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Strategie Aktien: Klein ist fein

29.05.2008 ·  Aktien kleinerer Kapitalgesellschaften sind mitunter mit Volatilität und Risiken verbunden, können jedoch großes Chancenpotential besitzen. Das macht sie in den Augen spezialisierter Fondsmanager interessant für Anleger.

Von Ben Steverman
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Kleinkapitalisierte Werte können von einem Tag auf den anderen heftige Kursschwankungen aufweisen. Der Wachstumsplan einer kleinen Kapitalgesellschaft kann durch einen unfähigen Geschäftsführer, eine Rezession oder den Misserfolg eines einzigen Produkts hinfällig werden. Zudem es ist schwer, manchmal sogar unmöglich, gute objektive Analysen kleiner börsennotierter Unternehmen zu finden.

Aufgrund dieser Nachteile halten sich viele Anleger von kleinen Nebenwerten fern. Sie investieren lieber in Aktien großer und mittelgroßer Unternehmen, in der Regel in solche mit einer Marktkapitalisierung von über einer Milliarde Dollar. Größere Kapitalgesellschaften bieten den Anlegern für gewöhnlich höhere Berechenbarkeit und Sicherheit. Da Aktien größerer Unternehmen zudem im Rampenlicht der Medien und der Wall-Street-Analysten stehen, fällt es Kleinanlegern leichter, die Entwicklung dieser Unternehmen zu verfolgen.

Hinzu kommt, dass die Kreditsorgen und die Abkühlung der amerikanischen Konjunktur der sieben Jahre währenden Aufwärtsentwicklung kleinkapitalisierter Werte im vergangenen Jahr ein jähes Ende setzte. In dem am 30. April beendeten Zwölfmonatszeitraum büßte der S&P-SmallCap-600 um neun Prozent ein, während der marktbreite S&P-500 um 4,7 Prozent an Wert verlor. Allerdings überflügelten kleine Nebenwerte die Standardwerte in den zurückliegenden fünf Jahren (14,7 Prozent gegenüber 10,6 Prozent für den S&P-500) und in den vergangenen zehn Jahren (7,4 Prozent gegenüber 3,9 Prozent).

Kommen Sie rein, das Wasser ist herrlich

Einige Marktexperten sehen aktuell den perfekten Zeitpunkt für Anleger gekommen, um sich an kleinkapitalisierte Werte heranzuwagen. Während die amerikanische Wirtschaft nur ein geringes Wachstum verzeichnet, kämpfen viele Großunternehmen damit, die Gewinne des Vorjahres zu übertreffen. Für Wall-Street-Investoren steigt hierdurch die relative Attraktivität schnell wachsender kleiner Kapitalgesellschaften, die häufig von einem boomenden Markt oder einem innovativen Produkt profitieren, sagt Mary Lisanti vom Adams Harkness Small Cap Growth Fund.

Nach Angaben des Datenanbieters Capital IQ sind an den großen amerikanischen Börsen mehr als 4.500 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung unter einer Milliarde Dollar notiert. Diese breite Auswahl kann abschreckend wirken, und da Wall-Street-Analysten kleineren Unternehmen nicht selten wenig Beachtung schenken, müssen sich Anleger auf ihre eigenen Nachforschungen verlassen, um Nuggets zu finden. „Wenn man bei diesen Unternehmen tiefer schürft, kann man dafür ordentlich belohnt werden“, so Bryant Evans, Fondsmanager bei Cozad Asset Management.

Nach Ansicht von Lisanti und anderen Nebenwertefondsmanagern ist bei kleinen Aktienwerten die Suche nach dem nächsten großen Wurf schwierig. „Die perfekten kleinen Kapitalgesellschaften gibt es nicht“, sagt Lisanti. „Niemand entwickelt sich geradlinig vom Klein- zum Großunternehmen.“

Lisanti zufolge gleiche ein wachsendes Unternehmen vielmehr einem Baby, das Laufen lernt. Zunächst noch unbeholfen, haben kleinkapitalisierte Unternehmen Probleme, ihr Gleichgewicht zu halten. Hinzu kommt, dass vielversprechende Wachstumsstorys auf unvorhergesehene Hindernisse stoßen können. An einem bestimmten Punkt „bekommen sie immer Probleme“, konstatiert Lisanti.

Geschäftsmodelle leichter nachvollziehbar

Ein Vorteil kleiner Unternehmen besteht darin, dass ihre Geschäfte häufig einfacher gestrickt und damit leichter nachvollziehbar sind als jene der großen, weitverzweigten Mischkonzerne à la General Electric, sagt Steven Rogé, Berater des Rogé Partners Fund und des Rogé Select Opportunities Fund. Nach seiner Überzeugung sei es nicht schwierig, eine Aktie zu finden, die den eigenen speziellen Kriterien entspricht.

Hält man beispielsweise Ausschau nach einem Unternehmen, das ein großartiges Produkt mit langfristigem Wachstumspotential anbietet, rät Paul Sutherland vom Utopia Growth Fund zum Online-Digitalfotoentwickler Shutterfly. Lisanti favorisiert die landesweite Restaurantkette Buffalo Wild Wings. Joshua Shaskan von Transamerica Investment Management besitzt Aktien von Peet's Coffee & Tea, das nach seinen Aussagen einen „enormen Wachstumsspielraum“ bei seinen Kaffeehäusern und dem Kaffeeabsatz in Lebensmittelgeschäften aufweise.

Shaskan und seine Branchenkollegen raten bei kleinen Nebenwerten zur Geduld. „Ich versuche, als Investor und nicht als Spekulant zu agieren, indem ich [den Unternehmen] während des Wachstumsprozesses treu bleibe“, so Shaskan, der sich vornimmt, eine Aktie erst nach frühestens drei Jahren zu verkaufen. Der Handel mit einigen kleinkapitalisierten Werten kann sich aufgrund der geringeren Anzahl der am Markt verfügbaren Papiere allerdings schwieriger gestalten.

Einige Experten gehen lieber auf Nummer sicher und suchen nach günstig bewerteten Unternehmen mit guten Dividendenzahlungen. Nach mehreren Jahren mit starken Cashflows weisen sie häufig solide Bilanzen auf und versprechen verlässliche, hohe Dividenden. Rogé favorisiert United-Guardian, einen Hersteller von Inhaltsstoffen u. a. für die Kosmetik- und Pharmabranche. Das im Jahr 1942 gegründete Unternehmen glänzt aktuell mit einer Dividendenrendite von 4,8 Prozent.

Langsames, aber stetiges Wachstum

Viele kleine Kapitalgesellschaften können auf eine lange Erfolgsgeschichte zurückblicken, weisen jedoch geringere Wachstumsraten auf. Häufig haben sie keine Chance, „das nächste große Ding“ zu werden, weil sie in langsam wachsenden, kleinen Nischenmärkten tätig sind. Diese „etablierte Unternehmen können jedoch hinreichend zuverlässig bewertet werden“, sagt Eric Cinnamond vom Intrepid Small Cap Fund.

Vor einer Investition in kleine Nebenwerte raten Marktexperten jedoch, sich ein genaues Bild vom Führungsteam zu machen. Ein weithin bekanntes und breit aufgestelltes Großunternehmen könnte sich vielleicht auch mit einem unfähigen Konzernchef gut behaupten, während ein kleines Unternehmens sehr viel stärker unter einem inkompetenten Management leidet. Sutherland konzentriert sich außerdem auf die Bewertung. „Der Preis ist wichtig“, sagt er. „Wir haben Hunderte von Lieblingsunternehmen, greifen allerdings erst dann zu, wenn der Preis stimmt.“

Denken Sie daran, dass kleinkapitalisierte Werte häufig volatil sind und zusätzliche eigene Nachforschungen erforderlich machen. Das eine oder andere kleine börsennotierte Unternehmen bieten jedoch gute Erträge für Hartgesottene und kühle Rechner. Eine von Fondsmanagern empfohlene Auswahl kleiner Nebenwerte finden Sie in Form der Charts.

Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: BusinessWeek
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