04.05.2010 · Die spanische Börse zählt zu den schwächsten weltweit. Die Kursentwicklung der Aktie von Sacyr Vallehermoso steht symbolisch für die Ursache: Boom und Pleite im Bau- und Immobilienbereich und damit verbundene Struktur- und Finanzschwächen.
Wer denkt, mit einem großen Geld- und Sparpaket die Strukturprobleme lösen zu können, der irrt. Denn alleine schon der Blick auf die Kursentwicklung an den internationalen Börsen und Rentenmärkten zeigt, dass der Problemkreis weiter gespannt ist.
Denn neben dem chronisch-politisch verzerrten venezolanischen und dem Minimarkt Zyperns gehören die Börsen Griechenlands, Spaniens, Portugals und Italiens zu den schwächsten des laufenden Jahres. Der Athex Composite liegt 17,5 Prozent im Minus, der IBEX 15,5 Prozent (alleine am Dienstag gibt er vier Prozent nach), der PSI 20 knapp 15 Prozent und der FTSE MIB knapp neun Prozent.
Sacyr Vallehermoso - ein Symbol für die Entwicklung des Landes
Die Gründe für die schwache Kursentwicklung an der griechischen Börse sind in den vergangenen Tagen und Wochen offen gelegt worden. Wenn man dagegen die Ursache für die Kursschwäche in Spanien finden will, so braucht man sich nur die Kursentwicklung des schwächsten Wertes in den vergangenen Jahren und dessen Branche anzuschauen.
Es handelt sich um das Bau- und Immobilienunternehmen Sacyr Vallehermoso, dessen Papiere allein im laufenden Jahr ein Minus von 33 Prozent hinnehmen mussten. Ausgehend von ihrem Kurshoch im November des Jahres 2006 hat sie inzwischen knapp 90 Prozent ihres Wertes verloren. Der Kursverlauf des Papiers steht symbolisch für den Boom und die folgende Pleite der spanischen Bau- und Immobilienwirtschaft.
Die Notierung stieg im Rahmen der nach der Euroeinführung stark gefallenen Zinsen aufblühenden Aktivitäten im Bausektor von knapp fünf Euro auf bis zu 50 Euro, um schließlich wieder auf das ursprüngliche Niveau zurück zu fallen. Die Umsatz- und Gewinnentwicklung dagegen sah weniger beeindruckend aus. Dagegen sitzt das Unternehmen bei einer verbliebenen Marktkapitalisierung von 1,6 Milliarden Euro auf Schulden in Höhe von mehr als sieben Milliarden Euro.
Möglicherweise werden sie einfach umgewandelt in Eigenkapital und in die Bücher der Gläubigerbanken eingestellt. Dort leisten sie dann sehr wahrscheinlich vielen anderen uneinbringlichen Positionen Gesellschaft, die noch von spanischen Banken noch nicht aufgedeckt wurden und dort bisher beinahe unbeachtet vor sich hinticken. Alleine jedoch die Tatsache, dass die Aktien der spanischen Finanzwerte zu den schwächsten des gesamten Marktes gehören, nachdem sie eine kurze Zwischenerholung im Rahmen der allgemeinen Euphorie hinter sich haben, kann zu denken geben. Die Papiere der BBVA haben im laufenden Jahr 26 Prozent ihres Wertes verloren, die Aktien von Bankinter knapp 25 Prozent und die der Banko Santander knapp 23 Prozent.
Schwache Industrie - schwacher Arbeitsmarkt - hohe Defizite
Die schwierige Lage Spaniens lässt sich alleine schon am Arbeitsmarkt ablesen. Am Dienstag teilte das Arbeitsministerium in Madrid zwar mit, Spaniens Arbeitslosenzahl sei erstmals seit neun Monaten rückläufig. Die Gesamtzahl sei im April um rund 0,6 Prozent auf 4,14 Millionen gefalle, hieß es. Das von hoher Jugendarbeitslosigkeit geplagte Land hatte im März die rote Laterne am Jobmarkt in der EU mit einer Arbeitslosenquote von 20,1 Prozent. Die Regierung hofft, dass nun der Höhepunkt der Krise am Arbeitsmarkt überschritten ist.
Diese Erwartung ist jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit zweckoptimistisch. Denn im Gegensatz zu der sich erstaunlicherweise erholenden Verbraucherstimmung ist die Stimmung in der spanischen Wirtschaft weiterhin schwach. Die Wachstumsraten der Industrieproduktion erholen sich zwar. Allerdings können sie alleine schon aufgrund von Basiseffekten zu optimistischer Interpretation verführen und täuschen. Denn absolut betrachtet lag die Industrieproduktion noch Ende Februar knapp 20 Prozent unter dem im Juni des Jahres 2008 erreichten Hoch. Erholungsanzeichen sind bis auf wenigen Ausnahmen kaum auszumachen.
Angesichts dieser Fakten kann kaum verwundern, dass die Finanzmärkte in Bezug auf die schon hohen Schulden und die massiven Defizite des Landes - es lag im Dezember 2009 bei 11,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes - langsam aber sicher nervös werden. Spanien muss dringend seine Wirtschafts- und Finanzstrukturen bereinigen, um nicht in eine ähnliche Schuldenspirale zu geraten, mit welcher Griechenland gerade konfrontiert ist. Sollten nämlich die Renditen für spanische Anleihen weiter steigen, würde der finanzielle Druck rasch und deutlich zunehmen können.
Ausverkauf am spanischen Aktienmarkt
Werner Eickhoff (WernerEickhoff)
- 04.05.2010, 18:26 Uhr
Wer die Preisentwicklung auf den (spanischen) Immobilienmärkten
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 04.05.2010, 20:52 Uhr
Der widernatürliche Wahnsinn der Währungsunion tritt nun zu Tage…
Harry LeRoy (Cimon)
- 04.05.2010, 21:25 Uhr
verstanden hab ich den Wahnsinn nie
Sebastian Castellio (Castellio)
- 04.05.2010, 23:15 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |