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Solarwerte Solarpraxis-Aktie nur etwas für Solaroptimisten

20.06.2006 ·  Die kleine Solarpraxis AG aus Berlin will sich mit ihrem Börsengang neues Kapital für weiteres Wachstum beschaffen. Der Solardienstleister ist zweifelsohne auf einem Wachstumsmarkt tätig. Doch die Aktie kommt ziemlich teuer auf den Markt.

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„Solar“ klingt an der Börse immer noch gut. Auch wenn die Solaraktien in den vergangenen Wochen deutlich korrigiert haben, gehört die Branche zu den Highflyern am Markt. Ab Donnerstag haben die Anleger ein Unternehmen mehr zur Auswahl: Die Solarpraxis AG aus Berlin geht an die Börse, am 22. Juni beginnt die Zeichnungsfrist (Isin DE0005495477).

Gar nicht zum schillernden Stichwort „Solar“ paßt der eher ungewöhnliche Weg auf das Parkett: Die Aktien werden über eine öffentliche Privatplazierung mit anschließendem Börsengang ausgegeben. Die Papiere erhält, wer zuerst zeichnet; wer später kommt, kann Pech haben. Insgesamt sollen bei einem Festpreis von sieben Euro nämlich nur bis zu 414.000 Aktien ausgegeben werden, das würde einem Erlös von knapp drei Millionen Euro entsprechen. Nach dem Abschluß der Zeichnungsfrist am 14. Juli sollen die Papiere im Freiverkehr der Börsen in Berlin und Frankfurt gehandelt werden.

„Mit unseren Kunden in ganz Europa wachsen“

Die Solarpraxis AG bezeichnet sich als „wichtigstes Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen der Solarbranche“ und berät Konzerne bei ihren Investitionsentscheidungen. Ingenieure des Unternehmens betreuen Industrie und Anlagenbauer. Daneben publiziert die Solarpraxis AG über einen hauseigenen Verlag Fachliteratur und organisiert Kongresse.

„Zu den Kunden der Solarpraxis AG gehören nahezu alle namhaften Solarunternehmen in Deutschland“, heißt es in einer Pressemeldung. „Wir werden mit unseren Kunden in ganz Europa wachsen. Dafür gibt uns der Börsengang die richtige Basis“, läßt sich Vorstand Karl-Heinz Remmers zitieren. Mit dem Börsengang ist eine Kapitalerhöhung verbunden, deren Erlös das „dynamische Wachstum“ der Solarpraxis AG fördern soll.

Vorstand und Aufsichtsrat werden auch nach der Plazierung aller angebotenen Aktien etwa 46 Prozent der Stimmanteile besitzen. Die Haltefristen sehen laut Emissionsprospekt vor, daß sie im Jahr nach dem Börsengang höchstens 20 Prozent ihrer Aktien verkaufen dürfen. Damit bleibt den Managern ein Weg offen, nach dem Börsengang Kasse zu machen.

Kapitalerhöhungen ließen die Eigenkapitalquote steigen

Das 1998 gegründete Unternehmen schreibt seit 2003 schwarze Zahlen. 2005 betrug die Umsatzrendite etwa zehn Prozent. Der Umsatz stieg von 1,2 Millionen Euro 2003 auf 2,1 Millionen Euro 2005. Der operative Gewinn hat sich in dieser Zeit auf 228.000 Euro mehr als verdoppelt, der Jahresüberschuß hat sich fast verdreifacht auf 205.000 Euro. Eine weitere Zahl verdeutlicht, daß das Unternehmen zu den kleinen Börsenkandidaten zählen darf: 2005 standen gerade mal 19 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste.

In den Jahren 2003 bis 2005 haben mehrere Kapitalerhöhungen dafür gesorgt, daß die Bilanz nun etwas gesünder aussieht: 2003 betrug die Eigenkapitalquote nur neun Prozent, inzwischen sind es 52 Prozent. Das neue Geschäftsjahr läuft nach Angaben des Unternehmens gut an, im ersten Quartal habe man den Umsatz um über 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern können.

Optimistische Zahlen in der Emissionsstudie

Interessenten wird auf der Homepage des Unternehmens eine Emissionsstudie zum Download angeboten, verfaßt hat sie im Auftrag der Solarpraxis Hilmar Platz von der Kayenburg AG. Die Studie zeichnet ein sehr optimistisches Bild, was Umsatz- und Ergebnisentwicklung angeht: Ausgehend von gut zwei Millionen Euro Umsatz 2005 sollen 2007 knapp fünf und 2009 mehr als elf Millionen Euro Umsatz möglich sein. Der Jahresüberschuß könnte nach 0,2 Millionen Euro 2005 auf 0,7 Millionen 2009 steigen.

Platz weist aber auch auf Schwächen hin, etwa die zu geringe Kapitalausstattung, die Abhängigkeit von wenigen Kunden und die hohe Inlandsumsatzquote von 83 Prozent. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Analyst mit einem leichten Gewinnrückgang. Zurückzuführen sei das auf die Kosten des Börsengangs, die sich laut Emissionsprospekt auf bis zu 298.000 Euro belaufen. Mit einer Dividende rechnet Platz nicht vor 2009.

Aktie kommt ambitioniert bewertet auf den Markt

Die Entwicklung der Kennzahlen sieht gut aus. Die Analystenprognose mag zwar optimistisch sein, ist aber nicht unmöglich. Schließlich wird dem Solarmarkt auch in den kommenden Jahren ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich vorhergesagt. Der Bedarf an branchennahen Dienstleistungen wird wachsen, die Nachfrage nach Fachliteratur und Kongressen ebenso. In der Analystenstudie heißt es, es gebe kein Unternehmen, das ähnlich positioniert sei wie die Solarpraxis AG.

Das mag sein. Allerdings hat das Unternehmen dafür mit Konkurrenten aus verschiedensten Branchen zu kämpfen: Kongreßveranstaltern, Fachbuchverlagen und Ingenieurbüros. Diese werden der Solarpraxis AG das lukrative Geschäft nicht kampflos überlassen. Die Emissionsstudie trägt diesem Umstand Rechnung, in dem sie zur Peer Group Verlage (etwa Reed Elsevier), Ingenieurdienstleister (etwa Rücker), Softwareunternehmen (etwa Mensch & Maschine) und Solarfirmen (etwa Solarworld) zählt.

Angesichts dieser Konkurrenz sind sieben Euro je Aktie ein stolzer Preis. Auf Basis der Analystenschätzung errechnet sich mit diesem Kurs ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 50,0 für das laufende und 33,3 für das kommende Jahr. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) beträgt 4,0 für 2006 und 1,8 für 2007. Diese Bewertung ist im Vergleich zu anderen Verlagen und Ingenieurdienstleistern sehr ambitioniert. Und nach der jüngsten Korrektur der Solarwerte ist die Aktie auch verglichen mit anderen Solarunternehmen kein Schnäppchen. Die Aktie ist also nur etwas für ausgesprochene Solaroptimisten - und für Anleger, die bereit sind, ihr Geld einem 20-Mann-Betrieb anzuvertrauen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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