Home
http://www.faz.net/-gv7-6za24
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Spanische Aktien Unbeliebt und günstig

 ·  Obwohl die neuen Anleiheauktionen gelingen, fürchten viele Anleger eine größere Krise Spaniens. Das lässt den Aktienmarkt auf rekordnahe Tiefstände sinken.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Der spanische Aktienmarkt gehört zu den Schlusslichtern in Europa. Kaum eine Aktiengruppe ist so günstig und dennoch so unbeliebt und wenig in Portfolien vertreten wie die Werte des Madrider Aktienindex Ibex 35. Anleger engagieren sich sogar mehr auf dem italienischen Aktienmarkt. Zu riskant erscheint ihnen die fiskalpolitische und volkswirtschaftliche Entwicklung Spaniens. Daran ändert auch nichts, dass das Land am Donnerstag problemlos neue zwei- und zehnjährige Anleihen zu Renditen von 3,46 und 5,74 Prozent plazieren konnte.

Anleger, die durchaus erkennen, wie günstig spanische Aktien im Schnitt bewertet sind, scheuen sich aufgrund der Zwickmühle, in der Spanien steckt: Die neue Regierung muss die internationalen Investoren davon überzeugen, dass sie Reformen nicht nur verkünden, sondern auch umsetzen kann. Gleichzeitig warnen zahlreiche Analysten, die Vorgabe, das Haushaltsdefizit bis 2013 auf 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu drosseln, sei zu harsch. Sie fürchten, dass Spanien das Ziel verfehlen wird und dann gedrängt werden könnte, noch härter zu sparen - was die Rezession des Landes verschlimmern werde. Marktbeobachter der Deutschen Bank äußern, Spanien solle sich mit einem Haushaltsdefizit von 3 Prozent im Jahr 2014 zufriedengeben.

Ibex-Index sank mehr als jeder andere europäische Leitindex

Die Sorge betrifft nicht nur Spaniens Banken, die von internationalen Anlegern ohnehin gemieden werden, sondern auch Unternehmen, die eigentlich ein Schnäppchen wären wie Inditex oder Gas Natural, zwei von der Citigroup ausgewählte Anlagewerte. Egal, wie sehr Madrid und europäische Politiker derzeit beschwören, dass Spanien keine externe Hilfe für seine Finanzierungspläne benötige: In den Finanzzentren wägen Analysten bereits ab, wie sie aussehen könnte: „Spanien wird mittelfristig externe Hilfe brauchen. Anstatt auf die EZB zu warten, wäre es aus Marktsicht das Beste, wenn Spanien den EFSF für eine Brückenfinanzierung, zum Beispiel zur Kapitalisierung der Banken, in Anspruch nehmen würde, zumal der EFSF Bedingungen stellen kann und die EZB dem Marktdruck offenbar durchaus standhalten will“, heißt es etwa von Goldman Sachs.

Marktteilnehmer rechnen mit unruhigeren Zeiten am spanischen Aktienmarkt. Das erklärt, warum Kursgewinne schnell wieder verpuffen, Anleger schnell kalte Füße bekommen und der Ibex-Index in den vergangenen 12 Monaten um 31 Prozent gesunken ist. Er hat sich allein in diesem Jahr um 19 Prozent verringert und damit mehr als jeder andere europäische Leitindex, auch mehr als der griechische.

Engagement in Südamerika als Alternative zu den Heimatproblemen

Die Citigroup geht davon aus, dass die Kurse spanischer Aktien dem europäischen Markt auch in den kommenden 12 bis 18 Monaten hinterherhinken werden. Nach einer Berechnung von Morgan Stanley liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Ibex 35 mit 7,7 mit Blick auf Gewinne im Jahr 2013 um 19 Prozent unter dem europäischen Vergleichswert; die Bewertung nach dem Buchwert liegt um 28 Prozent darunter. Die erwartete Dividendenrendite von 8,5 Prozent indessen übersteigt den europäischen Durchschnittswert um 82 Prozent, die Auszahlungsquote ist mit 65 Prozent eine der höchsten Europas. Das Gewinnwachstum soll 2013 von derzeit minus 8,7 Prozent auf 15 Prozent zulegen - allesamt Gründe, die Anleger anziehen könnten.

Ein Schlag für den spanischen Aktienmarkt war unterdessen die Enteignung der spanischen Repsol durch die Konfiskation ihrer Beteiligung an YPF in Argentinien. Wenn es ein verlockendes Argument am spanischen Aktienmarkt gab, war es das Engagement spanischer Unternehmen und Banken in Südamerika. Es war das Argument der Diversifikation, des Engagements in wachstumsstarken Schwellenländern, der großen Alternative zu den spanischen Heimatproblemen. Repsol gehörte bis zu der Enteignung zu den Favoriten internationaler Investoren am spanischen Aktienmarkt. Für Madrid ist der Krach mit Buenos Aires daher besonders schmerzhaft.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen

Wirtschaftskorrespondentin in London.

Jüngste Beiträge

Aktienmärkte
Name Wert Änderung
  FAZ-INDEX --  --
  DAX --  --
  Dow Jones --  --
  Nikkei225 --  --
  Hang Seng --  --
  FAZ-Euro-Index --  --
  Eurostoxx 50 --  --
  S&P500 --  --
  Nasdaq 100 --  --
  M-Dax --  --
  Tec-Dax --  --
  SDAX --  --
  Dax Future --  --
Wertpapiersuche