17.08.2009 · Die Solarwerte sind auch nicht mehr die Höhenflieger an der Börse. Die Gewinne der Hersteller von Solarstromtechnik leiden unter einer restriktiven Kreditpolitik, zunehmender Konkurrenz und dem Überangebot eines wichtigen Rohstoffs.
Von David BogoslawDer globale Kreditengpass und ein Überangebot an Polysilizium - dem wichtigsten Ausgangsmaterial für die Herstellung von Photovoltaik-Solarpaneelen - haben in diesem Jahr den Ertrag der Hersteller von Solarstromtechnik wegbrechen lassen. Langfristig, so hoffen einige Analysten, werden die niedrigeren Preise diese Technologie im Vergleich zur herkömmlich erzeugten Energie wettbewerbsfähiger machen und dadurch diesen Unternehmen zu einem größeren Interesse unter den Anlegern verhelfen. Aber wer mit Solarstrom reich werden will, hat nach wie vor einen steinigen Weg vor sich.
Konkretes Beispiel: Am 12. August vermeldete die in China ansässige LDK Solar einen Verlust für das zweite Quartal von 2,03 Dollar je American Depository Share bei einem Rückgang der Umsatzerlöse um 48 Prozent auf 228,3 Millionen Dollar, verglichen mit einem Gewinn von 1,29 Dollar je ADS vor einem Jahr bei einem Umsatzerlös von 441,7 Millionen Dollar. Eine Abschreibung von Dollar176,3 Millionen aufgrund des freien Falls ihres Lagerbestandswertes machte den größten Teil des Quartalsverlustes von Dollar216,9 Millionen aus.
LDK, Hersteller multikristalliner Wafer für Solarpaneele, gab auch für das dritte Quartal eine Prognose aus, die weit unter den Erwartungen der Wall Street liegt. Prompt sackten ihre ADSs am 13. August um 18 Prozent ab.
Erhebliche Marktwertveränderungen
LDKs Ergebnis folgte dem Beispiel zweier anderer chinesischer Solarfirmen, die den Markt am 12. August enttäuschten. Der Waferproduzent ReneSola gab einen Verlust von 3 Cent je ADS - im Vergleich zu einem Ertrag von 19 Cent vor einem Jahr - bei einem Rückgang der Umsatzerlöse um 52 Prozent auf 82,6 Millionen Dollar bekannt. Zwar lag das Endergebnis über der Konsensschätzung des Marktes von 6 Cent Verlust, aber die Prognose der Analysten, die einen Umsatzerlös von 90 Millionen Dollar sehen wollten, wurde verfehlt.
Der Solarzellenhersteller JA Solar (JASO) verzeichnete einen Verlust von 18 Cent je ADS und verfehlte so die Schätzungen der Analysten um 12 Cent. Im Vergleich dazu lag der Verlust im zweiten Quartal 2008 bei 1 Cent, während der Umsatzerlös um mehr als 51 Prozent auf Dollar88 Millionen abrutschte. Der jüngste Verlust enthielt Belastungen aus Aktienvergütungen und einen Hedging-Verlust.
Die Entwicklung von einem Unter- zu einem Überangebot an Polysilizium in nur etwa 18 Monaten hat zu einer gewaltigen Veränderung bei den Geschäftsmodellen und Marktanteilen geführt. Paneelhersteller, die Festpreisverträge für Polysilizium geschlossen und sich so einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Produzenten gesichert hatten, die am Spot-Markt weit höhere Preise zahlen mussten, müssen nun wohl oder übel ihre Verträge zu niedrigeren Preise neu verhandeln oder den Wert ihrer Lagerbestände abschreiben.
Zusammenbruch des spanischen Marktes
Ein weiteres Problem für die Branche ist die fehlende Bereitschaft der Banken, Geld zu verleihen, das für Solarprojekte in weiten Teilen der Welt benötigt wird. In der Tat musste die Solarindustrie in einer Reihe von Ländern harte Schläge hinnehmen. Wie Analyst Edwin Mok von Needham & Co. in San Francisco berichtet, brach zum Beispiel der Markt für Solartechnik in Spanien, der zu den größten der Welt gehörte, zusammen, als die spanische Regierung die Subventionsgrenze für Solarpaneelinstallationen auf 0,5 Gigawatt festsetzte, nachdem die Installationen im letzten Jahr 2,67 Gigawatt erreicht hatten. Dies schwächt das Wachstumspotential in Spanien entscheidend, weil die Nachfrage sinkt, wenn die Subventionen ausbleiben. Ein Lichtblick: Der Markt in Deutschland ist dieses Jahr gewachsen, wenn auch nicht genug, um den Wegfall in Spanien auszugleichen.
Einige Analysten erwarten einen Anstieg der Nachfrage nach Solarpaneelen schon für das nächste Jahr. Der Preisverfall bei Polysilizium schwächt zwar derzeit die Erträge, doch auf lange Sicht wird sich dies insofern als positiv erweisen, als Solarstrom sich zu einer preislich wettbewerbsfähigen Alternative zu anderen Stromarten entwickeln und die Nachfrage steigen wird. In einer Research Note vom 13. August meinte die UBS-Analystin Robin Cheng, sie erwarte das Erreichen der Wettbewerbsfähigkeit von photovoltaischer Elektrizität gegenüber dem Netzstrom für das Jahr 2010 in jenen Teilen Europas und der Vereinigten Staaten mit regelmäßigerem Sonnenanteil und für das Jahr 2014 in Regionen mit einem höheren Anteil an bedecktem Himmel. „Bis dahin“, so schreibt sie, „hängt die Industrie am Subventionstropf der Regierungen.“
Anreize unter amerikanische Förderprogrammen sind bis jetzt eher ein Hindernis für den Absatz von Solaranlagen für die gewerbliche Nutzung gewesen, urteilt Rob Stone, Analyst bei Cowen & Co. in Boston. Obgleich die Obama-Administration sich beeilte zu verkünden, dass anstelle von Investitionssteuerkrediten (die in dem Maße an Wirkung verloren, wie das Investmentpoolkapital versiegte) Schatzamt-Zuschüsse und -Darlehen vom Energieministerium angeboten werden würden, verlief die Bekanntgabe der Konditionen und Richtlinien für die eigentliche Implementierung recht schleppend, so Stone. Das bremste zahlreiche gewerbliche Solarprojekte, weil die Bauherren auf klare Anweisungen für die Beantragung dieser Mittel warteten. Umgekehrt hatte die Tatsache, dass individuelle Steuerkredite von der Finanzkrise unbeeinflusst blieben, dazu geführt, dass der amerikanische Wohnungsmarkt mit lebhaftem Interesse auf den Verfall der Solarpaneelpreise reagiert hat.
LDK-Bilanz bedarf der Optimierung
Trotz aller Probleme durch Bestandsabschreibungen liegt LDK Solars Hauptrisiko in seinem überaus ungünstigen Verschuldungsgrad von 86 Prozent, meint Colin Rusch, Analyst bei ThinkEquity in New York. Das Unternehmen müsse seine Bilanz umschichten, wenn es überleben wolle. Jesse Pichel, Analyst bei Piper Jaffray, hat hingegen über den größten Teil der vergangenen 18 Monate ein Verkaufs-Rating aufrecht erhalten. Pichels Daumen zeigt nach unten, weil ihm nicht klar ist, woher das Unternehmen die Hunderte Millionen Finanzierungs-Dollars nehmen will, die es für die Fertigstellung des Baus eines neuen Polysiliziumwerkes braucht, das im nächsten Jahr Schritt für Schritt auf eine Jahresproduktion von 15.000 Tonnen hochgefahren werden soll.
Solange sich LDK bei den Ausgaben nicht übernehme, glaubt Rusch, dass das Unternehmen durchaus Dollar40 bis Dollar50 je Kilogramm Polysilizium einsparen könne, indem es das Material selbst produziert, anstatt es am Markt zu kaufen. Das könne, so Rusch, zu „einer extrem wettbewerbsfähigen Kostenstruktur“ führen.
Pichel hingegen gibt zu bedenken, dass neue Polysilizium-Startups bisher keinen Erfolg hatten. Selbst wenn LDKs Werk erfolgreich sein sollte, werde es doch mindestens ein Jahr dauern, bis es seine volle Kapazität erreiche und auf einem Qualitäts- und Kostenniveau produziere, das sich mit dem anderer internationaler Produzenten messen könne.
Energieversorgersektor schwer unter Druck
Eine feste Burg in der Branche sind für Pichel die hochwertig und kostengünstig produzierenden chinesischen Modulhersteller wie Suntech Power Holdings, Yingli Green Energy Holding, Trina Solar und Canadian Solar, die „Weltmarktanteile gewinnen, weil ihre Kosten ganz gewaltig unter [denen] von westlichen oder japanischen Lieferanten liegen“. Ihr Kostenvorteil geht über die preiswerte Arbeitskraft hinaus und beinhaltet auch kostenloses Land vom chinesischen Staat für den Bau von Fabriken, subventionierte Elektrizität, Steuererleichterungen und viel geringere Kosten für Kapital von Banken als in anderen Teilen der Welt. „Und alle [ihre] Bauteillieferanten für Glas und Kupferdraht - sprich: Anschlusskästen, Aluminiumrahmen und einige der Chemikalien, die in Solarpaneelen verarbeitet werden, profitieren ebenfalls von diesen fünf oder sechs Dingen“ erklärt er. Dadurch könnten die Zulieferer den Modulherstellern auch niedrigere Preise für ihre Produkte berechnen.
Und obgleich JA Solar, Canadian Solar und Suntech intensiv an der Verbesserung der Effizienz ihrer Module arbeiteten und eines Tages zu den Besten in Bezug auf den Wirkungsgrad von Solarzellen gehören dürften, werde es für sie nicht einfach sein, SunPower und Sanyo Electric als Weltmarktführer abzulösen, fügt Pichel hinzu.
First Solar verfüge über die kostengünstigste Technologie, weil das Unternehmen eine Dünnschicht in den Halbleitern einsetze, um Sonnenlicht rasch in Elektrizität umzuwandeln. Aber die Aktie habe stagniert, weil die chinesischen Produzenten dank des Preisverfalls beim Polysilizium wettbewerbsfähiger geworden seien. First Solar verteidige zwar seinen Kostenvorteil, leide aber darunter, dass seine Paneele überwiegend in Systemen im Energieversorgermaßstab verbaut würden. Und gerade der Energieversorgersektor gehöre aufgrund des abschreckenden Finanzierungsbedarfs zu den am schwersten getroffenen Segmenten der Branche.
Schlanke Konkurrenz aus China
First Solar werde seine Preise senken müssen. Das heißt, dass seine Bruttospannen das Niveau von 57 Prozent, das im zweiten Quartal erreicht wurde, mit Sicherheit abwärts verlassen werden. „Ein Aktienkurs kann schwerlich steigen, wenn die Spannen nach unten gehen“, erklärt Pichel. Er geht davon aus, dass die Aktie unter Druck bleibt, bis sich die Preise von Polysilizium und der Paneele, in denen es sich wiederfindet, stabilisiert haben.
Rusch von ThinkEquity und der Analyst Al Kaschalk von der Investmentfirma Wedbush Morgan sehen die Dinge positiver. Rusch hält die Unkenrufe vom Verlust von First Solars Kostenvorteil für übertrieben, und Kaschalk ist „zuversichtlich, dass es dem Unternehmen gelingen wird“, in den kommenden Jahren „Wachstum, Marktentwicklung und Betriebsergebnisse im Griff zu behalten.“
Pichel zieht die schlanken chinesischen Hersteller den europäischen Wettbewerbern vor und gibt sich überzeugt, dass die ihren Kostenvorteil aufrecht erhalten können. Westliche Produzenten sollten sich besser auf Spitzentechnologien konzentrieren und nach Wegen suchen, mit den Chinesen Partnerschaften einzugehen, um Zugang zu kostengünstiger Produktion zu erhalten. Pichel: „Das erste Unternehmen, dem es gelingt, teure Technologie mit kostengünstiger Geografie zu verknüpfen, hat gewonnen“.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |