13.08.2007 · An den Börsen ist es turbulent geworden, die charttechnische Lage wird kritischer. Optimistische Strategen mahnen zur „Besonnenheit“. Fragt sich nur, was das heißt. Sinnvoll scheint die kritische Auswahl defensiver Einzelwerte zu sein.
Die Zeiten an den internationalen Finanzmärkten sind volatiler geworden. Mit massiven Geldspritzen versuchen die internationalen Zentralbanken - vor allem auch die europäische -, die Kreditkrise im Bankensystem zumindest kurzfristig zu lindern. Sie war entstanden, da immer mehr Institute Tröpfchen weise, zögerlich und widerstrebend eingestehen, riskante Positionen in Form von strukturierten Immobilienprodukten in ihren Depots zu haben.
Die sind erstens intransparent und werden zweitens aufgrund der Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten immer weniger wert. So dürfte es kaum verwundern, dass Anleger versuchen, entsprechende Produkte verkaufen. Allerdings gibt es ein weiteres Problem: Plötzlich stellten die Vermögensverwalter und Banken fest, dass sie auch illiquide sind.
Nahezu völlige Illiquidität in bestimmten Segmenten der verbrieften Schuldtitelmärkte
Am deutlichsten formulierten das in der vergangenen Woche die BNP Paribas Investment Partners: „Das Fehlen jeglicher Transaktionen in bestimmten Segmenten der verbrieften Schuldtitelmärkte in den Vereinigten Staaten führt zum Ausbleiben der Referenzpreisbestimmung und einer nahezu völligen Illiquidität der Werte in den Portfolios der Fonds, gleich welcher Qualität oder Ratings. Dies führt dazu, dass eine korrekte Wertbestimmung der zugrunde liegenden Aktiva und demzufolge eine Berechnung des Nettoinventarwertes dieser drei Fonds nicht mehr gewährleistet ist.“
Aus diesen Gründen wurden in den vergangenen Tagen immer mehr Fonds geschlossen. Zuvor sahen sie sich ebenso mit massiven Mittelabflüssen konfrontiert, wie es bei jenen der Fall ist, die noch offen geblieben sind. Da die Fonds vor der Korrektur optimistisch und stark investiert waren, mussten sie Wertpapiere verkaufen, die liquide waren. Aus diesem Grund gerieten die Börsen unter Druck. Steigende Volatilitäten verstärkten über quantitative Risikomodelle die Bewegung und führten zu einer Eigendynamik. Je höher die Volatilität ist, desto geringer wird die Risikotragfähigkeit einzelner Banken.
Kein Wunder, dass sie beinahe gleichzeitig versuchten ihre Risiken zu beschränken. Das führte dazu, dass sie ihre Kreditlinien kappten und auf diese Weise die allgemeine Liquidität im Markt reduzierten. Mit der massiven Intervention der Zentralbanken mag sich das Problem kurzfristig lösen lassen. Allerdings gilt das nicht für den grundlegenden Auslöser: Die anhaltende Schwäche des amerikanischen Häusermarktes und ihre Folgen in Form zunehmender Zahlungsausfälle, einer schwachen amerikanischen Wirtschaft und einer sehr wahrscheinlich bald nachlassenden Konsumnachfrage.
Kritische charttechnische Lage, sowie ambitionierte Bewertung zyklischer Titel
Optimistische Vermögensverwalter und Strategen „mahnen zur Besonnenheit“. Allerdings ist die Lage inzwischen charttechnisch kritisch geworden, liegen doch die verschiedenen Indizes recht nahe an ihren langfristigen Aufwärtstrends und fallen die Gegenbewegungen nach oben relativ „zahm“ und wenig überzeugend aus. Zudem werden sie gerne von den zyklischen Werten angeführt. Dabei kann man auch diese kritisch betrachten.
Nach einer Analyse der Credit Suisse sind sie zumindest in Europa im historischen Vergleich überdurchschnittlich hoch bewertet. Gleichzeitig deuteten sowohl konjunkturelle als auch ertragsspezifische Indikatoren darauf hin, dass sie fundamental an Momentum verlören. In diesem Sinne solle man Chemiewerte, Baumaterialhersteller, Automobilhersteller, Einzelhandelswerte und Kapitalgüterhersteller kritisch betrachten. Dagegen böten Technologiewerte - vor allem Softwareunternehmen und Telekommunikationsausrüster - sowie Metall- und Minenunternehmen noch gewisse Werte.
Bei Einzelwerten seien die Papiere von Sulzer, Hanson, ITV, Inditex, Kingfisher und ARM teuer, während in den defensiven Branchen Telekommunikation, Versorger und Konsum die Papiere von Eon, Deutsche Telekom, SAB Miller, Inbev, Diageo und Nestle gewisse defensive Reize böten.
Im Fazit dürfte es ratsam sein, sich als Anleger weiterhin defensiv zu positionieren. Sinnvoll scheint die kritische Auswahl von Einzelwerten zu sein, bei der Papiere mit niedrigem Rating durch den Raster fallen dürften.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.264,38 | −0,26% |
| FAZ-INDEX | 1.364,39 | −0,33% |
| TecDAX | 751,01 | −0,01% |
| MDAX | 10.147,80 | −0,59% |
| SDAX | 4.823,45 | +0,10% |
| REX | 437,51 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.118,94 | +0,13% |
| F.A.Z. EURO | 68,54 | −0,23% |
| Dow Jones | 12.393,50 | −0,21% |
| Nasdaq 100 | 2.524,87 | −0,49% |
| S&P500 | 1.310,33 | −0,23% |
| Nikkei225 | 8.542,73 | −1,05% |
| EUR/USD | 1,2352 | −0,08% |
| Rohöl Brent Crude | 101,59 $ | −0,03% |
| Gold | 1.558,00 $ | +1,17% |
| Bund Future | 145,92 € | +0,31% |