Sonnenenergie ist die Energieform der Zukunft - daran zweifelt kaum jemand. Zweifel bestehen lediglich, welche Solarunternehmen tatsächlich vom Boom der kommenden Jahre profitieren und welche nicht. Die Unsicherheit ist groß, wie die Entwicklung an den Börsen seit Jahresbeginn zeigte.
Kaum hatte die Bundesregierung ihre außerplanmäßigen Förderkürzungen verkündet, reagierten Anleger und Branchenvertreter, als würde die Sonne unter- und nie wieder aufgehen. Die Kurse von Firmen wie Solarworld oder Q-Cells brachen seit Januar um fast die Hälfte ein. Und Lobbyisten wie der Bundesverband Solarwirtschaft malten ein düsteres Bild: „Ausmaß und Geschwindigkeit der Förderkürzungen bedrohen die Existenz großer Teile der deutschen Photovoltaik-Industrie“, sagt etwa Verbandschef Günther Cramer.
Stark gefallene Kurse bieten gelegentlich Einstiegsmöglichkeiten
Aus Anlegersicht ist es verfehlt, deswegen um die Branche gleich komplett einen Bogen zu machen. Im Gegenteil bieten stark gefallene Aktienkurse gelegentlich gute Einstiegsgelegenheiten. So halten es etwa die Analysten von Cheuvreux für übertrieben, dass die Aktie der bayerischen Phoenix Solar AG seit dem 15. Januar rund 30 Prozent verloren hat. Die Börsenbeobachter haben zwar ihr Kursziel gesenkt, zugleich aber ein Aufwärtspotential von 26 Prozent ausgemacht und das Papier am Mittwoch von unter- auf überdurchschnittlich hochgestuft. Ein Beispiel, dass die Solarbranche derzeit vielleicht mehr Chancen als Risiken bietet.
Noch mehr Beispiele benennt eine jetzt veröffentlichte Studie von Silvia Quandt Research, der Analyseabteilung des gleichnamigen Finanzdienstleisters, an der die älteste Tochter des Industriellen Herbert Quandt beteiligt ist. Diese Untersuchung nimmt elf Solar-Firmen unter die Lupe und vertritt dabei eine These: Investoren fahren besser, wenn sie sich die Unternehmen am richtigen Ende der Wertschöpfungskette aussuchen.
Und das richtige Ende ist in diesem Fall oben. Weniger empfehlenswert sind demnach Unternehmen wie Wacker Chemie, Mitsubishi Electric oder auch Solarworld und Q-Cells: „Die Silizium-, Wafer- und Solarzellenhersteller leiden unter einem hohen Preisdruck“, sagt Analyst Harald Gruber, der zusammen mit seinem Kollegen Dennis Etzel die Studie erarbeitet hat. Statt auf diese stark im Zulieferbereich tätigen Unternehmen setzen die beiden auf Firmen, die auf der Abnehmer- und Serviceseite der Solarbranche zu finden sind.
Der Anleger hat die Qual der Wahl
Zur Begründung führen sie an, das dieses sogenannte „Downstream“-Segment von der deutschen Einspeisevergütung und den anstehenden Kürzungen - sie soll im Juli zusätzlich zu den ohnehin geplanten jährlichen Reduzierungen um weitere 15 bis 16 Prozent sinken - weniger betroffen sei als das „Upstream“-Segment.
Aber auch am oberen Ende gilt es auszuwählen. Von den elf untersuchten Unternehmen sind für die Silvia-Quandt-Experten auf dem aktuellen Kursniveau nur fünf ein Kauf: Centrosolar, Colexon Energy, Payom Solar, Ralos New Energies und Solar Millennium. Als „neutral“ werden Global Eco-Power, Phoenix Solar, SAG Solarstrom, Solarhybrid und Systaic eingestuft. Die Solon-Aktie empfehlen sie zum Verkauf.
Trotz allem Optimismus für die genannten Papiere gilt es jedoch eines zu bedenken: Es handelt sich um „Small Caps“, also Aktien mit einem vergleichsweise geringen Börsenwert und Handelsumsatz. Auch wenn man ihre Aussichten gut einschätzt, eignen sie sich allenfalls als Beimischung fürs Depot.
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