11.05.2010 · Nicht weniger als vier Solarwerte haben am Dienstag Geschäftszahlen für das erste Quartal vorgelegt. Sie zeigen sich sehr durchmischt, Prognosen fehlen weitgehend - entsprechend der Wetterlage in der Branche. Keine der Aktien erscheint wirklich reizvoll.
Von Martin HockNicht weniger als vier deutsche Solarunternehmen legten am Dienstag Quartalszahlen vor. Zählt man den Maschinenbauer Manz, der großteils für die Branche arbeitet, sind es sogar fünf. Geht man vom Höhenflug der Branche vor einigen Jahren aus, so lässt sich insgesamt konstatieren, dass alle Unternehmen davon weit entfernt sind.
Sie bewegen sich qualitativ alle auf ähnlichem Niveau. Das überrascht nicht weiter, waren doch die besten Zeiten der Branche schon vorüber, noch bevor die Bundesregierung sich für eine Kürzung der Fördersätze entschloss, die es allen Unternehmen nicht einfacher macht.
Keine Liebe zu Prognosen
Kurzfristig brachte sie ihnen noch einmal eine Ladenschlussrally. „Trotz ähnlicher
Witterungsbedingungen war durch die anstehende Anpassung in diesem Jahr genügend Druck für Installateure und Kunden da, Anlagen schon im ersten Quartal ans Netz zu bringen“, sagt da etwa Andreas Hänel, der Vorstandsvorsitzende der Phoenix Solar AG.
Doch niemand weiß so recht, wie es weitergeht. Das zeigt sich anhand der Tatsache, dass auch Mitte Mai keinem der vier Unternehmen so recht eine Umsatzprognose für das laufende Jahr über die Lippen gehen will. Q-Cells rechnet mit 1 bis 1,2 Milliarden Euro, Solarworld mit mehr als 1 Milliarde und Phoenix Solar einfach nur mit mehr als 2009. Lediglich Centrotherm zeigt sich mit einer Prognose von 550 bis 580 Millionen Euro vergleichsweise konkret.
Gar keine Aussagen wollen die Unternehmen zur erwarteten Profitabilität machen. Um diese ist es auch nicht zum Besten bestellt. Q-Cells glaubt weiter an einen Betriebsgewinn, obwohl der Konzernumbau im ersten Quartal abermals für einen Betriebsverlust von 9,3 Millionen Euro sorgte. Dieser war jedoch nicht so hoch wie von Analysten befürchtet. Dagegen fiel der Reinverlust mit 46,4 Millionen Euro doppelt so hoch aus wie geschätzt. Grund sind die Verluste der nunmehr aufgegebenen Töchter Calyxo und VHF Technologies, für die Q-Cells Partner sucht.
Solarworld und die Margenfinsternis
Gerade die Ausgliederung dieser Lasten ist es, die den Vorstandsvorsitzenden Nedim Cen an einen Betriebsgewinn im zweiten Quartal glauben lassen. Zudem will er die Produktion
nach Malaysia verlagern und ins Modulgeschäft einsteigen. Indes könnte die Partnersuche in der unter Druck stehenden Branche nicht ganz einfach verlaufen. Das Modulgeschäft ist dagegen nicht weniger umkämpft und in der Krise.
Davon weiß Solarworld AG ein Lied zu singen. Trotz noch immer schwarzer Zahlen geht es mit den Margen steil abwärts. Die betriebliche Marge lag zwar mit 11 Prozent über den Erwartungen der Analysten, doch nicht zuletzt auch, weil der Umsatz um mehr als 8 Prozent darunter lag. Die Zeiten, als Solarworld noch Margen von 30 Prozent verzeichnete, sind vorbei. Die Richtung ist ungewiss.
Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 5,3 Millionen Euro oder 4,7 Cent je Aktie. Das war zwar besser als der Verlust des Vorquartals, doch deutlich weniger als von Analysten erwartet und der niedrigste Gewinn in einem ersten Quartal seit 2003. Allerdings war dafür die Nicht-Aktivierung latenter Steuern maßgeblich, so Solarworld.
Ladenschlussrally bei Phoenix Solar
Besser schnitt Phoenix Solar ab, die von der Ladenschlussrally profitierten. In den Auftaktmonaten wurde der Umsatz mit über 80 Millionen Euro mehr als verdoppelt, der Betriebsverlust des Vorjahresquartals in einen höher als erwarteten Gewinn verwandelt. Doch will Phoenix erst detailliertere Ziele nennen, wenn das EEG endgültig geändert ist. Immerhin schließt das Unternehmen einen Rückgang der Profitabilität aus.
Auch für 2011 erwarten Analysten im Mittel steigende Umsätze und Erträge. Sogar die betriebliche Marge soll leicht stiegen, nimmt sich mit 5 Prozent aber nicht eben hoch aus und soll in den Jahren darauf wieder unter diesem Wert liegen. Indes ist das Systemgeschäft grundsätzlich nicht so margenstark.
Ausrüster zwischen Krise und Erholung
Weniger betroffen von der Änderung der Fördersätze sind die Solarausrüster. Die Anlagenbauer beliefern Hersteller weltweit. Doch das Geschäft ist zyklisch. Der Auftragsbestand von Centrotherm ist derzeit auf 750 Millionen Euro geschrumpft, nachdem er vor Jahresfrist noch 1,25 Milliarden Euro betrug.
Dennoch und trotz des im ersten Quartal auf 115 Millionen Euro gesunkenen Umsatzes bekräftigte das Unternehmen das Ziel um bis zu 14 Prozent steigender Erlöse im Gesamtjahr. Eine Gewinnprognose liefert auch Centrotherm nicht; in den ersten drei Monaten war der Überschuss um über ein Drittel geschrumpft.
Dafür zeigt sich Manz um so optimistischer. Mit einem Umsatzwachstum von 30 Prozent auf 21,3 Millionen Euro und einem Rückgang des Betriebsverlustes auf 3,3 Millionen Euro scheint sich Manz auf zu alter Stärke zu machen. Seit Beginn des Geschäftsjahres konnte Manz Aufträge im Volumen von 59,6 Millionen Euro akquirieren und damit den Bestand auf 87,3 Millionen Euro steigern.
Dies werde im Jahresverlauf zu wieder deutlich verbesserten Umsatz- und Ertragskennzahlen beitragen, hieß es. Manz rechnet mit einem Umsatzwachstum von mindestens 50 Prozent. Die Ziele könnten aber auch noch übertroffen werden.
Nur die Phoenix-Aktie zeigt eine ansprechende Bewertung
Die Bewertungen der Aktien entsprechen der relativen Lage der Unternehmen nicht wirklich. So ist die Q-Cells-Aktie mit einem prognostizierten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 28 auf Basis des kommenden Geschäftsjahres immer noch sehr hoch bewertet, während sich Phoenix Solar mit knapp 10 für das laufende und 7,7 für das kommende Jahr eher preiswert zeigt. Solarworld liegt mit KGVs von 16,4 bzw. 13,5 eher dazwischen. Dabei gilt, dass die Bewertungen für die kommenden Jahre davon abhängen, wie sich das Geschäft nach der EEG-Reform tatsächlich entwickelt und inwieweit die Unternehmen im Auslandsgeschäft mitmischen können.
Wenig Spielraum nach oben aus fundamentaler Sicht zeigen die Ausrüster. Gerade die Aktie von Manz ist mit prognostizierten KGVs von 31,6 bzw. 14,7 eher hoch bewertet, Centrotherm stellt sich mit 15,2 und 12,3 eher fair bewertet dar.
Technisch wenig reizvoll
Technisch macht keine der Aktien einen guten Eindruck. Die Kurse von Solarworld und Q-Cells gehen seit Ende 2007 schon abwärts. Q-Cells notieren nahe ihrem in diesem Monat markierten Allzeittief. Der Kurs von Solarworld hat den tiefsten Stand seit Juni 2005 erreicht. Phoenix Solar halten sich etwas besser, die Tendenz ist in diesem Jahr aber ebenfalls eindeutig abwärts gerichtet.
Das gilt auch für Centrotherm und Manz. Bei Centrotherm hat sich eine Schulter-Kopf-Schulter Formation nahezu vollständig ausgebildet. Ein Test des Septembertiefs könnte bevorstehen. Wird dieses unterschritten, sind neue Tiefkurse wahrscheinlich. Manz hatten sich 2009 gut erholt, doch die Aufwärtsbewegung ist bedroht. Nach oben wird es schwer, ein Unterschreiten des Tiefs vom vergangenen Freitag könnte den Kurs bis auf 40 Euro nach unten führen. Grundsätzlich verlockt daher keine der Aktien so recht zum Einstieg.
well ...
Frank Geiser (geiser123)
- 12.05.2010, 04:24 Uhr
Welche Perspektive haben Solaraktien
Horst Trummler (Vandale6906)
- 12.05.2010, 08:57 Uhr
@ Horst
Frank Geiser (geiser123)
- 12.05.2010, 14:26 Uhr
@trummler "Die Sonneneinstrahlung ist auf unserem Planeten unzureichend ...
jürgen fischer (rdeniro)
- 12.05.2010, 15:55 Uhr
Zukunftsperspektiven fuer die Solarindustrie in Deutschland
Horst Trummler (Vandale6906)
- 12.05.2010, 16:12 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |