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Strategie Einige Aktien sind noch günstig zu haben

15.12.2009 ·  Wer jetzt Aktien kaufen will, sollte gut aussuchen. Denn dass die Kurse im Jahr 2010 so schnell steigen werden wie in diesem Jahr, ist wenig wahrscheinlich. Chancenreich sind vor allem Titel von Unternehmen, die stabile Geschäftsmodelle haben.

Von Alexander Armbruster
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Die Anlagestrategen von Allianz Global Investors und Sal. Oppenheim blicken "verhalten optimistisch" ins Jahr 2010. Dass vor allem Aktien noch einmal auf breiter Front so stark zulegen könnten wie in diesem Jahr, halten sie für unwahrscheinlich. "Wir halten niedrige, aber positive Wachstumsraten in den OECD-Ländern für wahrscheinlich", sagt Andreas Utermann, der die Anlagestrategie von Allianz Global Investors verantwortet. Die Oppenheim-Analysten erwarten, dass der deutsche Aktienindex Dax am Ende des kommenden Jahres auf 6350 Punkte gestiegen sein wird. Sie empfehlen besonders die Aktien von Unternehmen mit von der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit relativ unabhängigen Geschäftsmodellen, die darüber hinaus ihren Anteilseignern eine sichere und hohe Dividende anbieten.

Ihre Sicht auf das Folgejahr tun die professionellen Markt-Strategen immer um diese Jahreszeit kund. Sie und auch Privatanleger schauen dann darauf, wie sich ihre Anlagen in den zurück liegenden zwölf Monaten entwickelt haben. Was das Geld richtig angelegt? Haben sich Aktien gelohnt? Die Antwort auf die zweite Frage ist relativ leicht: Wichtige Aktienindizes wie der amerikanische S&P-500, der europäische Euro-Stoxx-50 oder der deutsche Dax sind seit Jahresbeginn stark gestiegen, und erst recht seit ihrem Krisen-Tief im März. Der Dax, in dem die 30 größten börsennotierten deutschen Unternehmen enthalten sind, stieg seitdem um rund 60 Prozent auf einen Stand von zurzeit etwa 5800 Punkten.

Sind Aktien günstig oder teuer?

Ungleich schwieriger zu beantworten ist hingegen die Frage, ob jemand, der gerade jetzt überlegt, Geld in Aktien zu stecken, das tatsächlich tun sollte. Wichtig zu wissen ist dafür einmal, ob Aktien vergleichsweise günstig oder teuer sind. Sogar Profis sind sich dabei nie sicher. Sind 54 Euro für eine Bayer-Aktie -ungefähr soviel kostete der Titel am Dienstagnachmittag - viel oder wenig? Ist ein Eon-Anteilsschein für 27 Euro im Vergleich dazu ein Schnäppchen, obwohl der dahinter stehende Energiekonzern ein komplett anderes Geschäftsmodell verfolgt als das Pharmaunternehmen aus Leverkusen?

Eine erste Möglichkeit, diese beiden Werte miteinander vergleichbar zu machen, ist es, sie ins Verhältnis zu setzen zum Gewinn je Aktie, den das Unternehmen entweder bereits ausgewiesen oder angekündigt hat. Danach kostet eine Bayer-Aktie ungefähr 15 Mal so viel wie die für das laufende Jahr erwarteten Gewinne je Aktie; ein Eon-Titel kostet demgegenüber etwa das Neunfache des Unternehmensgewinns. Nach dem Kurs-Gewinn-Verhältnis ist ein Eon-Titel also vergleichsweise billiger als eine Bayer-Aktie.

Markus Reinwand, der die Aktienmärkte für die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) analysiert, hat dieses Verhältnis für den Dax insgesamt ermittelt und zwar nicht nur für 2009, sondern auch für die zurückliegenden Jahre. Außerdem hat er nicht nur das Verhältnis der Aktienkurse zu den Unternehmensgewinnen betrachtet, sondern weitere Kennzahlen einbezogen: Reinwand vergleicht etwa auch, was ein Unternehmen an der Börse wert ist mit dem Unternehmenswert, der als Eigenkapital in der Bilanz steht. Er analysiert darüber hinaus nicht nur den ausgewiesenen Gewinn, sondern auch die tatsächlichen Zahlungsströme und schließlich auch, ob das Unternehmen eine Dividende an seine Aktionäre ausschüttet und wenn ja, wie hoch sie ist.

Entscheidend ist, ob die Krise vorbei ist oder nicht

Aus diesen vier Kennzahlen konstruiert er einen einzigen Bewertungsindikator, aus dem er ableitet, ob der deutsche Aktienmarkt gerade günstig oder teuer ist; ob es sich also mit Blick auf diesen Vergleichspreis lohnt, Aktien zu kaufen oder nicht. Sein Fazit: "Im historischen Vergleich sind deutsche Aktien noch immer nicht teuer." Der von ihm ermittelte Bewertungsindikator liegt minimal über dem langjährigen Durchschnitt (siehe Grafik). Die Aktienkaufentscheidung alleine daraus abzuleiten, reicht jedoch nicht aus. Denn ob Aktien im Zeitvergleich oder im Vergleich untereinander günstig sind, heißt noch nicht zwingend, dass ein jetzt erfolgreicher Käufer einmal jemanden findet, der ihm die erworbenen Wertpapiere tatsächlich zu einem höheren Preis abkauft.

Eine der dafür zentralen Fragen lautet: Ist die Finanz- und Wirtschaftskrise nun tatsächlich überwunden, wird die Wirtschaftsleistung also wieder zulegen und nicht mehr schrumpfen? Mehr und mehr Ökonomen glauben, dass genau das der Fall ist. Für Aktien wäre das gut. Denn die Unternehmen verdienen mehr, wenn es der Wirtschaft gut geht.

Der Zusammenhang geht dabei wie folgt: Umso höher das Wirtschaftswachstum, umso höher die Unternehmensgewinne, umso höher die Dividenden, umso mehr wert sind infolgedessen die Anteile der entsprechenden Unternehmen. Für eines der größten Risiken hält Andreas Uterman von der Allianz in dieser Hinsicht den wohl im kommenden Jahr liegenden Zeitpunkt, ab dem die großen Notenbanken ihre Leitzinsen wieder erhöhen und das viele Geld, dass sie in die Märkte gepumpt haben, absaugen. Die Oppenheim-Strategen raten dazu, in Aktien zu investieren, deren Wert unterdurchschnittlich an der Konjunktur hängt und die eine sichere Dividende bieten. Sie empfehlen unter anderen Allianz, Bayer, RWE, France Télécom, Telefónica und Deutsche Post.

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Jahrgang 1982, Redakteur in der Wirtschaft.

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