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Solar-Aktien : Solon-Pleite zeigt die Größe des Konsolidierungsbedarfs

Aus für Solon. Bild: dapd

Das Solar-Aktien-Urgestein Solon hat Insolvenz angemeldet. Dies ist das vorläufige Ende einer rasanten Talfahrt. Doch auch für den Rest der Branche könnten die Aussichten besser sein.

          Die einst so gefeierte Solarbranche steckt tief in der Krise. Schon lange sind Conergy und Q-Cells angeschlagen. Zur Erinnerung: Conergy-Gründer Hans-Martin Rüter war 2007 noch „Unternehmer des Jahres”, Q-Cells galt 2008 als Kandidat für den Dax. In diesem Sommer gingen dann in Amerika der Pionier Evergreen Solar und der als Musterbeispiel eines zukunftsträchtigen amerikanischen Technologieanbieter gelobte Solyndra in die Insolvenz.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun hat es in Deutschland einen Pionier der Branche erwischt: Der Berliner Solarmodulbauer Solon hat am Dienstagabend die Stellung eines Insolvenzantrags bekannt gegeben. Aus heiterem Himmel kommt dies nicht. Hauptsächlich ein Modulhersteller, stand Solon in der überbesetzten Branche schon seit längerem stark unter Druck.

          Ende einer rasanten Talfahrt

          In den ersten neun Monaten 2011 weitete sich der Konzernverlust des Vorjahreszeitraums aufgrund der stark gesunkenen Modulpreise von 17,5 Millionen Euro auf katastrophale 208 Millionen Euro aus, derweil der Umsatz von 403 auf 358,2 Millionen Euro zurückging.

          Hinzu kamen hohe Schulden. Die Nettoverschuldung hatte sich im vierten Quartal 2008 von 104 auf 379 Millionen Euro mehr als verdreifacht und konnte seitdem nicht mehr zurückgefahren werden. Im Gegenteil: Zum 30. Juni lag sie bei 402 Millionen Euro. Seinerzeit hatte Solon einen Teil der 2007 ausgegebenen Wandelanleihe im Volumen von 200 Millionen Euro zurückgekauft und diesen Abbau langfristiger Schulden durch kurzfristige Kredite finanziert. Hinzu kamen Anlaufkosten für neue Kapazitäten, die dann nicht mehr wirklich ausgelastet werden konnten, weil der Umsatz nicht wuchs.

          2008 blieb mit 815 Millionen Euro mit weitem Abstand ein Rekordjahr. Vor allem aber machte Solon vom ersten Quartal 2009 an nur noch Verluste, auch auf operativer Ebene, wenngleich das Jahr 2010 noch einmal eine Verbesserung gebracht hatte.

          Vier Jahre Kursniedergang

          Doch 2011 kamen Wertberichtigungen auf Projekte, Vorräte und Anzahlungen hinzu, zudem kostete das Restrukturierungsprogramm Geld, vor allem die Schließung der Produktion in den Vereinigten Staaten. Nach dem Bilanzierungsstandard IFRS war Solon zum 30. September schon überschuldet. Die Bemühungen um eine Restrukturierung und die Gespräche mit Banken, Bürgen und Investoren scheiterten.

          Der Abstieg des Unternehmens vollzog sich über einen langen Zeitraum. Im November 2007 hatte der Aktienkurs bei 86,7239 Euro seinen Höchststand erreicht. Ein halbes Jahr danach notierte die Aktie nur noch halb so hoch, ein Jahr darauf hatte sie drei Viertel des Wertes verloren. Im September 2009 wurde die Aktie aus dem TecDax genommen, in dem sie seit März 2006 notiert gewesen war. Am Mittwoch fiel der Kurs zur Eröffnung des Handels auf 36,8 Cents.

          Die Vorsteuer-Marge des Unternehmens hatte 2007 mit 9,2 Prozent ihren Rekord erreicht, dann brach sie praktisch zusammen. 2008 lag sie mit 6,8 Prozent auf dem Niveau der Jahre 2005 und 2006, danach wurde sie negativ.

          Marktbereinigung wird weitergehen

          Der Solon-Konkurs belastet vor allem die Aktie von Q-Cells, die knapp 5 Prozent abgibt. Das Unternehmen wird vielerorts schon lange als Kandidat für eine Insolvenz gehandelt. Aber auch Sunways und Phoenix Solar verzeichnen deutliche Verluste. Die Tatsache, dass die Kursabschläge anderenorts gering ausfallen, dürfte dreei Aspekten zuzuschreiben sein. Erstens kommt die Insolvenz nicht unerwartet, zweitens gibt es Unternehmen, die mehr als Kandidaten für eine Insolvenz gelten als andere und drittens wird dies als Marktbereinigung aufgefasst, die den anderen Unternehmen mehr Luft verschafft.

          Insgesamt benötigt der Markt eine noch stärkere Bereinigung. Nach Berechnungen der Berliner Hochschule für Technik und Wissenschaft (HTW) übersteigt die weltweite Produktionskapazität für Solarzellen die Nachfrage um zwei Drittel. Die großen chinesischen Hersteller haben deutliche Überkapazitäten und drücken die Preise weiter.

          Verschuldung der Branche erheblich gestiegen

          Das heißt nicht, dass Insolvenzen unmittelbar bevorstehen. Vergleicht man die Entwicklung einiger Kennziffern von Solon mit denen anderer Solar-Unternehmen, so zeigt sich dass die Entwicklung der anderen nicht unbedingt gut war, die von Solon jedoch außergewöhnlich negativ. Das Unternehmen hat seit 2008 den größten Umsatzverlust und stärksten Margeneinbruch verzeichnet. Es rutschte als einziges in die Verlustzone, sieht man davon ab, dass sich Conergy schon 2008 nicht in dieser befand. Allerdings hat jenes Unternehmen die Verluste seitdem deutlich verringern können.

          Auffällig ist, dass sich die Nettoverschuldung aller Unternehmen im Verhältnis zum Eigenkapital zum 30. September gegenüber dem Vorjahresstichtag großteils deutlich gestiegen ist. Ausnahmen sind Conergy und Q-Cells, die schon länger in der Krise stecken. Das könnte auf finanziellen Konsolidierungsbedarf in unterschiedlicher Höhe und Dringlichkeit durch die gesamte Branche hinweisen.
          Welches Unternehmen tatsächlich am stärksten bedroht ist und Solon in die Insolvenz folgen könnte, ist so einfach nicht zu beantworten. Neben der Schuldenhöhe spielen hier Fristigkeiten, die Verteilung der Geldgeber und unternehmensspezifische Faktoren eine große Rolle.

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