02.03.2010 · Kaum legen sich die Sorgen über die Zahlungsfähigkeit von Staaten, übernehmen an den Börsen die Optimisten das Zepter. Diese bauen auf eine Erholung des Konsums, vor allem in Amerika. Doch tatsächlich nimmt die Sparneigung dort zu.
Kaum haben sich die Sorgen über die Zahlungsfähigkeit verschiedenster Staaten gelegt, übernehmen an den Börsen wieder die Wirtschaftsoptimisten das Zepter. Sie bauen auf eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung und verweisen gerne auf ein extrem lockeres monetäres Umfeld, auf eindrucksvolle Wachstumsraten und auf die scheinbar unverwüstliche Konsumneigung in den angelsächsischen Staaten.
Die Erfahrung aus vergangenen Krisen legt die Vermutung nahe, eine Kombination aus Ausgabenprogrammen auf Pump und extrem lockerer Geldpolitik werde Unternehmen zu Investitionen und Verbraucher zum Konsum bewegen und auf diese Weise einen wirtschaftlichen Aufschwung herbeiführen.
Erwartungen können die Realität dominieren
Haben solche Erwartungen an den Märkten erst einmal Eigendynamik entfaltet und entsprechende Trends sich etabliert, sind sie kaum noch zu stoppen. Denn einsetzende Trendfolgesysteme tun ihre Wirkung, während auf fundamentaler Seite eine selektive Wahrnehmung das Bild bestimmt. Anleger sehen selbst in schlechten Daten nur noch Positives, und bestätigen sich selbst und die eingegangenen Positionen.
Gerne wird dabei übersehen, dass die Konsumenten überschuldet und die Wachstumsraten vielfach auf starke Basiseffekte zurückzuführen sind. So nahmen etwa die Auftragseingänge der amerikanischen Unternehmen im Dezember des vergangenen Jahres im Vergleich zum extrem schwachen Vorjahr wieder zu. Absolut betrachtet befinden sie sich jedoch knapp 20 Prozent unter dem Mitte des Jahres 2008 erreichten Allzeithoch.
Selbst die scheinbar so robusten Einzelhandelsumsätze kontrastieren mit Umfragewerten und harten Fakten und widersprechen der amerikanischen Statistik. Ende Februar erklärten gemäß einer Umfrage von Gallup sechs von zehn Amerikanern, sie neigten eher zum Sparen als zum Konsumieren. Im Rahmen der Wirtschafts- und Finanzkrise kam es zu einer Verhaltensänderung, die sich immer weiter zu verstärken scheint.
Sparneigung der Konsumenten nimmt zu
Diese Verhaltensänderung korrespondiert mit der hohen Arbeitslosigkeit. Die Sorge über den möglichen Verlust des Jobs und große Schwierigkeiten, adäquaten Ersatz zu finden, legen eine schrumpfende Konsumneigung nahe. Das zeigt sich aber nicht in den Einzelhandelszahlen des amerikanischen Census Bureaus. Nach den von 5000 zufällig ausgewählten Einzelhandelsunternehmen bereitgestellten Daten sind die aufs Land hochgerechneten Umsätze im Januar im Vergleich zum Vormonat um 0,5 und im Vergleich zum Vorjahr sogar um 4,7 Prozent gestiegen. Das sei mehr als erwartet und somit positiv, heißt es gemeinhin.
Doch diese Entwicklung steht nicht nur im Widerspruch zu den Umfragen, sondern auch zur Entwicklung der Steuereinnahmen, der Nachfrage nach Verbraucherkrediten und der anhaltenden Schwäche des Immobilienmarkts. Diese gängigen Indikatoren sind in den vergangenen Monaten stark eingebrochen. Die Anzahl der verkauften Neubau-Einfamilienhäuser ist im Januar mit 309.999 Stück auf den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung gefallen. Das ist eigentlich ein schlechtes Zeichen, da eine Wiederbelebung des Baugeschäftes - im Gegensatz zum Umschlag gebrauchter Immobilien - entscheidend für die Erholung des Arbeitsmarktes wäre. Dafür gibt es jedoch kaum Anzeichen. In diesem Sinne stellt sich die Frage, was die Börsianer in ihrem Optimismus wirklich erwarten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.390,43 | +1,06% |
| FAZ-INDEX | 1.391,69 | +1,08% |
| TecDAX | 761,09 | +0,68% |
| MDAX | 10.370,40 | +1,05% |
| SDAX | 4.843,10 | +0,56% |
| REX | 435,43 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.164,87 | +0,79% |
| F.A.Z. EURO | 69,97 | +0,81% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.657,08 | +0,89% |
| EUR/USD | 1,2563 | +0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 107,72 $ | +0,43% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
| Bund Future | 144,11 € | −0,14% |