Einen ziemlich großer Schrecken dürften den Adidas-Aktionäre am Donnerstag morgen beim Blick auf die Handelseröffnung in die Glieder gefahren sein. Die Aktie brach um elf Prozent auf 36,49 Euro ein. Mittlerweile hat es sich der Markt etwas beruhigt und das Minus beträgt „nur noch“ 6,8 Prozent.
Was den Anlegern an den am Donnerstag vorgelegten Zahlen für das dritte Quartal des Jahres so mißfiel, ist die Tatsache, daß Adidas für die Neupositionierung der amerikanischen Marke Reebok mehr Geld als geplant in die Hand nehmen muß, weil ihr jüngster Zukauf sich schwächer entwickelt als ursprünglich erwartet. Deswegen mußte das Unternehmen seine Gewinnerwartungen für 2007 reduzieren.
Adidas wächst und Reebok schrumpft
Die Kluft zwischen den alten Adidas-Marken und Reebok scheint groß zu sein. Für Adidas und TaylorMade-Adidas Golf sagt Adidas jetzt für das laufende Jahr einen Umsatzzuwachs von etwa zwölf Prozent voraus - das ist etwas mehr als die bisherige Prognose von zehn bis zwölf Prozent. Reebok selbst soll beim Gesamtjahresumsatz aber nach wie vor im mittleren einstelligen Prozentbereich nachlassen.
Der Auftragsbestand per Ende September, der eine Indikation auf die Umsätze in den kommenden beiden Quartalen gibt, verspricht keine schnelle Besserung. Hier liegt Reebok in Euro um 16 Prozent und währungsbereinigt um 14 Prozent unter dem Vorjahreswert. Zwar schnitt Reebok besser ab als vor drei Monaten, als der Auftragsbestand währungsbereinigt um 16 Prozent und in Euro um 19 Prozent unter dem des Vorjahres lag. Analysten hatten im Vorfeld gleichwohl eine deutlichere Verlangsamung des Reebok-Abwärtstrends erwartet.
Der Auftragsbestand der Marke Adidas liegen indes währungsbereinigt um drei Prozent über und in Euro unverändert über dem Vorjahr. Insbesondere in Europa ist aber ein deutlicher Rückgang um in Euro gerechnet acht Prozent zu verzeichnen. Zu berücksichtigen sei aber, daß sich im Vorjahreszeitraum bereits der WM-Effekt bemerkbar gemacht hatte.
Drittes Quartal besser als erwartet
Im dritten Quartal hat Adidas AG allerdings die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der Umsatz stieg um 53,5 Prozent auf 2,95 Milliarden Euro nach 1,92 Milliarden Euro. Dies war indes noch dem WM-Effekt geschuldet. Durch die Einbeziehung von Reebok und aufgrund von Währungseffekten von etwa zwölf Prozent werde der Umsatz zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens die Zehn-Milliarden-Euro-Marke erreichen.
Die Erlöse halfen auch dem Ergebnis. Nach Steuern und Minderheiten belief es sich 244 Millionen Euro, gegenüber 215 Millionen Euro im Vorjahresquartal ein Plus von 13,3 Prozent. Das operative Ergebnis stieg um 30 Prozent auf 409 Millionen Euro nach 315 Millionen Euro. Die zehn im Vorfeld von Dow Jones Newswires befragten Analysten waren im Schnitt von einem Umsatz von 2,88 Milliarden Euro, einem operativen Ergebnis von 393 Millionen Euro und einem Nachsteuerergebnis aus fortgeführter Geschäftstätigkeit von 232 Millionen Euro ausgegangen.
Die Reebook-Akquistion drückte auch die Margen. Die Rohertragsmarge ging im dritten Quartal auf 45,0 Prozent nach 48,5 Prozent zurück. Das Reebook-Geschäft konzentriert sich auf die Vereinigten Staaten, wo die Margen geringer ausfallen als in den übrigen Regionen. Die Ebit-Marge sank im dritten Quartal um fast vier Prozentpunkte auf 12,2 Prozent, in den ersten neun Monaten betrug sie 10,6 Prozent nach 13,1 Prozent im Vorjahr. Hier wirkten sich insbesondere die WM-Aufwendungen aus.
Reebok-Übernahme von Anfang an weniger populär
2007 will der Sportartikelhersteller Gewinn des laufenden Jahres um 15 Prozent übertreffen. Ursprünglich hätten es einmal 20 Prozent sein sollen. Adidas hält an seiner Konzernergebnis-Prognose für 2006 indes fest. Das Nachsteuerergebnis nach Minderheiten soll weiterhin zweistellig auf annähernd 500 Millionen von 383 Millionen Euro im Vorjahr wachsen.
Adidas-Chef Herbert Hainer war um Schadensbegrenzung bemüht. „Wir haben bei der Integration von Reebok in unsere Gruppe wesentliche Fortschritte gemacht, so daß Reebok heute deutlich besser aufgestellt ist als zur Zeit der Akquisition Ende Januar“. Um die Marktposition von Reebok mittel- und langfristig zu stärken, werde im nächsten Jahr unter anderem für Werbung und Produktentwicklung mehr Geld ausgegeben.
Die Tatsache, daß die negativen Nachrichten den Adidas-Kurs so heftig belasten, liegt zum einen an der traditionell höheren Volatilität des Dax-Leichtgewichts. Zum anderen aber kam die Übernahme schon seinerzeit nicht gut an. Auf die Nachricht von der Übernahme reagierte die Aktie seinerzeit zunächst mit Kursverlusten von bis zu vier Prozent. Später, als Adidas Befürchtungen zerstreuen konnte, drehte das Papier deutlich ins Plus und verbuchte einen Kursgewinn von 6,6 Prozent.
Seitwärtstrend dürfte sich durchsetzen
Der Wettbewerber sei vergleichsweise teuer hieß es schon damals, die Übernahmeprämie sei hoch. Außerdem liefen einige Unternehmensbereiche wie die Handelskette Foot Locker schon damals nicht besonders gut. Damals hieß es aus Herzogenaurach, es gebe keine hohen Integrationskosten, aber Synergieeffekte in Höhe von 125 Millionen Dollar. Letztere wurden am Donnerstag mit 175 Millionen Euro ab 2009 noch einmal höher beziffert.
Ob Adidas aber damit die Stimmung bei den Anlegern wird drehen könne, ist fraglich. Schon das Kapitel Salomon stieß nicht bei allen auf ungeteilte Zustimmung und bei Reebok war es, wie gesagt, ähnlich.
Nach dem Kurssturz ist die Adidas-Aktie mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das laufende Jahr bei einem Wert von etwas über 15 wieder vergleichsweise vernünftig bewertet und preiswerter als Puma oder Nike. Dank des Kurssturzes klingt auch ein 2007er KGV zwischen 13 und 14 recht vernünftig - wenn Reebok nicht am Ende zu einem Faß ohne Boden wird.
Indes hat der heutige Kurssturz den kurzfristigen Aufwärtstrend glatt durchschlagen und gefährdet auch den mittel- und langfristigen Trend. Beide waren aber schon ohnedies nicht unbedingt positiv. Im Gegenteil geht der langfristige Trend eher seitwärts. Die Aktie könnte daher in den kommenden Wochen bis an die Unterstützungslinie bei 35 Euro heranlaufen. Es steht aber nicht zu erwarten, daß diese durchbrochen wird.
Andererseits ist kaum davon auszugehen, daß sie in nächster Zeit das am Dienstag erreichte Drei-Monats-Hoch von 41,39 Euro wird wieder erreichen können. Damit dürfte sich der langfristige Seitwärtstrend durchsetzen und diese Tendenz fürs Erste einmal anhalten.