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Veröffentlicht: 10.05.2017, 18:34 Uhr

Photovoltaik am Ende Solarworld kündigt Insolvenz an

Deutschlands ehemals bedeutendster Solarkonzern will Insolvenz anmelden. Es ist der vorläufige Schlusspunkt des Niedergangs der deutschen Solarindustrie.

© dpa Diese Sonne arbeitet nicht mehr: ein Bild aus besseren Zeiten mit Firmenchef Frank Asbeck

Der Solarkonzern Solarworld will einen Insolvenzantrag stellen. Der Vorstand sei zu der Überzeugung gelangt, dass „keine positive Fortbestehensprognose mehr bestehe, die Gesellschaft damit überschuldet sei und somit eine Insolvenzantragspflicht bestehe“, teilte das Bonner Unternehmen am Mittwoch in einer Pflichtmitteilung an die Börse mit. Für die Tochtergesellschaften werde die Antragspflicht einzeln geprüft.

Die bevorstehende Insolvenz ist der vorläufige Schlusspunkt des Niedergangs der deutschen Solarindustrie. Die einst lukrative Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz hatte dieser in der Mitte der 2000er Jahre zu einer kurzfristigen Blüte verholfen.

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Konzerne wie Solarworld und Q-Cells machten Umsätze in Milliardenhöhe. Solarworld hatte noch 2010 einen Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Euro vermeldet.

An der Börse dominierten die Unternehmen zeitweilig den Technologiewerteindex Tec-Dax so stark, dass vom „Solar-Index“ die Rede war. Selbst als Kandidaten für den Dax waren sie gehandelt worden.

In der Finanzkrise machte Solarworld-Chef Frank Asbeck von sich reden, als er im November 2008 ein Übernahmeangebot für den Autobauer Opel ankündigte. Dazu kam es aber bekanntlich nie.

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Im darauffolgenden Jahrzehnt ging es für das Bonner Unternehmen und die gesamte Branche aber rapide abwärts. Zum einen war nicht nur in Deutschland die Solarförderung drastisch gekürzt worden, zum anderen überschwemmte chinesische Billig-Konkurrenz den Markt.

2012 meldet Q-Cells nach Jahren der Krise Insolvenz an, 2013 Conergy. Der Umsatz von Solarworld fiel von 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2010 in nur drei Jahren auf rund ein Drittel.

Zwar hatte sich der Umsatz seitdem wieder deutlich erholt, jedoch blieb das Unternehmen von 2011 an tief in den roten Zahlen stecken. Schon 2013 stand die Insolvenz unmittelbar bevor, jedoch wurde diese durch einen Schuldenschnitt noch einmal vermieden.

Von 7185 auf 3 Euro

Ende März hatte der Solarkonzern angekündigt, mit einem scharfen Sparprogramm bis 2019 wieder aus der Verlustzone kommen zu wollen. Mit dem Abbau von 400 Stellen und zahlreichen Einzelmaßnahmen sollten die Kosten um ein Fünftel verringert werden. Ein Sozialplan wurde an den deutschen Standorten in Arnstadt (Thüringen) und Freiberg (Sachsen) bereits verhandelt.

An der Börse kostete die Aktie zurückgerechnet einst 7185 Euro, am Mittwoch ging sie mit einem Kurs von 3,612 Euro aus dem Handel.

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Von Daniel Mohr

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