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Spanien Aktienmarkt unter Druck

04.02.2010 ·  Spaniens Aktienmarkt steht am Donnerstag unter besonderem Druck. Besonders außereuropäische Anleger sorgen sich um die Verfassung der Staatsfinanzen. Zwar sind die Probleme eher langfristiger Natur, doch das Ablassen von Dampf war schon lange fällig.

Von Martin Hock
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Wer am Donnerstag auf die Kursentwicklung an den europäischen Aktienbörsen blickt, entdeckt unschwer, dass sich die griechischen Sorgen endgültig in südeuropäische verwandelt haben. Die Kursverluste sind außer in Athen in Lissabon und in Madrid besonders stark: der griechische ASE-Index gibt um 3,9 Prozent nach, das portugiesische Börsenbarometer büßt 5,6 Prozent ein und der spanische Index sackt um 5,7 Prozent ab.

Vor allem außereuropäische Anleger sind besorgt, dass die drei Staaten ihre Haushaltsdefizit nicht einzudämmen in der Lage sein werden. „Es wird befürchtet, dass die Verschuldung von Griechenland, Portugal und Spanien zu hoch ist“, erläutert Manfred Hofer, Leiter Aktienanalyse bei LGT Capital Management.

Banken besonders betroffen

Auch die Risikoprämien auf die Staatsanleihen sind deutlich gestiegen. Mit einem Aufschlag von 1,65 Prozentpunkten rentieren spanische Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen so hoch wie zuletzt im April 2009.

Insbesondere Bankenwerte sind in Ungnade. Die Titel Banco Santander SA fallen um 8,5 Prozent und sind damit für fast ein Drittel der Kursverluste verantwortlich. Spaniens größte Bank wäre von einer Bonitätsherabstufung des Landes betroffen, erklärte deren Finanzvorstand José Antonio Alarez. BBVA geben 7,5 Prozent nach und Banco Poular um 6,5 Prozent. Insgesamt ziehen allein die Bankenwerte den Ibex um 3,9 Prozent nach unten.

Das Feuer, unter dem Spanien derzeit steht, kommt vor allem aus dem anglo-amerkanischen Raum. „Der eigentliche Brandherd ist nicht Griechenland, sondern Spanien“, schreibt der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman in seinem Blog für die „New York Times“, die „Financial Times“ spricht von einem potentiell (!) viel größeren Drama.“

Sorgenkind trotz bessere Haushaltslage...

Denn anders als in Griechenland hat die spanische Staatsverschuldung noch nicht ein Ausmaß erreicht, dass Madrid die EU-Aufsicht drohen könnte. Die sozialistische Regierung von José Luis Rodríguez Zapatero hat jüngst erst in Brüssel einen Spar- und Reformplan vorgelegt, mit dem sie bis 2013 rund 50 Milliarden Euro einsparen und das Haushaltsdefizit von zuletzt 11,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf die zulässige Obergrenze von 3,0 Prozent zurückschrauben will. Und der Schuldenstand des Staates liegt nach Prognosen der DZ Bank mit rund 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts halb so hoch wie in Griechenland und deutlich unter den mehr als 75 Prozent in Deutschland und mehr als 80 Prozent in Frankreich.

Doch ein Sorgenkind ist Spanien nichtsdestotrotz - aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung, oder besser der Stagnation. Nach den Prognosen des Internationale Währungsfonds (IWF) wird Spanien, als einziges größeres Land in der EU 2010 kein Wachstum erzielen. Die DZ-Bank geht von einem Minus von 0,6 Prozent aus.

Und die spanische Wirtschaft ist viereinhalbmal so groß wie die griechische. Ihre Strukturschwäche wurde in den vergangenen Jahren von einem überbordenden Immobilienmarkt verdeckt, der nun um so mehr darbt. Immer noch sinken die Hauspreise und das dürfte das Jahr über so bleiben. Mittlerweile hat die Arbeitslosenzahl die historische Rekordhöhe von mehr als vier Millionen erreicht - vor allem weil die Baubranche nicht läuft.

...doch auch diese wird schlechter

Das zerstört auch die Konsolidierungserfolge der Vergangenheit, obwohl sich das in Deutschland im Prinzip nicht anders verhält. Doch der Anteil der Staatsverschuldung am Bruttoinlandsprodukt lag in Spanien 2008 noch unter 40 Prozent. 2011 dürfte diese Relation auf nahezu 76 Prozent ansteigen - das ist es, was den Anlegern Sorgen macht.

Dass es nicht einfach wird, diesen Prozess zu stoppen, zeigt die Reaktion in Spanien auf das Sparprogramm. Die Regierung musste dieses wenige Stunden nach der Vorlage korrigieren, nachdem sich ein Sturm der Entrüstung wegen geplanter Rentenkürzungen erhob. Das Wirtschaftsblatt „Cinco Días“ schrieb: „Die Regierung improvisiert mit Plänen herum, an die sie selbst nicht glaubt.“ Die Folge: Das Misstrauen wird noch größer.

Die Luft entweicht

Trotz der starken Kursverluste lässt der Ibex technisch damit nur insofern Dampf ab, als er damit die gegenüber dem Dax stärkere Kursentwicklung des zweiten Halbjahres 2009 korrigiert, die fundamental nie gerechtfertigt war. Das gilt auch für die portugiesisches Börse, während die griechische schon im November den Anschluss verloren hat.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,25 ist der Ibex auch nicht übermäßig teuer. Aber wenn die Märkte eben erst einmal ein Problem entdeckt haben, das eigentlich seit Jahren bekannt ist, gibt es oft kein Halten mehr. derzeit wird gegen den Euro und die Eurozone spekuliert und das geschieht natürlich an den schwächsten Gliedern der Kette. Die Probleme Spaniens sind vor allem langfristiger Natur und daher ist der Abbau einer möglichen Überbewertung der strukturellen Verfassung der spanischen Wirtschaft und Unternehmen konsequent. Derzeit bringt es auch nichts, Recht behalten zu wollen und darauf zu verweisen, dass Panik nicht vonnöten ist. Von Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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