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Freitag, 17. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Steigendes Risiko An den Börsen in Osteuropa wird das Geldverdienen schwieriger

17.12.2007 ·  In den vergangenen Jahren war es relativ leicht, an den Aktienmärkten in Osteuropa Gewinne einzufahren. Doch höhere Bewertungen und gestiegene volkswirtschaftliche Risiken haben das Chance-Risiko-Verhältnis verschlechtert.

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Im Zuge der Kreditkrise sind zuletzt auch die Börsen in Osteuropa aus der Erfolgsspur geraten. Kaum einer der dortigen Aktienmärkte konnte zwischenzeitlichen Korrekturen entgehen. In der Spitze summierten sich die Verluste wie im Falle des serbischen Belex-15-Index auf mehr als 23 Prozent. Selbst Slowenien als bester Markt muss noch einen Abschlag von gut vier Prozent hinnehmen.

Die Korrektur war zwischenzeitlich so scharf ausgefallen, dass erste Indizes, wie etwa der ungarische Bux, sogar verglichen mit dem Jahresanfang auf Euro-Basis auf Verlusten saßen. Das ist schon bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie stark die Kurse im Jahresverlauf phasenweise schon im Plus lagen. Auch im Vergleich mit anderen Schwellenländerregionen fällt die Bilanz derzeit eher dürftig aus. In den vergangenen zwölf Monaten steht für den MSCI Osteuropa zwar noch immer ein Plus von 15,6 Prozent zu Buche. Gemessen am MSCI Asien, der gleichzeitig um gut 33 Prozent zulegte und dem MSCI Lateinamerika, der fast 39 Prozent gewonnen hat, ist das bescheiden.

Bisher wurden Kurskorrekturen immer wieder ausgebügelt

Erstaunlich ist das Ausmaß der jüngsten Kursverluste auch deshalb, weil viele Experten lange Zeit immer wieder betont haben, dass die osteuropäischen Volkswirtschaften durch die von Amerika ausgehende Kreditkrise nicht zu sehr negativ beeinflusst werden dürften. Mittlerweile melden sich zwar erste Stimmen zu Wort, die deswegen auch in Osteuropa im kommenden Jahr konjunkturelle Bremsspuren erwarten. Aber nach wie vor überwiegt der Optimismus. So rechnet beispielsweise das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsforschung für die zehn osteuropäischen EU-Staaten für 2007 im Schnitt mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt von sechs Prozent nach 6,5 Prozent im Vorjahr und für 2008 mit einem Plus von 5,5 Prozent.

Stimmt diese Prognose, haben einige Börsen sicherlich eine Chance, die zwischenzeitlich erlittenen Kurseinbußen mittelfristig wieder aufzuholen. Zur Erinnerung: In den vergangenen beiden Jahren hat die Märkte schon so manche Korrektur ereilt, die letztlich in Form neuer Kursrekorde sogar wieder mehr als nur ausgebügelt wurde. Auch dieses Mal ist eine komplette Trendwende nach oben nicht völlig ausgeschlossen. Und weil die Hausse der vergangenen Jahre bei einem Verlauf nach dem typischen traditionellen Muster eines Bullenmarktes noch eine letzte Phase vor sich haben würde, erscheint dieses Szenario nicht ausgeschlossen.

Volkswirtschaftliche Ungleichgewichte machen ebenso Sorgen...

Nicht übersehen werden dürfen aber auch die Hindernisse, die bei diesem Versuch im Wege stehen. Zu nennen sind dabei verschiedene hausgemachte Probleme. So stöhnen die Volkswirtschaften im Baltikum und in den jüngsten EU-Mitgliedstaaten Bulgarien und Rumänien unter konjunkturellen Überhitzungsgefahren. Druck geht hier unter anderen von hohen Leistungsbilanzdefiziten und steigenden Inflationsraten aus. Teilweise ist wegen diesen Rahmenbedingungen schon von Währungsabwertungsgefahren die Rede.

Lange Zeit wurden die mit den bestehenden volkswirtschaftlichen Ungleichgewichten verbundenen Gefahren wegen der tollen Wachstumsraten vernachlässigt. Doch das hat sich mit der erhöhten Risikoaversion der Anleger geändert. Wie kritisch die Lage ist, zeigt sich auch an einer der angehängten Grafiken. Denn daraus lässt sich ablesen, dass Osteuropa bei vielen volkswirtschaftlichen Kennzahlen schlechter abschneidet als Asien im Jahr 1996. Und da kam es damals auch dadurch bedingt zu einer handfesten Krise.

... wie zunehmende politische Spannungen

Auch politisch gibt es in der Region zunehmende Sorgen. Bemerkbar machen sich diese in den ehemaligen jugoslawischen Staaten. Die noch immer ungelöste Frage des künftigen Kosovo-Status lässt teilweise schon Ängste vor neuen gewalttätigen Auseinandersetzungen aufkeimen. Und wenn man bei solchen Bedenken als Anleger bei Aktien mit optisch hohen Bewertungen auch noch auf stolzen Kursgewinnen sitzt, dann ist der Schritt hin zu Gewinnmitnahmen oft verständlicherweise nicht weit.

Die aufgezählten Probleme werden die Märkte so lange belasten, bis sie gelöst sind, was sich im Einzelfall durchaus noch hinziehen kann. Außerdem ist wegen der genannten Schwierigkeiten davon auszugehen, dass die Performance nicht mehr so üppig ausfallen wird wie in den Vorjahren. Nachhaltig neu positionieren sollten sich Anleger deshalb erst dann wieder, wenn die negativen Nachrichten abebben und vor allem die angeschlagenen Charts eine nachhaltige Bodenbildung erkennen lassen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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