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Solarworld : Negativtrend des Aktienkurses könnte zu Ende gehen

Shine, baby, shine: Solarworlds neuer Werbeträger Larry Hagman Bild: F.A.Z. - Wolfgang Eilmes

Deutlich die Erwartungen übertroffen hat der Solarmodul-Hersteller Solarworld. Das beflügelt den Aktienkurs. Die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der Branche dürfte allerdings längerfristige Höhenflüge weiter verhindern.

          Ein kräftiger Umsatz- und Gewinnanstieg bei Solarworld lässt am Montag die Stimmung der Anleger für die Aktien der gesamten Branche stiegen. Der Aktienkurs von Solarworld steigt um knapp 10 Prozent auf ein Drei-Monats-Hoch von 8,59 Euro. Im Schlepptau steigen auch die Kurse der anderen Solaraktien, vorzugsweise der Maschinenbauer und des Zellenherstellers Q-Cells.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Solarworlds Umsatz stieg 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 29 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Fast 60 Prozent der Umsätze kamen aus dem Ausland, 2009 waren es nur knapp 30 Prozent gewesen. Der Überschuss legte nach dem Einbruch um 50 Prozent im Vorjahr auf 89 Millionen Euro zu, blieb damit aber noch deutlich unter dem Rekordgewinn von 2008. Das Betriebsergebnis belief sich auf 193 Millionen Euro und lag damit um 26 Prozent üb er dem des Vorjahres. Die Marge blieb damit bei 15 Prozent. Die Dividende soll auf 19 von 16 Cent steigen.

          Fragezeichen hinter Deutschland

          Während Analysten im Durchschnitt einen Umsatz in dieser Größenordnung erwartet hatten, lagen sowohl Betriebs- als auch Gesamtergebnis deutlich über den Schätzungen. „Solarworld präsentierte starke Geschäftszahlen, die deutlich über den Erwartungen lagen“, schrieb DZ-Bank-Analyst Sven Kürten. „Allerdings bleiben wir für die zukünftige operative Entwicklung unverändert skeptisch. Insbesondere die trüben Aussichten in Deutschland dürften den Photovoltaikweltmarkt in den kommenden Jahren belasten.“

          Bild: F.A.Z.

          Sein Kollege Karsten Iltgen von Credit Suisse sieht die Lage positiver: Die Nachfrage in Deutschland entwickle sich besser als befürchtet. Daher habe er seine Gewinnprognose für Solarworld 2011 um 13 Prozent angehoben. Als Wachstumstreiber für das Unternehmen sieht der Experte das amerikanische Geschäft.

          Die Zukunft heißt Amerika

          Solarworld habe im Einkauf die Preise kräftig gedrückt und so Kosten gesenkt, sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Dieses Potential sei nun aber ausgeschöpft. Weitere Kostensenkungen müssten aus dem technischen Fortschritt kommen. Wichtiger wird auch für Asbeck immer mehr das Auslandsgeschäft: In diesem Jahr dürfte seiner Einschätzung nach der Anteil Deutschlands am Weltmarkt auf etwa ein Drittel fallen, nachdem 2010 laut Branchenschätzungen noch rund die Hälfte aller Solaranlagen in Deutschland installiert wurde. Größter Auslandsmarkt für Solarworld seien die Vereinigten Staaten. An der amerikanischen Westküste haben die Bonner zwei Werke.

          Zoltán Bognar, Vorstand der auf Erneuerbare Energien spezialisierte Beteiligungsgesellschaft Capital Stage, die auch im Projektbetrieb tätig ist, sieht die Vereinigten Staaten nicht ganz so positiv. Vor allem die nach der Finanzkrise sehr schwierige Projektfinanzierung macht ihm Gedanken, auch das Fehlen einer Einspeisevergütung auf Bundesebene.

          Allerdings hätten Modulhersteller eine ganz andere Gefechtslage. Nachdem die Preise für Module um die Hälfte gefallen seien würden Transportkosten und -zeiten immer wichtiger. Mit dem zurückgehenden Geschäft in Europa müssten die Modulhersteller daher zunehmend vor Ort produzieren. Projektbetreiber müssten sich wegen der langen Amortisationsdauer dagegen gesicherten Märkten wie Italien zuwenden, während Projektentwickler aufgrund der langen Vorlaufzeiten in Zukunftsmärkten aktiv sein müssten.

          Kein Sonnenaufgang für die Branche

          Das zeigt, dass Solaraktie eben nicht gleich Solaraktie ist und die besseren Zahlen eines Modulherstellers keinen Sonnenaufgang für alle Werte darstellen. Bei einer Bewertung der Solarworldaktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von mehr als 12 für das laufende kommende Jahr mit einer steigenden Tendenz erscheint diese derzeit nicht allzu attraktiv bewertet.

          Vor allem die Unsicherheit um die künftige Entwicklung der Branche dürfte den Aktienkurs weiter belasten. Zeigen wird sich auch müssen, ob der Markt in den Vereinigten Staaten, in denen sich die Aufbruchsstimmung für Erneuerbare Energien derzeit zu legen scheint, als der erhoffte Zukunftsmarkt erweisen. Solange dürfte der Aktienkurs weiter zwischen kurzfristiger Rally und langfristigem Seitwärtstrend gefangen bleiben. Auf der positiven Seite steht zu hoffen, dass der Negativtrend endlich zu Ende geht.

          Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

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