08.12.2009 · Der Gipfel in Kopenhagen spendiert den Solarwerten im TecDax Kursgewinne. Doch die Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Viel wird auf China ankommen.
Von Alexander ArmbrusterWenn die ganze Welt auf Kopenhagen blickt, wo Vertreter von über 190 Ländern derzeit ein neues Klimaabkommen aushandeln, lässt das auch die Akteure an den Finanzmärkten nicht kalt. Die Aktienkurse von Unternehmen wie Solarworld, Q-Cells und Phoenix Solar, die ihr Geld mit dem Thema Klimaschutz verdienen, legten am Dienstag zu - vereinzelt mitunter um 4 Prozent.
Tatsächlich ist das, was am Ende der Klimakonferenz in der dänischen Hauptstadt verkündet wird, für die Branche nicht unwichtig. Beschließen die Staaten, ihre Kohlendioxid-Emissionen stärker als erwartet zu verringern, werden viele Unternehmen gezwungen sein, mehr Geld für alternative Energiequellen auszugeben - ein Teil davon wird in Solaranlagen fließen. Die Solar-Unternehmen werden davon jedoch unterschiedlich stark profitieren. Vor allem aber ist der Markt, den sie beliefern, stärker von Politikerentscheidungen abhängig als andere Branchen, und zwar nicht bloß wegen „Kopenhagen“.
Einspeisevergütungen könnten stärker sinken als gedacht
In Deutschland gilt seit dem Jahr 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das den großen Energie-Unternehmen vorschreibt, Strom aus alternativen Energiequellen wie Sonne und Windkraft zu bestimmten Preisen abzunehmen. Diese Preise liegen deutlich über denjenigen für herkömmlichen Kraftwerksstrom und machen Technologien wie Photovoltaik erst attraktiv: Der von der Politik vorgegebene Preis (Einspeisevergütung) für eine Kilowattstunde Photovoltaik-Strom beträgt in diesem Jahr 43 Cent, der Marktpreis pendelt zwischen fünf und sechs Cent.
Je mehr Geld der Verkauf von Photovoltaik-Strom einbringt, desto höhere Preise können die Hersteller der Solar-Module für ihre Produkte verlangen. Dass die Einspeisevergütung mit Beginn des kommenden Jahres um etwa 10 Prozent sinken wird, ist den meisten Aktien-Käufern schon bekannt und sollte die Kurse der Solaraktien nicht belasten.
„Diese Senkung wird im kommenden Jahr aber nicht die einzige sein“, sagt Theo Kitz, der für die Bank Merck Finck Solaraktien analysiert. Er rechnet damit, dass die Einspeisevergütung Mitte 2010 abermals um rund 10 Prozent verringert wird - aber erst nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.
Der Spanien-Schock wiederholt sich nicht
Insgesamt werde sich das Weltmarktumfeld für Solarunternehmen nächstes Jahr jedoch verbessern, weil mittlerweile auch die Regierungen der Vereinigten Staaten, Japans und Südkoreas erneuerbare Energien fördern. Und weil kein zweites „Spanien“ den Markt für Solar-Module erschüttern wird. Spanien war noch im Jahr 2008 der größte Markt für neuinstallierte Photovoltaikanlagen, am Weltmarkt machte das Land rund 40 Prozent aus. Dann beschloss seine Regierung, von 2009 an nur noch ein Photovoltaikstromvolumen von 500 Megawatt zu erlauben, was weniger als einem Viertel der Menge von 2008 entspricht.
„Ein kompletter Absatzmarkt ist damit quasi zum Erliegen gekommen“, sagt Kitz. Das führte dazu, dass plötzlich viel mehr Solarmodule angeboten als nachgefragt wurden mit der Folge, dass ihr Preis um rund 40 Prozent sank - was wiederum den Solarunternehmen die Geschäftsergebnisse verhagelte und dazu führte, dass viele Aktienkurse im Sommer einbrachen.
Ob sie sich erholen werden, liegt nicht zuletzt an China. Das Land wird künftig stark auf dem Solarmarkt mitmischen. Chinas staatlich geförderte Solarunternehmen produzieren billiger und können deshalb niedrigere Preise anbieten als die deutsche Konkurrenz. Firmen wie beispielsweise Suntech Power und LDK Solar wachsen schnell und drängen nun immer stärker in andere Länder. Ein chinesischer Hersteller namens Yingli, der wie Deutschlands Solarworld nahezu die komplette Solar-Wertschöpfungskette anbietet, ist jüngst hierzulande erfolgreich gewesen: Die Payom Solar AG aus Merkendorf hat für das kommende Jahr einen Liefervertrag mit den Chinesen abgeschlossen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |