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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Steigende Kurse: Anlagenotstand stützt deutschen Aktienmarkt

 ·  Trotz eingetrübter Konjunktur und Angst um den Euro steigen in Deutschland die Aktienkurse. Es fehlen ganz einfach die Alternativen, sagen die Marktteilnehmer.

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© Setzer, Claus Bulle oder Bär? Momentan gewinnt der Bulle

Viele Konjunkturzahlen trüben sich ein, Anlegerumfragen signalisieren tendenziell eine äußerst schlechte Stimmung - die Aktienkurse deutscher Unternehmen steigen. Der deutsche Standardwerteindex Dax hat sich von weniger als 6000 Punkten Anfang Juni in mehreren Schüben wieder dem Niveau von 7000 Punkten angenähert, das er im Frühjahr bereits übertroffen hatte. Der marktbreite, hundert Wert umfassende F.A.Z.-Index steht kurz vor der Marke von 1500 Punkten. Auch das ist - seit Juni - ein Anstieg von umgerechnet etwa 15 Prozent. Dass die Aktienkurse deutscher Unternehmen in diesem Tempo in der nächsten Zeit weiter klettern, halten professionelle Marktbeobachter eher für wenig wahrscheinlich. „Nach der beeindruckenden Aufholjagd der vergangen Wochen ist durchaus mit einer Verschnaufpause zu rechnen“, sagt Markus Reinwand, Aktienstratege der Helaba.

Als Grund für die jüngste Kursrallye nennen Marktteilnehmer häufig das Thema Anlagenotstand. Dahinter verbirgt sich, dass zum Beispiel als ausfallsicher geltende festverzinsliche Wertpapiere wie etwa deutsche oder amerikanische Staatsanleihen mittlerweile so teuer sind, dass ihre Verzinsung nicht einmal die mäßigen Teuerungsraten kompensiert. „Die Anlageklasse Aktien ist historisch und im Vergleich mit anderen Anlagen günstig bewertet; das führt zusammen mit dem herrschenden Anlagenotstand immer mehr Investoren in den Aktienmarkt und schlussendlich auch zu der gerade laufenden Rally auf dem deutschen Aktienmarkt“, sagt Tim Albrecht, Portfoliomanager der zur Deutschen Bank gehörenden Fondsgesellschaft DWS.

Weltweite Präsenz deutscher Unternehmen

Dabei sind es nicht nur institutionelle Investoren, sondern offenbar auch immer mehr deutsche Privatanleger, die sich engagieren, wie aus aktuellen Zahlen des Deutschen Aktieninstituts hervorgeht (F.A.Z. vom 8. August). Auch deutsche Vermögensverwalter raten momentan zu vergleichsweise hohen Aktienquoten, da Aktien Anteile an Unternehmen verbriefen und als Sachwertanlage einen gewissen Schutz bieten, sollten die Teuerungsraten zulegen. DWS-Fondsmanager Albrecht nennt schließlich die erwarteten Dividendenzahlungen, die für die im Dax notierten Unternehmen derzeit - bezogen auf die aktuellen Börsenkurse - Renditen von durchschnittlich 3 bis 4 Prozent bedeuten.

Dass der deutsche Aktienmarkt die übrigen europäischen Aktienmärkte, aber auch den amerikanischen Markt in diesem Jahr bisher ausgestochen hat, wird vielfach mit der weltweiten Präsenz deutscher Unternehmen begründet. Auch kleinere börsennotierte deutsche Unternehmen verdienen viel Geld in Regionen mit jüngeren Bevölkerungen und höheren Wirtschaftswachstumsraten als das in einer Konjunkturflaute steckende Europa. Wichtige Positionen in Albrechts Portfolio sind der Chemiekonzern BASF, der IT-Anbieter SAP, der Versicherer Allianz und der Industriekonzern Siemens.

Natürlich bleibt für die weitere Kursentwicklung auch der Fortgang der Euro-Krise entscheidend. Im vergangenen Sommer brachen die Aktienkurse plötzlich ein - offenbar aus Unsicherheit über den Fortbestand der Währungsunion. Wenig Sorgen bestehen indessen darüber, dass Aktien aus fundamentalen Gründen, also den dahinterstehenden Unternehmenbilanzen und erzielten Gewinnen, teuer sein könnten. „Die moderate Bewertung sowie der Mangel an Anlagealternativen sprechen für weiteres Kurspotenzial“, sagt Helaba-Stratege Reinwand. „Rein bewertungsseitig wäre - auch wenn das in Zeiten eher politisch getriebener Börsen kaum noch jemand hören kann - der Dax zwischen 7500 und 8000 Punkten anzusiedeln“, sagt DWS-Fondsmanager Albrecht.

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Jahrgang 1982, Redakteur in der Wirtschaft.

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