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Sonnenenergie Ertragswende befeuert Aktien von Solon und Solarworld

26.05.2004 ·  Solarenergie-Werte zählen zu den Gewinnern unter den deutschen Aktien in diesem Jahr. Solarworld und Solon profitieren von der Ertragswende im eigenen Hause. Außerdem dürften ihnen die hohen Ölpreise helfen.

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Immer wieder finden sich unter den Nebenwerte vielfach unbeachtete Aktien, die sich prächtig entwickeln. Solarworld und Solon, um zwei Beispiele zu nennen. Beide Aktien notieren abseits der großen Indizes, wobei Solarworld als Prime Standard-Wert nun immerhin die Aufnahme in den zum Jahresende endgültig sterbenden Nemax 50 geglückt ist.

Solon dagegen wird im Freiverkehr gehandelt. Und dort hat dieses Papier binnen Jahresfrist ein Kursplus von 491 Prozent gesehen. Allein in den vergangenen drei Monaten ist es um 154 Prozent teurer geworden, und seit der ersten Analyse von FAZ.NET im März hat sich der Kurs fast verdoppelt. Am Mittwoch steigt die Aktie an der Frankfurter Börse um 4,3 Prozent auf 10,98 Euro.

Ähnlich sieht es bei Solarworld aus. Hier steht ein Plus von 387 Prozent binnen Jahresfrist zu Buche. Anders als Solon zeigt sich diese Notiz zur Wochenmitte aber unbeweglich bei 23,60 Euro, nachdem sie sich binnen vier Wochen um fast 13 Prozent verteuert hatte. Solarworld und Solon ist gemeinsam, das erste Quartal anders als in der gleichen Periode des Vorjahres mit schwarzen Zahlen abgeschlossen, also die Ertragswende erreicht (Solon) oder bestätigt (Solarworld) zu haben. Zum anderen dürften sie von den anhaltend hohen Ölpreisen profitieren, die den Blick verstärkt auf erneuerbare Energien lenken, die zudem von der Bundesregierung weiter unterstützt werden sollen.

Solarworld: Traditionell starkes viertes Quartal getoppt

Die Solarworld AG hat in den ersten drei Monaten den Konzernumsatz gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 85 Prozent auf 35,388 Millionen Euro nach 19,094 Millionen Euro gesteigert und damit auf Quartalsbasis ein Rekordvolumen erzielt. Der Konzernumsatz übertraf sogar das Niveau des vierten Quartals 2003 (32,662 Millionen Euro), der traditionell stärksten Periode in der Solarbranche. Der Konzern hat im Berichtszeitraum zugleich ein Ergebnis in Millionenhöhe erwirtschaftet und damit den konzernweiten Turnaround nachhaltig vollzogen.

So hat der Konzern das Nettoergebnis um über 2,5 Millionen Euro auf 1,473 Millionen Euro gesteigert. Der Gewinn je Aktie betrug knapp 25 Cent. Vor Jahresfrist stand noch ein Periodenverlust von 1,067 Millionen Euro zu Buche. Das Konzernergebnis vor Steuern betrug 1,819 Millionen Euro nach minus 1,884 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ist mit 2,987 Millionen Euro nach minus 713.000 Euro diesmal ebenfalls klar positiv. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation lag mit 6,939 Millionen Euro um ein Vielfaches über dem Vorjahreswert von 1,927 Millionen Euro.

Auf die nächsten Monate blickt der Vorstand des Bonner Herstellers von Solaranlagen und Kraftwerken mit Zuversicht. Für das Gesamtjahr 2004 rechnet der Vorstand mit einem zweistelligen Umsatzwachstum und einem Konzernergebnis im einstelligen Millionenbereich.

Solon: Umsatzplus von 267 Prozent

Ähnlich schön lesen sich die jüngsten Zahlen von Solon. Der Berliner Hersteller von Solarmodulen hat den Umsatz im Vergleich zum ersten Quartal 2003 um 267 Prozent gesteigert auf 14,278 Millionen Euro. Erstmals in der Firmengeschichte erreichte Solon einen Periodenüberschuß, der 423.000 Euro betrug. Vor diesem Hintergrund erhöhte das Unternehmen das Umsatzziel auf 85 Millionen Euro und die Richtwerte für die Fertigung von 20 auf 30 Megawatt, also um ein Drittel mehr als zuvor.

Angesichts dessen haben die Analysten von First Berlin Research ihre Produktions- und Absatzprognosen von 27 auf 33 MW erhöht und das Kursziel von 9,75 Euro auf 11,25 Euro heraufgesetzt. Zudem erwarten sie nun einen Jahresumsatz von 93,4 Millionen Euro nach 80,5 Millionen Euro. Solon erhöhe seinen Marktanteil in Deutschland und sei dabei, in seinem Segment zum Marktführer bei Solarmodulen zu werden. Positive Folgen für die Liquidität des Titels sei die Ernennung eines Designated Sponsors für den Xetra-Handel. Die Analysten von First Berlin empfehlen den Titel zum Kauf, heben aber auch die Risikobewertung „hoch“ hervor.

Angebotsknappheit bei Solarmodulen

Ein Kauf ist auch Solarworld aus Sicht der Landesbank Baden-Württemberg. Auch dieses Institut hat seine Gewinnschätzungen nach dem jüngsten Quartalsbericht angepaßt, wie aus dem Kommentar vom 25. Mai folgt. „Der aktuell Solaranlagenboom in Deutschland hat zu einer Angebotsknappheit geführt, die den Preisverfall bei Solarmodulen gestoppt und teilweise sogar ins Gegenteil verkehrt. Daher sollte es Solarworld gelingen, deutlicher als bislang von uns erwartet in die Gewinnzone zurückzukehren“, heißt es in dem Kommentar weiter. Die LBBW nennt ein Kursziel von 22,60 Euro, das die Aktie indes schon erreicht hat.

Dessen ungeachtet dürfte die Aktie noch Potential haben, vor allem bei einem freundlichen Umfeld und anhaltend hohen Ölpreisen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20,3 ist der Titel zwar nicht ganz billig, aber angesichts der Wachstumsdynamik und der Ertragswende auch nicht viel zu hoch bewertet. Gemessen am durch die LBBW geschätzten Gewinn je Aktie von 1,49 Euro im Jahr 2005 ergibt sich ein moderates KGV von 15,7. Charttechnisch gesehen hat der Titel noch Luft. Der nächste größere Widerstand baut sich erst bei 27 Euro auf.

Solon-Börsenwert nicht einmal halb so hoch wie erwarteter Umsatz

Gar keine Hürden hat die Solon-Aktie vor sich. Wenn man den Quartalsgewinn linear auf gut 40 Cent hochrechnet, ergibt sich ein ambitioniertes KGV von 25. First Berlin traut Solon aber ein Ergebnis je Aktie von 72 Cent zu; dann wäre der Titel mit 15,2 vernünftig bewertet. Zudem liegt die Marktkapitalisierung von rund 44 Millionen Euro deutlich unter dem zu erwartenden Jahresumsatz von mehr als 85 Millionen Euro. Auch dies spricht für nennenswertes Kurspotential. Nach dem starken Anstieg der jüngsten Zeit müssen Anleger aber damit rechnen, daß der Titel in absehbarer Zeit eine Verschnaufpause einlegen könnte.

Die Charts zeigen die Kursentwicklung der Aktie von Solarworld (oben) und Solon in den vergangenen Jahren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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