Es wird meist Vokabular aus der Sportsprache strapaziert, wenn es um Nike, Adidas und Puma geht, wie das Siegertreppchen. Dort steht dieser Tage Adidas ganz oben. Der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach hat gerade das oberste Podest betreten, obwohl Marktführer Nike aus den Vereinigten Staaten den Deutschen zum Beispiel in Größe und Ertragskraft voraus sind. Am Dienstag aber ist Adidas ein neues Allzeithoch gelungen: 61,29 Euro, so viel war die Aktie noch nie wert.
Die Aktien aller drei Unternehmen haben seit Jahresbeginn einen guten Lauf gehabt. Mit dem jüngsten Kursrekord hat Adidas 16 Prozent an Wert gewonnen. Im Vergleich dazu entwickelten sich Nike mit plus 12 Prozent etwas schwächer. Doch gelten die Titel des Marktführers ohnehin schon als recht hoch bewertet. Adidas wird indes Aufholpotential eingeräumt. Dessen in Herzogenaurach benachbarter, deutlich kleinere Rivale Puma schaffte in den zurückliegenden drei Monaten gar ein Kursplus von 17 Prozent.
Enger Markt unterstützt steigenden Kurstrend
Dies ist jedoch vor allem vor dem Hintergrund der Aktionärsstruktur zu sehen. Puma ist zu 79 Prozent im Besitz des französischen Luxuskonzerns PPR. Vor etwas mehr als einem halben Jahr erreichte dessen Anteil noch 75 Prozent. Damit ist der Streubesitz im Gegensatz zu Nike und Adidas klein. Und er wird immer kleiner. Die Franzosen kaufen Puma-Titel über den Markt auf, um ihre Position zu stärken und - darüber wird seit langem spekuliert - das fränkische Unternehmen irgendwann einmal von der Börse zu nehmen. Das kann zwar noch dauern. Doch der engere Markt unterstützt den steigenden Kurstrend.
Von Krise ist in der Sportbranche keine Rede; selbst nicht in Zeiten, als Mitte vergangenen Jahres die Ängste um den Euro und die Staatsschulden größer wurden. Aber genau darin mag ein Grund liegen, dass diese Konsumwerte so gut laufen. Immer mehr Menschen leben gesünder, treiben Sport, wollen fit bleiben und sich vom trüben Alltag ablenken. Mehr als in anderen Konsumbereichen dauert das Kaufinteresse für Sportartikel an, verzeichnen Nike&Co. hohe Zuwachsraten in Umsätzen und Ergebnissen mit Rekordwerten. Schon in der Krise 2009 litten diese Unternehmen weniger als die Gesellschaften anderer Branchen.
Die Börse scheint schon die großen Sportereignisse des Jahres - Fußball-Europameisterschaft im Juni und die Olympischen Sommerspiele im August - vorwegzunehmen und hofft auf weitere Impulse. Laut Bloomberg haben im zurückliegenden Jahr 24 Analysten den Kauf der Adidas-Aktie empfohlen, neun das Halten und fünf den Verkauf. Ähnlich sieht es für Nike aus. Hier waren es 16 Kaufempfehlungen, sechsmal gab es ein Halten und einmal ein Verkaufen. Der Sondersituation von Puma ist es wohl geschuldet, dass diese Titel nur von zehn Analysten zum Kauf empfohlen wurden, zum Halten rieten 13 und zum Verkauf sieben Experten.
In der optimistischen Einschätzung schlägt sich aus heutiger Sicht die Hoffnung nieder, dass die Unternehmen dank des erhofften Zusatzgeschäftes durch die Fußball-EM ihre bislang als vorsichtig eingestuften Prognosen nach oben korrigieren werden. Ob sich deshalb die Kursrally fortsetzt, bleibt zu bezweifeln. Sagt etwa Constantin Rohrbach von der Nord LBS: „Adidas wird mit Hilfe der Großereignisse des Weltsports die detaillierte Prognose 2012 erreichen. Allerdings dürfte der rasante Kursanstieg seit Jahresbeginn die daraus resultierenden Effekte schon vorweggenommen haben.“ Rohrbach gehört zu denjenigen, die ein Halten der Adidas-Aktie empfehlen.