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Strategie Bankenrettung - bis zum nächsten Crash?

 ·  Die Finanzmärkte reagieren euphorisch auf die scheinbare Lösung der Griechenlandkrise. Letztlich wurden einmal mehr Finanzunternehmen auf Kosten der Steuerzahler gerettet. Viele der Finanzunternehmen sind im Kern unprofitabel, zu groß und überflüssig

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Die Finanzmärkte reagierten geradezu euphorisch auf die knappe Zustimmung des griechischen Parlaments für das drastische Sparprogramm der griechischen Regierung. Sie ist zusammen mit weiteren Durchführungsentscheidungen dafür verantwortlich, ob die Europäische Union und der Währungsfonds dem klammen Land einmal mehr mit Liquidität und Garantien aus der Patsche helfen.

Besonders positiv entwickelten sich in den vergangenen Tagen die Kurse der Finanzwerte. Die Kurse vieler dieser Aktien, die noch bis vor kurzem unter Verkaufsdruck gestanden hatten, konnten sich nach dem Griechenlandvotum zum Teil deutlich erholen. Allen voran die Werte von Unternehmen wie die von Lloyds Banking, Standard Chartered, National Bank of Greece, der Commerzbank oder auch die der französischen, spanischen und italienischen Banken.

Finanzwerte profitieren kurzfristig von markttechnischen Faktoren

Sie profitieren sowohl von technischen Reaktionen, da Anleger aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen zumindest kurzfristig zuvor leer verkaufte Aktien dieser Institute zurückkaufen. Sie profitieren auch von der offensichtlichen politischen Absicht, die Lösung der strukturellen Probleme der europäischen Volkswirtschaften und insbesondere die im europäischen Bankensystem unter Inkaufnahme neuer Staatsschulden und damit auf Kosten der Steuerzahlen auf die lange Bank zu schieben, statt den Markt zu bereinigen.

Die deutschen Banken beteiligen sich nach Angaben der Bundesregierung zwar mit 3,2 Milliarden Euro freiwillig an einem zweiten Hilfspaket für den Euro-Pleitekandidaten Griechenland. Das sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Donnerstag in Berlin nach Spitzengesprächen mit der Finanzwirtschaft. Auch die französischen Banken haben Vorschläge gemacht, wie sie ihre Forderungen, die sie sich in den vergangenen Jahren aufgrund von Fehlspekulationen auf Basis naiver Annahmen und utopischer Konvergenzphantasien in ihre Depots gelegt hatten, gerne geregelt haben wollen. Alle diese Vorschläge zeichnen sich gemeinsam dadurch aus, entweder von der Dimension her „Peanuts“ zu sein oder dadurch, dass die Risiken auf höchst intransparente Weise auf die Öffentliche Hand abgewälzt werden.

Faktisch werden durch die verschiedensten Maßnahmen nicht Staaten wie Irland, Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und andere von den Folgen ihre wirtschafts- und finanzpolitischen Misswirtschaften der vergangenen Jahrzehnte gerettet, sondern die zu vielen, die zu großen und die vielfach überflüssigen Finanzunternehmen Europas.

Viele Finanzunternehmen sind zu groß und überflüssig

Ihre Misere lässt sich am besten an einer Grafik ablesen, die der Internationale Währungsfonds vor kurzer Zeit veröffentlichte. Sie zeigt, wie gut oder schlecht die Banken in Europa und den Vereinigten Staaten mit Eigenkapital unterlegt sind. Sie zeigt eine chronische Unterkapitalisierung der Finanzinstitute in Belgien, Deutschland, Irland, Luxemburg, den Niederlanden und nicht zuletzt auch in Großbritannien. Die Banken dieser Staaten müssen entweder weiteres Eigenkapital einwerben oder ihre Bilanzen deutlich verkleinern.

Nachdem viele Finanzinstitute ihre Bilanzsummen im Rahmen des scheinbar grenzenlosen Finanzbooms vor der Krise dermaßen aufgeblasen hatten, dass sie in ihrer Gesamtheit in verschiedenen Staaten die Wirtschaftskraft des gesamten Landes zum Teil um ein Mehrfaches überschritten, gibt es nur einen Weg: Diese Unternehmen müssen nicht nur kleiner werden, sondern zum Teil vom Markt verschwinden. Sie schaffen mit ihren spekulativen Aktivitäten keine volkswirtschaftlichen Werte, sondern nur Risiken auf Kosten der Allgemeinheit. Für Basisdienstleistungen, die der Realwirtschaft dienen, braucht man die meisten davon nicht, zumal sie wirtschaftlich damit keinesfalls überleben könnten.

Selbst die leicht „geschrumpften“ Großbanken in der Schweiz sind im Verhältnis zur finanziellen Belastbarkeit des gesamten Landes im Extremfall noch viel zu groß. Immerhin müssen sie inzwischen ihre Bilanzen mit mehr Eigenkapital unterlegen als in anderen Teilen der Welt. Das reduziert ihre systemische Relevanz im Extremfall auf extremem Niveau etwas, reduziert auf der anderen Seite ihre Profitabilität.

Genau diese Tatsache aber macht die Aktien von Finanzunternehmen unter normalen Umständen wenig interessant. Anders sähe es nur aus, wenn politisch einmal mehr versäumt würde, den Sektor straff genug zu regulieren. Dann würden die Unternehmen rasch wieder große Räder drehen - bis zum nächsten von ihnen ausgelösten Crash.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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