Eine Verzehnfachung des Vorsteuergewinns im ersten Quartal vermeldete am Freitag der Stahl- und Röhrenhersteller Salzgitter AG und übertraf damit die Erwartungen deutlich. Die Kapitalrendite stieg von 9,3 auf 56,5 Prozent, der Nachsteuergewinn um mehr als das Achtfache. Vor allem aber hat das Unternehmen die Prognose für das Gesamtjahr erhöht und will das Rekordergebnis des Vorjahres noch überbieten.
Das mag zunächst mutig erscheinen, da der Stahlbranche und der Salzgitter AG kurzfristig Belastungen ins Haus stehen. Da ist zum einen der vereinbarte Tarifvertrag, der ab September Lohnerhöhungen von 3,5 Prozent vorsieht. Der gilt zwar zunächst nur für einen Teil der Beschäftigten des Unternehmens, doch ist zu erwarten, daß er durch ähnliche Abschlüsse Ausweitung auf den Rest der Belegschaft findet.
Stahlkonjunktur boomt trotz Auftragsrückgang
Zum anderen verzeichnet der Konzern derzeit einen Auftragsrückgang. Allerdings geht nicht nur Salzgitter, sondern auch die Wirtschaftsvereinigung Stahl davon aus, daß es sich dabei nur um eine kleine Auftragsdelle aufgrund hoher Lagerbestände handelt. Sogar der in diesem Jahr beständig fallende ifo-Geschäftsklima-Index zeigt sich für die Stahlbranche viel heller: 88 Prozent der Befragten aus der Stahlbranche beurteilen die Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten als gleichbleibend gut. Bereits im Laufe des zweiten Quartals sollen die Auftragseingänge wieder anziehen. Und auf dem Rohrmarkt, der bei der Salzgitter AG rund ein Fünftel des Umsatzes ausmacht, hat es erst gar keine Delle gegeben. Das Unternehmen verzeichnet wachsende Auftragseingänge und profitiert von den hohen Preisen für Öl und Gas. Denn mit der Ausweitung der Förderungskapazitäten wächst der Bedarf an Ölfeldrohren.
Risiken kommen auf der Nachfrageseite aus dem Baugewerbe, dessen Entwicklung weiter negativ ist. Auch von der die Rohstoffseite her hält der Kostendruck an - eine Folge der guten Nachfrage. Doch solange der Stahlboom in anderen Bereichen anhält, werden solche Herausforderungen gerne angenommen und bereiten zur Zeit keine ernsthaften Sorgen. Auch nicht den Analysten, die ihre Kursziele und Gewinnschätzungen reihenweise angehoben haben.
Aktie wartet auf den Impuls
Basierend auf den neuen Zahlen ist die Salzgitter-Aktie inzwischen fast spottbillig zu nennen. So rechnet etwa die Landesbank Rheinland-Pfalz für 2005 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von nur 2,2. Dagegen erscheinen ThyssenKrupp mit einem KGV von 7,1 oder der französisches Arcelor-Konzern mit einem KGV von 4,1 fast schon teuer.
Charttechnisch befindet sich die Aktie, die am Freitag mit einem Kursplus von rund vier Prozent reagierte und am Dienstag etwas nachgibt, derzeit an einem spannenden Punkt. Wenn es ihr gelingt, den durch das Allzeithoch bei 17,66 Euro zu überwinden, ist der Weg nach oben frei. Die Basis für einen guten Lauf ist da - jetzt braucht es aber noch einen Impuls, der ihr den nötigen Anschub verleiht. Der könnte vielleicht schon bald durch die Ankündigung eines Zukaufs kommen. Laut Aussage von Salzgitter-Chef Leese „bereitet sich das Unternehmen auf Akquisitionen vor“. Barmittel sind bereits vorhanden - so wird der Verkauf der Beteiligung am Joint-Venture Vallourec & Mannesmann durch die Tochter Mannesmannröhren-Werke, der derzeit nur noch der Genehmigung durch die europäischen Kartellbehörden harrt, 545 Millionen Euro einbringen.