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Spielwiese für Anlagebetrüger Deutsche Börse schließt First Quotation Board

Am Freitag endet die Zeit des First Quotation Board, in dem viele Unternehmen ohne Geschäftsmodell gelistet sind und Anleger mit überzogenen Versprechungen lockten.

© Schmitt, Felix Vergrößern Attacke: Unternehmen, die Transparenz scheuen, müssen die Frankfurter Wertpapierbörse verlassen

Die Deutsche Börse schließt am Freitag ihr Marktsegment First Quotation Board (FQB). Die gut 300 dort notierten Unternehmen müssen in ein Segment mit höherem Transparenzstandard wechseln oder die Frankfurter Wertpapierbörse verlassen. Noch ist unklar, wie viele Unternehmen der Börse erhalten bleiben. Anlass für die Reform ist die hohe Zahl an Betrugsfällen im FQB.

Daniel Mohr Folgen:  

Für eine Börsenzulassung dort ist nichts weiter nötig als die Entrichtung einer Zulassungsgebühr zum Handel von 750 Euro und anschließend eine Listinggebühr von 2500 Euro im Jahr. Diese geringen Transparenzanforderungen haben sich einige Anlagebetrüger zunutze gemacht und Unternehmen ohne Geschäftsmodell listen lassen, deren einziger Zweck es ist, Anleger in diese Aktien zu locken und aus daraus resultierenden Kursgewinnen Kapital zu schlagen.

“Wir wollen mit der Schließung dieses Segments Schaden vom Börsenplatz Frankfurt abwenden“, sagt Alexander Höptner, Leiter des Primärmarktgeschäfts der Deutschen Börse. „Wir verlieren dadurch zwar in geringem Maße Handelsumsätze, dies dient jedoch letztlich dem Anlegerschutz und der Reputation des Finanzstandorts Frankfurt.“

Regeln mehrfach verschärft

Die Börse hatte zuletzt mehrfach die Regeln des FQB verschärft, und in der Folge haben mehr als 100 Unternehmen die Börse verlassen. Die Fälle, in denen zumindest dringender Betrugsverdacht besteht, hörten jedoch nicht auf. „Wir sorgen nun dafür, dass der Antragsteller auf die Einbeziehung in den Handel immer auch für die Einhaltung von Nachfolgepflichten wie zum Beispiel der aktiven Anzeige des Geschäftsberichts verantwortlich ist“, sagt Höptner.

Viele Unternehmen wechseln nun in das bisherige Second Quotation Board, das ab Montag in Quotation Board umbenannt wird. Hierfür müssen die Unternehmen eine Notierung an einer anderen regulierten Börse nachweisen und deren Anforderungen erfüllen. Die Börse hat eine Liste von 82 möglichen Handelsplätzen erstellt. Hier muss künftig der Nachweis einer kontinuierlichen Notierung an dem anderen Handelsplatz erbracht werden, um zu verhindern, dass Unternehmen sich irgendwo für einen Tag listen lassen, um in das Second Quotation Board zu gelangen. In diesem Marktbereich sind mehr als 10 000 Aktien notiert, meist Auslandsaktien, darunter Werte wie Google oder Apple.

Eine Notierung in einem Segment der Deutschen Börse ist für viele Anlagebetrüger eine wichtige Voraussetzung für ihr Vorgehen. „Viele unserer Mandanten hätten ihr Geld nicht investiert, wenn es nicht über ihre gut bekannte Filialbank an der Deutschen Börse investiert worden wäre“, sagt Louis Rönsberg, Fachanwalt für Kapitalmarktrecht in München.

Schaden von 100 Millionen Euro

Er vertritt gut 20 Anleger, die am FQB rund vier Millionen Euro verloren haben. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs, ich hatte Hunderte Anfragen, und der Schaden dürfte sich wahrscheinlich auf mehr als 100 Millionen Euro belaufen“, sagt Rönsberg. „Ich will ihnen aber keine allzu großen Hoffnungen machen. Der Zugriff auf die Vermögenswerte der Betrüger ist äußerst schwierig.“

Die meisten der Fälle von Rönsberg haben eine enge Beziehung zum Balkan. Dort wurden Callcenter mit 90 akzentfrei deutsch sprechenden Mitarbeitern aufgebaut, die keine andere Aufgabe hatten, als deutsche Selbständige anzurufen und für Aktien aus dem FQB zu werben. Hierfür wurden entweder selbst Scheinfirmen an die Börse gebracht oder kleinere, bereits börsennotierte Unternehmen verwendet.

Die Betrüger haben sich dort eingekauft und mit dem Verweis auf den dadurch ausgelösten Kursanstieg eine Mär von möglichen Übernahmen, Ölfunden oder außergewöhnlichen Entwicklungen im Bereich der erneuerbaren Energien erzählt, die zu weiteren Kursanstiegen führen würden. „Viele Kunden haben sich irgendwann bereit erklärt, ein paar tausend Euro zu investieren“, sagt Rönsberg.

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„Dadurch stieg der Wert dieser Pennystocks und löste weitere Begehrlichkeiten der Anleger aus, begleitet von entsprechenden Werbeanrufen aus Serbien.“ Irgendwann stiegen die Betrüger dann wieder aus, der Kurs fiel ins Bodenlose zurück, und die deutschen Privatanleger verloren Engagements von gelegentlich mehr als 1 Million Euro.

Mittlerweile sind in Serbien mehr als 90 Verdächtige verhaftet worden. Die Zahl der Betrugsnetzwerke, bei denen mit gefälschtem Briefpapier der Eindruck erweckt wird, es handele sich um seriöse Finanzfirmen aus London, reicht jedoch auch bis Südostasien. Durch die strengere Regulierung der Börse dürfte das Geschäft der Betrüger nun deutlich erschwert werden.

Quelle: F.A.Z.

 
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