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Solarunternehmen Conergy-Aktie verliert drastisch an Wert

21.04.2009 ·  Der Aktienkurs des krisengeplagten Solarunternehmens Conergy fällt nach einem Umsatzrückgang im ersten Quartal und einem negativen Ausblick für 2009 um mehr als 40 Prozent. Zuvor hatten die Papiere noch eine beispiellose Rally hingelegt.

Von Tim Höfinghoff
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Die Neuigkeiten, die das krisengeplagte Solarunternehmen Conergy zu vermelden hatte, sind desaströs: Das TecDax-Unternehmen teilte mit, dass die Erlöse im ersten Quartal um 70 Prozent auf 65 Millionen Euro gesunken sind. „Der Vorstand geht nicht davon aus, dass das Umsatzniveau von 2008 in diesem Jahr gehalten werden kann“, heißt es. Im vergangenen Jahr hatte Conergy den Umsatz noch um 40 Prozent gesteigert.

Zudem fiel der Verlust im vergangenen Jahr wegen zusätzlicher Abschreibungen noch deutlich höher aus als noch zu den im März vorgelegten vorläufigen Zahlen. So liegt der Fehlbetrag im fortgeführten Geschäft mit 254 (Vorjahr: minus 213) Millionen Euro um 55 Millionen über dem vorläufig errechneten Wert. Inklusive der aufgegebenen Geschäftsbereiche wurde ein Minus von 307 (Vorjahr: minus 248) Millionen Euro verzeichnet.

Kein Wunder, dass die Conergy-Aktie am Dienstag drastisch an Wert verliert. Der Titel gibt um bis zu 45 Prozent nach - bis auf unter einen Euro. Dies ist der größte prozentuale Einbruch seit dem Börsengang im Jahr 2005. In den vergangenen Handelstagen hatten der im TecDax notierte Wert noch kräftig zulegt: Seit Ostern hatte die Aktie ein Kursplus von 120 Prozent verbucht.

Gerüchte um Übernahme trieben Aktienkurs

Zwar gab es keinen konkreten Gründe für den Kursanstieg. Doch unter Börsianer kursierten Übernahmespekulationen. Namen von möglichen Interessenten wurden jedoch nicht genannt. Anleger, die auf fallende Kurse spekuliert hatten, wurden zu Käufen gezwungen. Fachleute erklären, dass es nur eine Frage der Zeit gewesen sei, bis die Spekulationsblase in dem Conergy-Papier platzte.

Conergy ist einer der größten Anbieter von Solaranlagen in Europa. Seit 2005 ist das Unternehmen an der Börse notiert. 2007 entging das Unternehmen knapp der Insolvenz und konnte nur durch verschiedene Kapitalmaßnahmen gerettet werden. Der frühere Tchibo-Chef Dieter Ammer hat im Herbst 2007 die Geschäftsführung nach der Beinahe-Pleite übernommen und Conergy einen Sanierungskurs verordnet. So konzentriert sich das Unternehmen auf das Solargeschäft und trennte sich von anderen Geschäftsbereich wie Biomasse, Windkraft und geothermischen Kraftwerken.

Die Zahlen, die Conergy nun gemeldet hat, sind weitaus schlimmer, als viele Anleger befürchtet hatten. Ein Börsianer sagte: „Der Ausblick ist mehr als eine Katastrophe.“ Das Solarunternehmen verbrennt Kapital. Außerdem dürfte es sehr schwierig werden, den avisierten Auftragseinbruch von 70 Prozent angesichts der dünnen Eigenkapitaldecke langfristig zu verkraften.

Streit mit amerikanischem Konzern

Conergy wird weiter belastet durch hohe Kosten für die Sanierung. Wegen zusätzlicher Abschreibungen fiel im vergangenen Jahr der Verlust noch deutlich höher aus als noch Anfang März angegeben.

Hintergrund ist auch ein Vertragsstreit mit dem amerikanischen Konzern MEMC. Conergy will eine Neuverhandlung des Vertrages erreichen, hat sich mit dem Lieferanten aber noch nicht einigen können. Notfalls will das Unternehmen den Vertrag auch gerichtlich anfechten. Wegen der Verhandlungen hatte Conergy die Veröffentlichung des Jahresabschlusses zuletzt verschoben. Nun heißt es: „Der Vorstand hat in dem heute festgestellten Jahresabschluss bereits die geleistete Anzahlung aus Vorsichtsgründen abgewertet. Zusätzlich wurden die erwarteten Kosten eines Rechtsstreits als Aufwand berücksichtigt.“

In jüngster Zeit hatte sich die Conergy-Aktie immer mehr zu einem Zocker-Papier entwickelt. Mittlerweile raten die meisten Analysten dazu, die Aktie zu verkaufen. Nach Ansicht von Branchenkennern belastet die weltweite Wirtschaftskrise das Unternehmen immer stärker. Die Umsätze gingen in den vergangenen Monaten stetig zurück.

Die Conergy-Aktie ist mit einem KGV von knapp 31 auf Basis der Analystenschätzungen für das kommende Geschäftsjahr nicht nur überbewertet. Schlimmer noch: Conergy gilt als Pleitekandidat. Hinzu kommt, dass andere Solaraktien nicht nur günstiger sind, sondern auch schwarze Zahlen liefern. Davon ist Conergy weit entfernt.

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Jahrgang 1975, Redakteur in der Wirtschaft.

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