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Sport Lazio Rom bestätigt die Vorbehalte gegen Fußball-Aktien

17.06.2004 ·  Viele Fußball-Clubs werden noch immer nicht nach wirtschaftlichen Kriterien geführt und eignen sich daher kaum zur Geldanlage. Diese These findet jetzt mit den Vorgängen um Lazio Rom wieder einmal eine Bestätigung.

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Ein Eigentor nach dem anderen schießt momentan der italienische Fußball-Club Lazio Rom. Der Verein, bei dem Topstürmer Simone Inzaghi spielt, steht finanziell vor dem Abgrund. Wie schlecht es um den Traditionsverein bestellt ist, läßt sich auch ohne Blick in die Bilanzen schnell an der Entwicklung des Aktienkurses erkennen. Denn der fristet ein Dasein als Penny-Stock und hat am Mittwoch noch einmal drastisch an Wert verloren.

Die Meldung über eine gescheiterte Kapitalerhöhung schickte die Notiz um knapp 30 Prozent auf nur noch 0,68 Cent in den Keller. Die Kursreaktion ist deshalb so drastisch ausgefallen, weil Lazio Rom, woran übrigens Puma Anteile hält, dringend auf neue finanzielle Mittel angewiesen ist.

Geplante Kapitalerhöhung gescheitert

Aber offenbar haben inzwischen selbst die so fußballverrückten Italiener begriffen, daß es sich bei Clubs wie Lazio um ein Faß ohne Boden handelt. Von den jetzt zur Zeichnung ausgeschrieben gewesenen neuen Aktien im Wert von 188 Millionen Euro wurden jedenfalls nicht einmal zehn Prozent gezeichnet. Auch ein Appell an die Fans zur Solidarität verpuffte somit wirkungslos.

Nach dieser Niederlage wird die Zeit für den Vorstand knapp. Denn bis 30. Juni müssen unbedingt 63 Millionen Euro aufgetrieben werden, da Lazio sonst keine Lizenz für die kommende Saison erhalten würde und einen Zwangsabstieg in die Serie B hinnehmen müßte. Im Grunde genommen bleibt in dieser Situation eigentlich nur die Hoffnung auf einen Großaktionär. Aber das Herz potenzieller Investoren, wie etwa das einiger Oligarchen aus Rußland, scheint momentan eher für den englischen Fußball zu schlagen.

Anleger die doch noch auf eine Rettung wetten wollen, sollten beachten, daß der Club auch jetzt noch mit 144 Millionen Euro, und somit gemessen am Zustand des Vereins viel zu hoch an der Börse bewertet wird. Doch das Fazit, Archiv: Fußballaktien: Nur für Fans, das wir an dieser Stelle bereits vor drei Jahren gezogenen haben, hat nicht nur mit Blick auf Lazio nichts von seiner Richtigkeit eingebüßt.

Credit Suisse gibt sich in einer Studie zurückhaltend

Zu diesem Schluß kommen übrigens anläßlich der Fußball-Europameisterschaft auch die Analysten bei der Schweizerischen Großbank Credit Suisse. Ausdrücklich weisen sie trotz aller Euphorie um das runde Leder in einer Studie darauf hin, daß „Fußball-Aktien nichts für Witwen und Waisen" sind und selbst wenn Vernunft in die Führungsetagen der Vereine Einzug halten sollte, „ein Gesundungsprozeß wird wohl einige Zeit in Anspruch nehmen würde.“

Wie immer gibt es natürlich auch hier Ausnahmen von dieser Regel, wie etwa das positive Beispiel Manchester United zeigt. Doch gut geführte Vereine sind eben leider noch immer eine Seltenheit. Das gilt selbst für den deutschen Spitzen-Fußball, obwohl der im internationalen Vergleich finanziell noch vergleichsweise solide dasteht. Aber die Anteilsscheine von Borussia Dortmund, dem einzigen hierzulande börsennotierten Club, notieren bekanntlich ebenfalls sehr deutlich unter ihrem Ausgabekurs und die finanziellen Schwierigkeiten des Clubs dürften einen baldigen Aufstieg des Titels bis auf weiteres verhindern.

Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von Lazio Rom.

Text: Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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