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Sonnenenergie Ein weiterer Höhenflug der Solaraktien ist unwahrscheinlich

14.12.2007 ·  Mit Solaraktien konnten Anleger in diesem Jahr wieder so viel Geld verdienen wie mit keiner anderen Branche am Aktienmarkt. Das weitere Potential ist freilich begrenzt.

Von Daniel Mohr
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Mit Solaraktien konnten die Anleger in diesem Jahr wieder so viel Geld verdienen wie mit keiner anderen Branche am Aktienmarkt. Mit 65 bis 217 Prozent liegen die vier Tec-Dax-Werte Solon, Q-Cells, Solarworld und Ersol seit Jahresanfang im Plus. Ganz so stürmisch wird es wohl nicht weitergehen, meinen die meisten Analysten, denn die Aktien sind mittlerweile vergleichsweise hoch bewertet. Die Mehrheit geht jedoch von weiter steigenden Kursen aus.

Die Probleme bei Conergy, dem fünften Solarunternehmen, das im Tec-Dax vertreten ist, seien eine Ausnahme. Bis zu 200 Millionen Euro werde der Jahresverlust betragen, teilte der Vorstand des Hamburger Solarunternehmens am Mittwoch mit. Bisher war von Verlusten von bis zu 10 Millionen Euro für das Jahr 2007 die Rede gewesen. Weitere 20 Prozent Kursverlust verbuchte die Aktie daraufhin, 55 Prozent sind es seit Jahresanfang, rund 70 Prozent seit dem Jahreshöchststand Ende September.

Weiter gutes Umfeld - oder überhitzter Markt?

Die Auswirkungen auf die anderen deutschen Solaraktien waren gering. "Conergy hat unternehmensspezifische Probleme, es gibt kein Branchenproblem", sagt Erkan Aycicek, Analyst der Commerzbank. "Das fundamentale Umfeld für Solaraktien ist für mindestens die nächsten zwei bis drei Quartale unverändert gut." Er empfiehlt die Aktien von Q-Cells, Solarworld und Solon weiter zum Kauf und billigt ihnen ein Kurspotential von etwa 20 Prozent zu. "Eine Branche, die jedes Jahr um 30, 40 Prozent wächst und hochprofitabel arbeitet, rechtfertigt die vergleichsweise hohen Bewertungen an der Börse", sagt Aycicek. Kurs-Gewinn-Verhältnisse auf Basis der Gewinnschätzungen für das Jahr 2008 jenseits von 40 sind bei Solarwerten keine Seltenheit. Im Deutschen Aktienindex Dax liegt dieser Wert bei 12.

Längst gibt es daher auch weniger optimistische Stimmen unter den Analysten zu den in den vergangenen Jahren so renditestarken Solaraktien. "Irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht", sagt Sebastian Zank, Analyst der West LB. "Der Markt ist überhitzt, die Bewertungen sind nicht mehr nachvollziehbar." Seine pessimistische Grundhaltung begründet er vor allem mit der Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, nach dem die Einspeisung von Solarenergie ins Stromnetz vergütet wird. Bislang sank die Vergütung jedes Jahr um 5 Prozent. Nun gilt es als sicher, dass zum Jahr 2009 hin ein Schritt von 9 Prozent unternommen wird, 2010 sollen es dann 7 Prozent sein und künftig dann jedes Jahr 8 Prozent.

Nach dem Boom 2008 kommt die Ernüchterung 2009

"Das Jahr 2008 könnte daher noch mal ein Boomjahr werden, aber 2009 dürfte die Nachfrage sehr verhalten sein, wenn die Hersteller von Solaranlagen nicht mit deutlichen Preissenkungen reagieren", sagt Zank. Und ebendiese Preisreduzierungen könnten die Gewinnmargen erheblich unter Druck bringen, zumal auch in einem großen Nachfrageland wie Spanien mit einer Senkung der Einspeisevergütungen zu rechnen ist.

"Auf die stärkere Degression der Einspeisevergütungen sind die Unternehmen gut vorbereitet", meint dagegen Aycicek. "Außerdem ist die Abhängigkeit vom deutschen Markt gesunken. Die größeren Unternehmen machen längst mehr als die Hälfte ihrer Umsätze im Ausland." So seien künftig Spanien, Italien, Asien, aber auch die Vereinigten Staaten große Wachstumsmärkte für Solarunternehmen.

Auch Stephan Wulf, Analyst von Sal. Oppenheim, sieht in der stärkeren Degression keine besondere Belastung für die Aktien. "Die Branche kann jedes Jahr Effizienzsteigerungen von 10 Prozent erzielen", sagt Wulf. "Daher können die Gewinne weiter mit hohen Wachstumsraten steigen." Als seine Favoriten für das kommende Jahr nennt Wulf Solarworld und Ersol. Die Branchengröße Solarworld habe zu Recht eine höhere Bewertung als andere Solaraktien, habe sie doch bewiesen, dass sie zuverlässig hohe Gewinnmargen erwirtschaften könne. "Das Unternehmen ist zudem strategisch sehr gut aufgestellt", sagt Wulf. Das Kurspotential hält er derzeit dennoch für limitiert. "Die Aktien sind zuletzt sehr gut gelaufen, da wird die Luft nach oben dünner."

Conergy: Vom Highflyer zum „Zockerpapier“

Aber auch die Conergy-Aktien halten die Analysten von Sal. Oppenheim bei derzeit knapp 22 Euro für unterbewertet. "Nach unserer Analyse rechtfertigt allein die Produktion in Frankfurt an der Oder einen Aktienkurs von 28 Euro", sagt Wulf. Die meisten anderen Analysten sind jedoch zunächst bitter enttäuscht von der Unternehmensführung und raten von der Aktie ab. "Es ist ein Zockerpapier geworden, dessen Kauf hochspekulativ ist und keine nachhaltige Geldanlage", sagt ein Analyst, der nicht namentlich zitiert werden möchte. "Die Unternehmenspolitik ist chaotisch gewesen."

In der Tat waren die vergangenen Wochen wenig vertrauenerweckend. Zunächst wurde im Oktober der Finanzvorstand entlassen, das Unternehmen versicherte jedoch, die in Aussicht gestellten Jahresgewinne von 60 Millionen Euro seien nicht in Gefahr. Zwei Wochen später hieß es dann, dass womöglich doch am Jahresende ein Verlust von bis zu 10 Millionen Euro stehen könne, und diese Woche weitete sich dieser plötzlich auf bis zu 200 Millionen Euro aus. Dazu kamen Liquiditätsprobleme des Unternehmens.

Quelle: F.A.Z., 15.12.2007, Nr. 292 / Seite 19
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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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