertpapiere verkauften. Aus diesem Grund kam es in den vergangenen Wochen zu den starken Kurseinbrüchen an den Börsen.
Kurzfristig leichte Entspannung erkennbar
Die Verstaatlichung und Rekapitalisierung von Banken, Garantien für Spareinlagen, der direkte Zugang für Unternehmen zu Notenbankkrediten, der Kauf von toxischen Wertpapieren und die Garantie von Interbankenkrediten sind in ihrer Gesamtheit darauf angelegt, diese Eigendynamik zu durchbrechen. Das mag gelingen. Immerhin zeigt sich schon am Montag eine leichte Entspannung an den europäischen Geldmärkten: Der Ein-Monats-Euribor liegt mit 5,017 Prozent rund drei Prozent unter dem Hoch, das der Zinssatz noch am vergangenen Mittwoch erreicht hatte. Die kurzfristigen Reposätze sind noch deutlicher zurückgekommen: Der Tomorrow-Next von 3,628 Prozent am Freitag auf 3,532 Prozent am Montag, der 1-Wochensatz der European Banking Federation von 4,138 Prozent am Dienstag auf 3,696 Prozent am Montag.
Aus diesem Grund und aufgrund technischer Positionierungen können sich die Börsen kurzfristig sehr wahrscheinlich weiter von den Tiefs der vergangen Tage erholen. Allerdings werden Anleger dazu neigen, die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. Denn die Weltwirtschaft befindet sich in einem Abschwung und die Schätzungen für die Unternehmensgewinne sind noch zu hoch. Zudem werden die Zentralbanken sehr wahrscheinlich darauf achten, die jetzt gegebene Liquidität bei einer Normalisierung der Verhältnisse rasch zu entziehen, um die Bildung neuer Kurs- und Preisblasen zu vermeiden.
Gerade auch nach den Erfahrungen der vergangenen Monate dürften die Anleger nach dem Einstieg zu regelmäßig angepassten Absicherungsstrategien neigen. Immerhin sind die Unsicherheiten noch sehr groß. Das lässt sich ohne weiteres an den rekordverdächtigen Ständen der Volatilitätsindezes ablesen. Sie lassen vermuten, dass es in den kommenden Monaten an den Börsen zu einer Wende zum Besseren kommen kann. Allerdings können sie nicht genau erklären, wann.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |